Heimatgeschichte - Vor 40 Jahren wurde das bekannteste römische Werkstück am Felsberg von Jugendlichen unabsichtlich beschädigt Grillfeuer wurde der Riesensäule zum Verhängnis

Von 
Walter Koepff
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Reichenbach. Außer, dass es diverse Pläne gab, die Riesensäule im Felsenmeere für andere Zwecke wegzuschaffen oder an Ort und Stelle aufzustellen, hatte der Granitkoloss nach seiner Herstellung durch römische Steinmetze rund 1500 Jahre seine Ruhe. Damit war es vor 40 Jahren aber vorbei.

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Bereits im Dezember 1979 hatten Unbekannte das römische Werkstück weiß angestrichen. Durch den fehlenden Schnee in dem Winter war der Tarnanstrich allerdings schnell aufgefallen.

Wenige Monate später kam der zweite Schock: In der Nacht zum 1. Mai 1980 entzündeten Jugendliche in der Kuhle an der Granitsäule ein Mai-Feuer. Eine ganz schlechte Idee: Die Hitze brachte Spannung in das Gestein der insgesamt 30 Tonnen schweren und neuneinhalb Meter langen Säule. Sie zerbrach. Absplitterungen an der Seite des Feuers beschädigten das vielbesuchte Kulturdenkmal deutlich.

Besonders enttäuscht und verärgert über das Geschehen waren die Mitarbeiter der Arbeitsgemeinschaft Felsbergmuseum in Beedenkirchen. Durch ihr Wirken hatte die Arbeitsgemeinschaft versucht, das Geschichtsbewusstsein der Bevölkerung für die historischen Dinge in der unmittelbaren Umgebung zu stärken.

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Wie Klaus Kandt, leitendes Mitglied der Arbeitsgemeinschaft in Beedenkirchen, in einem Artikel für die „Lautertaler Nachrichten“ schrieb, habe das Feuer den wohl eindrucksvollsten Zeuge aus römischer Vergangenheit am Felsberg, stark beschädigt.

Vier Tonnen Gewicht abgesprengt

Eine Gruppe von etwa 40 Leuten im Alter zwischen 16 und 18 Jahren hatte sich in der Nacht am Felsenmeer eingefunden, „um den Mai auf eine Weise zu begrüßen, wie das wohl nicht geplant war“, wie Kandt schilderte. Das Grillfeuer habe verheerende Folgen für den Granitblock gehabt.

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Durch die starke Hitze wurde ein Stück von 110 Zentimetern Länge und fast vier Tonnen Gewicht glatt abgesprengt. Kandt lobte die Arbeit der Polizei in Heppenheim, die durch den Betreiber des Kiosks an der Riesensäule auf den Schaden aufmerksam gemacht worden war. Innerhalb weniger Stunden waren die Jugendlichen ermittelt worden.

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Es werde einige Mühe kosten, um Restauratoren zu finden, die den Schaden an der Riesensäule einigermaßen beheben könnten – sofern dies überhaupt möglich sei, schrieb Klaus Kandt weiter.

Der Vorfall brachte dem Felsberg und seinem Museum einige Popularität ein. Journalisten wurden vorstellig, die sich mit der traurigen Meldung zu befassen hatten. In seinem Radio-Magazin „Unterwegs in Hessen“ brachte der Hessische Rundfunk eine Reportage über das Ereignis. Eine Redakteurin der Frankfurter Rundschau versuchte durch Telefonate mit Lautertals Bürgermeister Josef Weitzel und den Mitarbeitern vom Felsberg-Museum Informationen für die Samstag-Ausgabe der Zeitung zu erhalten.

Allgemeine Betroffenheit

Die Reaktionen von damals zeigten allgemeine Betroffenheit über die sinnlose – wenn auch nicht gewollte – Beschädigung des römischen Werkstücks.

Urkundlich erwähnt wurde die Riesensäule nach Klaus Kandts Schilderungen erstmals vor knapp 1000 Jahren. „Fortschaffen wollte man sie schon öfter, unbeschadet überstanden hat sie alles, nur nicht den 1. Mai 1980.“

Am 8. Mai meldete dann der BA, dass die Riesensäule nicht absichtlich demoliert worden sei. Der von der Heppenheimer Polizei ermittelte Täterkreis von rund 40 Personen aus dem Landkreis Darmstadt-Dieburg, der für die Zerstörung in Frage komme, habe in jener Nacht nicht vorsätzlich gehandelt. Der Schaden sei dagegen auf jugendliche Dummheit zurückzuführen.

Die Kosten für die Reparatur sollten auf die beteiligten Personen aufgeteilt werden. Der ideelle Schaden sei allerdings unersetzbar, hieß es in dem Bericht.

Freie Autorenschaft Nach Anfängen bei der Schülerzeitung "Kurfürst" des Bensheimer Alten Kurfürstlichen Gymnasiums (AKG), Freier Mitarbeiter bei der Lindenfelser Wochenzeitung "Samstag", 1972 Wechsel zum Bergsträßer Anzeiger. Pressemäßig in Wort und Bild in Lautertal tätig.