Gewerkschaftsbund - Ortsgruppe tauschte sich per Videokonferenz über aktuelle Themen aus / Dabei ging es auch um den Schutz gegen das Coronavirus DGB schlägt Impfungen in Bürgerhäusern vor

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red
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Lautertal/Lindenfels. Vom Sitz der Industriegewerkschaft Bau-Agrar-Umwelt in Frankfurt aus hat Ingo Thaidigsmann die jüngste Telefon- und Videokonferenz des DGB Lautertal/Lindenfels geleitet. Ein Schwerpunkt der Konferenz drehte sich um die Auswirkungen der Corona-Pandemie. 50 Prozent der Beschäftigten mit einem Nettoeinkommen von bis zu 1500 Euro monatlich mussten aufgrund von Kurzarbeit und Wegfall von Trinkgeldern Einkommensverluste hinnehmen. Dagegen waren Beschäftigte in Betrieben mit Betriebsräten und Tarifverträgen geringer von Einkommensverlusten betroffen.

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Teilweise wurde das gesetzliche Kurzarbeitergeld durch die gewerkschaftlich erkämpften Tarifverträge auf über 90 Prozent des letzten Nettolohns aufgestockt. „Die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft schützt auch in solch schweren Zeiten“, so der zuständige DGB-Sekretär Horst Raupp. Er mahnt an, die Kosten der Krise dürften nicht, wie schon bei der Banken-Krise die Beschäftigten und Geringverdiener, zu Gunsten der Reichen und Superreichen bezahlen. „Wir müssen die Verteilungsfrage immer wieder neu stellen, Wenn wir es nicht tun, macht das keiner.“

Unverständnis über Strategie

Auf Unverständnis stößt beim örtlichen DGB die Impf-Strategie der schwarz-grünen Landesregierung. „Zum Teil hochbetagte Menschen sollen nach Darmstadt oder auch Bensheim geschafft werden, um sich dort impfen zu lassen. Dabei muss dann jeweils noch eine Begleitperson mit. Statt Mobilität einzuschränken, wird Mobilität eingefordert. Statt den Impfstoff zu den Menschen kommen zu lassen, sollen nicht in Heimen untergebrachte alte und gebrechliche Menschen zu den Impfzentren gebracht werden. Wie das praktisch gehen soll, darüber macht man sich in Wiesbaden und Heppenheim keine Gedanken“, so Heinz Eichhorn, der Vorsitzende des DGB Lautertal-Lindenfels.

Ingo Thaidigsmann aus Lindenfels ergänzt: „Die Landesregierung hat den vorderen Odenwald spätestens mit der Schließung des Lindenfelser Krankenhauses gesundheitspolitisch abgeschrieben und vom Landrat und der Gesundheitsdezernentin kommt nur weiße Salbe und Vertröstungen.“

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Dabei habe der DGB Lautertal-Lindenfels für die Impfkampagne auch eine Idee: „Warum macht man das nicht wie beim Blutspende-Dienst und fährt die Bürgerhäuser an?“, fragen die Vertreter des DGB Lautertal-Lindenfels.

Der Weg zur Arbeit im Winter

Ein weiteres Thema, über das Raupp und Thaidigsmann informierten, war der Weg zur Arbeit im Winter. Grundsätzlich ist es Sache der Beschäftigten, wie sie zur Arbeit kommen. Sie sind verpflichtet, pünktlich zur Arbeit zu erscheinen. Demzufolge tragen die Arbeitnehmer das Wegerisiko. Sollten Sie aufgrund der Witterung zu spät kommen, besteht für die Ausfallzeiten auch kein Anspruch auf Lohn. Es gelte das allgemeine Prinzip: Ohne Arbeit kein Lohn.

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Die Arbeitgeber könnten aber niemanden zwingen, die morgens ausgefallenen Stunden nachher dranzuhängen. Thaidigsmann führte den Fall einer Teilzeitkraft an, die nachmittags geht, weil sie ihr Kind von der Schule abholen muss. Schnee oder Glatteis sind keine in der Person liegenden, sondern objektive Gründe, die alle Verkehrsteilnehmer in gleichem Maße treffen. Das gelte auch bei Hochwasser, Demonstrationen, allgemeine Verkehrssperren, Fahrverboten, oder auch bei Streiks der Verkehrsbetrieben.

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Ein subjektiver Grund ist dagegen, wenn aufgrund der Witterung der Kindergarten oder die Schule geschlossen bleibt und der Arbeitnehmer keine andere Betreuungsmöglichkeiten findet. Denn der Grund für die Arbeitsverhinderung liegt dann in der Person des Beschäftigten, weil sein Kind unbedingt Betreuung braucht. In diesem Fall besteht zumindest für einige Tage Anspruch auf Weiterzahlung des Lohns.

Horst Raupp wies darauf hin, dass Mitglieder der DGB-Gewerkschaften sich in Zweifelsfällen, oder bei Ärger mit dem Arbeitgeber an die zuständigen Rechtsstellen der Einzelgewerkschaften wenden können. Dort kann meist unbürokratisch geholfen werden. red