Reichenbach - Ina und Jörg Joswig haben auf einem Grundstück im Oberdorf ein Refugium für Tiere und Pflanzen geschaffen Verwilderter Garten wird zur Blumenwiese

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Heinz Eichhorn
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Wo früher hohe Brombeerhecken wuchsen, hat das Reichenbacher Ehepaar Joswig ein Wildblumenparadies geschaffen. © Privat

Reichenbach. Eineinhalb Jahre hatten Ina und Jörg Joswig sowie Thea Seidel – alle drei Mitglieder im Verschönerungsverein Reichenbach (VVR) – zu tun, um auf einem über zwei Jahrzehnte lang nicht mehr bearbeiteten Grundstück eine Blumenwiese anzulegen. In diesem Sommer können sie sich erstmals an der üppigen Flora erfreuen.

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Als das Ehepaar Joswig vor sieben Jahren Haus und Grundstück des ehemaligen Reichenbacher Bürgermeisters Karl Germann erwarben, hatten sie mit Umbau und Pflegearbeiten auf dem rund 2300 Quadratmeter großen Gelände gut zu tun. Zumal die tiermedizinische Fachangestellte und der Angestellte beim Regierungspräsidium Haus und Garten schon voll hatten: Drei Hunde, zwei Katzen, zahlreiche Hühner mit dem Hahn Egon als Aufseher, Meerschweinchen, Kaninchen und Laufenten.

Mit Tieren gibt es immer etwas zu tun. Vor allem nachdem Ina Joswig die beiden Labradorhunde Don und Jessy in die Hundestaffel des Deutschen Roten Kreuzes in Bensheim einbrachte und mit ihnen für die Einsätze auf dem Grundstück und auf den Hundeplätzen übte. Da war es wichtig, dass ihr Mann sie unterstützte, der beim DRK Kreisbereitschaftsleiter ist und dem Kreisvorstand angehört.

Eichen, Eschen und Brombeeren

Trotz aller beruflichen und privaten Belastungen reizte das Ehepaar Joswig aber das angrenzende Brachland. Mit ihm kamen rund 2000 Quadratmeter dazu, auf denen außer alten Eichen und Eschen vor allem meterhoch Brombeeren wuchsen. Jetzt war es wichtig, Ina Joswigs Mutter Thea Seidel in der Nähe zu wissen. Die frühere Altenpflegerin half bei der Planung und beim Wurzelziehen. Als sich herausstellte, dass dies zu einer endlosen Arbeit ausarten würde, wurden drei Ziegen ausgeliehen. Innerhalb von nur zwei Wochen hatten diese nahezu alle Hecken abgefressen und die Bäume von ihren unteren Ästen befreit.

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Jetzt wurde noch das Gelände leicht eingeebnet und der Hang besser begehbar gemacht, der hintere Bereich des Grundstücks jedoch seinem Schicksal überlassen.

Dort wächst jetzt wieder alles, was die Natur mit ihren Kleintieren benötigt. Eine Idylle für Echsen, Insekten, Schmetterlinge. Den vorderen Bereich säten die drei Naturfreunde mit einer Samenmischung großzügig ein. Schon im April blühten viele gelbe Ringelblumen. Der Holunder folgte ebenso wie später der Klatschmohn.

Fuchs als Eindringling

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Seit einigen Wochen haben Ina, Thea und Jörg den Überblick etwas verloren. Die Zahl der blühenden Stauden ist kaum überschaubar. Es bedarf eines intensiven Studiums einschlägiger Literatur, um die Arten und Sorten zu unterscheiden.

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Mit einer Wildkamera beobachtet Jörg Joswig, was sich nachts so auf dem Gelände herumtreibt. Dabei interessiert ihn vor allem der Fuchs, der schon mehrere Hühner geholt und auch die Laufenten angegriffen hatte. Mehrfach gesichtet wurden auch Dachse und Waschbären.

Trotz dieser Probleme freut sich die Familie über ihr Refugium, befreit von jeglichem Zwang der Gestaltung. Wie schon Johann Wolfgang von Goethe sagte: „Niemand glaubt sich in einem Garten behaglich, der nicht einem freien Lande ähnlich sieht; an Kunst, an Zwang soll nichts erinnern, wir wollen völlig frei und unbedingt Atem schöpfen.“

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