Heimatgeschichte - Zwischen Hahnenbusch und Hohberg gab es im Spätmittelalter ein Dorf / Darauf weisen Schilder und Tafeln hin Die Erinnerung an den Weiler Haurod wird wachgehalten

Von 
Walter Koepff
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Verschiedene Hinweistafeln aus Stein und Holz erinnern im Hahnenbusch an den verschwundenen Weiler Haurod oder Hunrod, der zwischen dem 15. und dem 17. Jahrhundert bewohnt war. © Koepff

Reichenbach. Mit verschiedenen von Reichenbacher Künstlern geschaffenen Schildern wird auf den versunkenen Weiler mit dem Namen Haurod oder Hunrod im Hahnenbusch hingewiesen. Es soll in der Mulde zwischen Hahnenbusch und Hohberg gelegen haben. Nach Informationen von Heidi Adam, die sich näher mit dem vergessenen Dorf befasst hat, ist der einstige Wohnplatz im 8. Jahrhundert aus einer Wildhube aus früher fränkischer Zeit hervorgegangen.

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Die Gründung des Dörfchens sei dann vor 1400 erfolgt, wie aus einer Lehensurkunde hervorgehe. Immer wieder werden verschiedene Bezeichnungen für die Häuseransammlung genannt. So gab es im Jahre 1438 den Namen Humrode, 1443 Hunrode, 1514 Hanrodt Hagan – was „gehegter Wald“ bedeutet – und schließlich im Jahre 1653 findet man den Namen Hohenrode, was eine hoch gelegene Rodung beschreibt.

Behausungen aus Holz

Selbstverständlich dürfe man sich bei dem verschwundenen Ort keine modernen Siedlungsformen vorstellen, so Adam, sondern einfachste Behausungen. Erst später sei man dazu übergegangen, Steinfundamente zu verwenden mit daraufgesetzten Holzkonstruktionen. Gesiedelt wurde dort, wo es Wasser gab, Wald für das Feuerholz und Schutz gegen wilde Tiere.

Da Karl der Große zunächst die Jagd- und Wildbannrechte nicht an das Kloster Lorsch geschenkt hatte, siedelte er einen Wildhüter zur Bekämpfung der Wilderer an der Stelle des späteren Hunrode an. In Hunrode soll es maximal vier bis sechs Hofreiten gegeben haben, 1477 wird noch von einem Haus berichtet. Allerdings benennt das älteste Kirchenzinsbuch 1479 ein Gewann „by dem Gotshuselin“. Das bedeutet, es muss dort eine Kapelle gegeben haben, die später abgebrochen und möglicherweise nach Reichenbach verbracht worden war.

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Noch 1611 sind Zinsen, ein halber Malter (eine alte Maßeinheit) Korn, vom Sattelhof Michel und Hans Gantzert verzeichnet, was belegt, dass dort keine Reichtümer erwirtschaftet wurden. Dieser Hof muss als einziger übriggeblieben sein, denn nach dem Jahr 1514 wird Hunrode nicht mehr als Wohnplatz erwähnt.

Als Gründe für das spurlose Verschwinden nannte Heidi Adam einmal den Bau der Straße durch das Lautertal. Hatte man zuvor wegen der sumpfigen Tallagen Wege meist auf die Höhenzüge verlegt, so wurden später die inzwischen gerodeten und trocken gelegten Täler verkehrsmäßig erschlossen.

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Damit war Hunrode vom Verkehr abgeschnitten. Dass man keine Häuserreste mehr vorfinde, liege daran, dass man früher die wertvollen Materialien der Häuser wiederverwendete, das heißt, mit den Balken und den schon behauenen Steinen wurden an anderer Stelle neue Häuser gebaut.

Freier Autor Nach Anfängen bei der Schülerzeitung "Kurfürst" des Bensheimer Alten Kurfürstlichen Gymnasiums (AKG), Freier Mitarbeiter bei der Lindenfelser Wochenzeitung "Samstag", 1972 Wechsel zum Bergsträßer Anzeiger. Pressemäßig in Wort und Bild in Lautertal tätig.