Baugebiet Schmelzig - Ökopartei sieht sich mit den Zielen der Elmshäuser Bürgerinitiative einig Grüne wollen den Flächenfraß aufhalten

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tm/red
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Elmshausen. Die Lautertaler Grünen sehen keine Diskrepanz zwischen ihrer Politik und den Forderungen der Bürgerinitiative Schmelzig in Elmshausen, die kritisch zu dem dort geplanten Neubaugebiet gleichen Namens steht. Die Initiative hatte den Grünen in dieser Zeitung vorgeworfen, das Baugebiet zu unterstützen, obwohl es ihren Zielen zuwiderlaufe.

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Die Grünen schreiben in einer Erwiderung, sie hätten „mit großem Interesse“ die Presseverlautbarung der Bürgerinitiative gelesen. „Wir sind froh, dass es mit der Bürgerinitiative Schmelzig eine Gruppe in Elmshausen gibt, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Entwicklung von Neubaugebieten nach guten ökologischen Maßstäben zu begleiten. Da dies seit Gründung der Grünen in Lautertal auch stets unser Ansinnen war, fällt es uns nicht schwer, die Forderung der Initiative zu nachhaltiger Siedlungsentwicklung zu unterstützen“. Es sei erfreulich, dass die Initiative Grundsätze grüner Positionen unterstütze.

Für die Grünen sei der sorgsame Umgang mit der Entwicklung von Bauflächen seit Jahrzehnten oberstes Gebot. „Wir plädieren aus besten Gründen für nachhaltige Entwicklung“, so Olaf Harjes, Fraktionsmitglied und Vorsteher der Grünen. Man stehe zum Grundsatz der Baulückenschließung vor Außenentwicklung. „Damit wollen wir sicherstellen, dass wir der Natur möglichst heimatnah das zurückgeben, was wir ihr an anderer Stelle entreißen. Deswegen werden wir zukünftig dafür kämpfen, dass Ausgleichsmaßnahmen für Baugebiete in Lautertal stattfinden und nicht wieder exportiert werden“, ergänzt Fraktionsvorsitzender Frank Maus.

Tiefbrunnen soll geschützt werden

Was die Ausweisung von Baugebieten betreffe, so favorisierten Grüne die Orientierung am Eigenbedarf der Gemeinde. Auch Zuzug müsse möglich sein, doch die Grünen verweigerten sich „dem alten Ruf nach ständiger Expansion. Die Auswüchse in den Bergsträßer Metropolen zeigen, wohin das führt, nämlich in eine Betonlandschaft auf Kosten der Umwelt, Lebensqualität und Gesundheit der Bürger. Den Menschen wird immer bewusster, dass ein Weiter-so“ ins Verderben führt. Hierzu gehört natürlich auch der Umgang mit Baugebieten und dem Schutzgut Boden“, schreiben die Grünen.

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Ulrike Reiser, Gemeindevorstandsmitglied der Grünen, habe sich kritisch in den Bebauungsplan Schmelzig eingearbeitet: „Schon vor zwei Jahren haben die Grünen in öffentlicher Sitzung der Gemeindevertretung offen und ehrlich die notwendigen Kriterien für das Baugebiet aufgezeigt. Hierzu zählte insbesondere der Schutz für den Tiefbrunnen in direkter Nachbarschaft.“

Die Grünen seien es gewesen, die bei einem Wasserversorger recherchiert hätten, dass eine Straßenführung in einem Wasserschutzgebiet möglich sei, wenn die Straße besondere Sicherheitsmaßnahmen aufweise, die den Tiefbrunnen effektiv vor Verunreinigung schützten. „Der Schutz des Trinkwassers hat oberste Priorität. Die Entwicklung des Baugebietes muss das gewährleisten“, so Reiser. Wie das technisch geschehe, obliege dem Sachverstand des Planers. Gleiches gelte für die Verkehrsbelastung, damit diese erträglich bleibe.

Ziel: klimaneutrale Kommune

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„Die Grünen werden zukünftig auch immer mehr die Klimaneutralität von Baugebieten anstreben. Wir wollen klimaneutrale Kommune werden. Das ist möglich, wenn man sich nur mal innovative Konzepte anschaue, die an den Universitäten entwickelt werden“, heißt es in der Mitteilung der Partei. Die Grünen-Kandidatin Stefanie Richter sagt dazu: „Wir müssen bautechnisch den einseitigen Flächenverbrauch durch Zubetonieren unserer Kommunen reduzieren und dabei immer auch einen ökologischen Ausgleich schaffen. Der Flächenfraß darf nicht ungebremst voranschreiten.“

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Die vom Kreisdezernenten Karsten Krug initiierte Biodiversitätskonferenz habe diese Notwendigkeit in den vergangenen Wochen unterstrichen. Diesen Ansatz unterstützten die Lautertaler Grünen. „Deswegen ist auch der maßvolle Umbau der Industriebrache Destag in ein ökologisch verantwortliches Baugebiet mit angemessenem Flächenausgleich einem renaturierten Vorbach, Grünflächen und Baumbestand richtig“, so Philipp Rothfritz.

„Die Heftigkeit der Kritik von der Bürgerinitiative Schmelzig hat uns gezeigt wie wichtig die im aktuellen Wahlprogramm der Grünen geforderten Bürger-Foren sind, damit mehr Transparenz für alle Aspekte eines Sachverhalts vorhanden ist“, sagt Gemeindevertreter und Kreistagskandidat Udo Rutkowski. „Ob die Ortsbeiräte ausreichen, um mit den Bürgern im Gespräch zu bleiben ist fragwürdig. Die Zeit, in der die Politik etwas festlegt und die Bürger nicken, ist vorbei. Wir wollen die Bürger an den Gesprächstisch holen. Eine einmalige Bürgerversammlung kann das offensichtlich nicht auffangen“, heißt es in der Mitteilung der Grünen abschließend. tm/red