Lautertal - Am morgigen Donnerstag hätte das Fest am Striethteich stattfinden sollen – die Krise verhindert das / In den 70er Jahren wurde der Bereich umgestaltet Ein Aushängeschild für Elmshausen

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he
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Der Striethteich in Elmshausen ist das Aushängeschild des Ortsteils. Diese Aufnahme entstand in der in der Entstehungsphase des Naherholungsgebiets, wohl Ende der 1970-er Jahre. Damals gestaltete der Verschönerungsverein das Gelände um. © Eichhorn

Elmshausen. „Nachdem Gemeindevertreter Philipp Marquardt wissen wollte, ob der Verschönerungsverein Elmshausen mit diesen Zuschüssen auch seine Werbegeschenke finanziere, war eine vernünftige Diskussion nicht mehr möglich“ hieß es im Frühjahr 1980 in dieser Zeitung. Die „Frage“ war damals wieder einmal Anlass, dass sich die Lautertaler Gemeindevertreter heftig in die Wolle kriegten.

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Zumal die Reaktion von Willy Hartmann ebenso heftig ausfiel. „Eine recht heftige Retourkutsche ritt Hartmann gegen Marquardt. Er drohte ihm, dass es böse ausgehen könne, wenn er derartige Behauptungen über den Verschönerungsverein Elmshausen weiterhin aufstelle. Bei den verteilten Werbegeschenken handle es sich ausschließlich um Spenden von Mitgliedern und Gönnern. Außerdem habe der Verein der Gemeinde rund 26 000 Mark an Arbeitslöhnen erspart und in die Teichanlage etwa 50 000 Mark investiert. Auch werde der Bus allein vom Verein finanziert und für Arbeitseinsätze am Teich und in den Wäldern benötigt“, schrieb damals der BA.

Verein gründete sich 1971

Alle Vereine zusammen erhielten in den 70er Jahren 5000 Euro Zuschüsse von der Gemeinde. Ärger gab es bei der Festlegung des Verteilerschlüssels. Da sich der Gemeindevorstand auf keinen Schlüssel einigen konnte, hoffte er auf ein salomonisches Urteil der Vertretung. Doch Bürgermeister Josef Weitzel „freute sich offensichtlich, dass auch die Gemeindevertretung nicht in der Lage war, einen Schlüssel zu finden. Die Schwierigkeit liegt hauptsächlich darin, festzulegen, welche Ausgaben anerkannt werden sollen“, so der BA in seiner Berichterstattung.

Für dutzende von Vereinen unterschiedlicher Finanz- und Mitgliederstärke einen allen gerecht werdenden Verteilerschlüssel zu finden, dürfte auch heute kaum möglich sein. Deshalb war die Streichung der Zuschüsse letztlich die sinnvollere Lösung. Zumal der Verschönerungsverein Elmshausen mit seinem umtriebigen Vorsitzenden Willy Hartmann schon damals meistens eine externe Lösung fand, Gelder für den Verein hereinzuholen.

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Der Verschönerungsverein, ursprünglich noch für die beiden Dörfer Elmshausen und Wilmshausen zuständig, gründete sich am 14. Mai 1971 im Gasthaus Nibelungenschänke. Trotz der bereits vollzogenen politischen Trennung (Wilmshausen war Ortsteil von Bensheim, Elmshausen Ortsteil von Lautertal), „sollten die letzten Bindungen zwischen den beiden in vielerlei Hinsicht freundschaftlich verbundenen Dörfern durch gemeinsame Verschönerungsmaßnahmen aufrechterhalten werden“, heißt es in der Jubiläumsschrift 650 Jahre Elmshausen. Zunächst bemühten sich die ersten Unerschrockenen in beiden Dörfern, die bisher vergessenen Plätze und stillen Winkel zu erfassen und Konzepte zu ihrer Sanierung oder Verschönerung zu entwickeln.

Nicht immer wohlwollende Blicke

Dies geschah nicht immer unter den wohlwollenden Blicken der Besitzer. Manchen musste die Erlaubnis zu einer Maßnahme förmlich abgerungen werden, einige fühlten sich öffentlich vorgeführt und waren daher nicht willens, mit dem Verein zusammenzuarbeiten. Dies änderte sich jedoch insbesondere mit den Erfolgen des Vereins beim Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“. Hier wurde Elmshausen 1973 zweiter Landessieger in der Gruppe A 1, 1974 zweiter Landessieger in der Gruppe B 2 und 1982 zweiter Landessieger in der Gruppe S 2. Obwohl „bei all den zahlreichen Bemühungen um ein schöneres Ortsbild der ganz große Erfolg im Wettbewerb versagt blieb“, hatten die Akteure ihren Optimismus behalten. Schließlich wäre es einleuchtend, dass sich ein Straßendorf wie Elmshausen ohne innerörtliche Gemeinschaftseinrichtungen und ohne öffentlichkeitswirksamen Ortskern in eine wesentlich schwierigere Ausgangsposition gedrängt sieht, als andere Mitbewerber.

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Und schließlich hätte Elmshausen ja noch sein Aushängeschild: den Striethteich. Die in „kaum zählbaren freiwilligen Arbeitsstunden vollzogene Umgestaltung des ehemaligen Sumpflochs Strieth in ein vorbildliches Naherholungsgebiet seien in Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Verein erfolgt“. Die Bagger- und Planierungsarbeiten sowie die Anschaffungskosten für Bäume und Sträucher wären zulasten der Gemeinde gegangen. Für die gesamte Gestaltung, Wartung und Pflege des Geländes, das Anlegen der Rundwege, den Ausbau des Tiergeheges wäre alleine der Verschönerungsverein verantwortlich gewesen. Danach konnten auch die laufenden Wartungs- und Erhaltungsarbeiten bis heute ausschließlich von den freiwilligen Helfern des Vereins bewältigt werden. he