Grüne Lautertal - In einem Online-Vortrag sprach Forstwissenschaftler Martin Bertram über Perspektiven für die Naturlandschaft Forderung nach einer Strategie für den Wald

Von 
Jutta Haas
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Forstwirtschaftliche Tätigkeiten sieht der Wissenschaftler Martin Bertram zum Teil als Risiko für den heimischen Wald, wie er in einem Internet-Vortrag der Lautertaler Grünen bekundete. © Schwabe

Lautertal. Mit der Naturlandschaft Wald beschäftigte sich ein Vortrag von Forstwissenschaftler Martin Bertram, den er im Rahmen der Online-Informationsreihe des Lautertaler Ortsverbands der Grünen hielt. „Zukunftsperspektive für den Lautertaler Wald im Klimawandel“ lautete der Titel des Vortrages.

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Martin Bertram hat weltweite Erfahrungen im „nachhaltigen Management natürlicher Ressourcen“ und sich an einer Studie über die Waldentwicklung und Entwicklung der Natura 2000 Gebiete beschäftigt. Mit diesem Wissen setzte er sich nun speziell mit dem Buchenwald im Lautertaler Felsberg auseinander. Der Wald im Felsberg und auch der im nahen Melibokus gehören zum Schutzgebiet der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union und haben nicht nur den deutschen Status „Naturschutzgebiet“, sondern gelten auch als „Natura-2000-Schutzgebiet“.

Steppen entstehen

Wie Bertram ausführte, ist bekannt, dass sich ein Wald an verschiedene Klimabedingungen anpassen kann. Gerade beim Lebensraumtyp „Eiche“, die in der Ebene vorkommt, sei festzustellen, „dass die Forstwirtschaft in einem Modus arbeitet, der für andere Klimabedingungen vorgesehen ist“. Das flächenweise Fällen alter Bäume in einigen Wäldern lasse Steppenlandschaften entstehen. Das verändere den Lebensraum erheblich und könne für einzelne Arten, wie etwa bestimmte Käfer, erhebliche negative Auswirkungen haben.

Freiflächen könnten auch entstehen, in Beständen, wo Fichten und Lärchen dürrebedingt absterben. In den Buchenwälder vertrügen Randbäume die Auslichtung kaum. Sie könnten durch die ungewohnte Sonnenbestrahlung Sonnenbrände und damit Schäden bekommen, die zum Absterben der Bäume führen. Hinzu kämen klimatische Bedingungen. 2018 war ein extremes Jahr mit einer außergewöhnlichen Dürre. Die Situation hat sich in den folgenden Jahren eher noch verschlechtert. Es sei, so Bertram, ein natürlicher Prozess, dass sich die Natur nun selbst entsorgt. Aber: „Wenn von unten nichts nachkommt“ wird es kritisch. Will heißen, wo kein Jungaufwuchs entstehen kann (etwa auch durch Wildverbiss), kann es zum Problem werden. Das bedeute, dass sich auch der Wald den Klimaveränderungen anpassen muss. Immerhin seien sowohl Felsberg wie Melibokus Mittelgebirge, an denen sich die Wolken stauen und abregnen. Sie haben ein eher feuchtes Klima, so dass hier die Hoffnung besteht, dass die Böden nicht soweit austrocknen wie in anderen Gebieten.

Arbeitsgruppe als Mittel

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Größere Sorgen macht dem Forstwissenschaftler die „Belastungen von außen“. Durch forstwirtschaftliche Tätigkeiten entstünden immer wieder Schäden. Wie Bilder zeigten, besonders in den Rückegassen. Quetschwunden am Rhizom einer Buche sorgen für den Einlass von Pilzen. Dieser zermürbe Wurzelwerk und schließlich den ganzen Baum.

„Sie im Lautertal haben es in der Hand, den Wald zu retten“, so Bertrams Appell. Bei falscher Pflege können Waldflächen versteppen und dem Aufwuchs von Dornengesträuch und nicht heimischen Pflanzen wird die Grundlage geboten. „Sie müssen sagen, wo es langgehen soll. Zum Schonen der naturnahen Lebensräume“. Das könne nur geschehen, wenn die konventionelle holzorientierte Forstwirtschaft vermieden wird, so die Meinung von Bertram. Damit gehe auch eine Reduzierung der Schäden an Bäumen und Boden durch die Arbeiten im Wald einher. Zu vermeiden sei auch der Anbau von Nadelholzbeständen, zu bevorzugen sei das Pflanzen von Bäumen, die mit den veränderten Klimabedingungen leben können. „So kann sich der Wald auch auf das veränderte eher trockene Klima einstellen.“

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Um die Ziele zu erreichen lautet die Empfehlung Bertrams, eine „Arbeitsgruppe Wald“ aufzustellen, eine Waldstrategie zu entwickeln und auch mit benachbarten Kommunen zusammen zu arbeiten.

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In der anschließenden Diskussionsrunde kam die Frage nach dem Tourismus im Felsbergwald. Als Antwort gab Martin Bertram, dass die Bodenverdichtung durch die vielen Wanderer eher geringer sei als jene durch die forstwirtschaftliche Bewirtschaftung mit schweren Geräten. Allerdings riet er auch zu einer gezielten Besucherlenkung und einer Beschränkung der Zuwege. „Einige Gebiete sollten stillgelegt werden, denn der Natur- und Artenschutz hat im Felsenmeer Vorrang“, so Martin Bertram abschließend.

Info: Das Video findet sich unter gl-lautertal.de im Internet

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