HAUSMEISTER in Zeiten der Pandemie

Von 
Konrad Bülow
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Amir Mashayekh ist Hausmeister an der Mittelpunktschule Gadernheim. Diese Woche musste er viel Schnee räumen. © Zelinger

So hatte sich Amir Mashayekh seine neue Arbeit nicht vorgestellt: Statt Trubels auf dem Schulhof und in den Klassenzimmern herrscht auch an der Mittelpunktschule (MPS) Gadernheim weitgehend Ruhe. Mit der Corona-Pandemie kamen Schulschließungen, später teilweise Öffnungen und Wechselunterricht. Die Schüler wurden in Gruppen eingeteilt und lernten abwechselnd von zu Hause aus und in den Klassenräumen – bei Maskenpflicht und Abstandsregeln.

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Seit dem Ende der Weihnachtsferien sind die Schüler bis zur sechsten Klasse von der Präsenzpflicht befreit, Eltern sollten sie nur in die Schulen schicken, wenn es nicht anders geht. Sie werden dort in festen Lerngruppen unterrichtet, ebenso wie die Schüler, die dieses Jahr Abschlussprüfungen vor sich haben. Alle anderen lernen wieder im heimischen Kinderzimmer.

Beim Pressetermin sind also nur wenige Schüler da. Mit Masken laufen sie über den Schulhof. „Normalerweise gehört während der Pausen der Verkauf von Getränken und Snacks zu meinen Tätigkeiten“, sagt Amir Mashayekh. Im Moment ist der Kiosk aber zu, es lohnt sich nicht, ihn für so wenige Schüler zu öffnen.

Auch sonst beeinflusst die Krise den Arbeitstag des Hausmeisters. Die Mülleimer leert er seltener als sonst. Wo weniger Menschen sind, wird auch weniger weggeworfen. Dafür muss Amir Mashayekh regelmäßig dafür sorgen, dass überall genügend Desinfektionsmittel vorhanden ist. Das Wechseln der Handtücher in den Toilettenräumen gehört ebenso zu seinem Pensum. Hin und wieder ist seine Hilfe gefragt, wenn ein technisches Gerät streikt. Dann repariert er es entweder selbst oder ruft einen Fachmann an.

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Der Hausmeister der Felsenmeerschule in Reichenbach vertritt und unterstützt ihn hin und wieder. Im Gegenzug ist Mashayekh bei Bedarf als Vertretung in der Reichenbacher Grundschule.

Sein Arbeitstag beginne in der Regel morgens um 7 Uhr, wenn er alle Türen der Schule aufschließt, erläutert er. Feierabend sei meist um 16 Uhr. Wegen der Schneefälle hatte er in den vergangenen Tagen mehr zu tun. „Am Dienstag musste ich den ganzen Tag Schnee räumen, da war ich erst um 17 Uhr fertig“, berichtete der Hausmeister. Auch für den Bereich an den Bushaltestellen ist er zuständig. Außer auf Schneeschaufeln greift er bei dieser Arbeit auf ein Räumfahrzeug zurück.

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In der benachbarten Heidenberghalle muss er auch hin und wieder vorbeischauen: Die dortige Heizung wird von jener der Schule mitversorgt, Amir Mashayekh muss kontrollieren, ob sie auch funktioniert.

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Bevor er an die Mittelpunktschule Gadernheim wechselte, war Mashayekh im Auftrag des Kreises Bergstraße als Hausmeister in einer Flüchtlingsunterkunft in Birkenau tätig. „Ich war selbst Flüchtling“, erzählt er in seinem Dienstzimmer direkt neben dem Eingang zur Schule. Im Jahr 2007 sei er aus dem Iran nach Deutschland gekommen. In seiner Heimat sei er Handwerker gewesen, unter anderem für Sanitär und Heizungen. Die nötige Erfahrung für die Arbeit an der Mittelpunktschule habe er also schon mitgebracht.

Mashayekh verlegte inzwischen seinen Wohnsitz von Birkenau nach Gadernheim. Er ist in die Hausmeister-Wohnung gezogen, die zwischen dem Schulhof und der Heidenberghalle liegt. „Richtig einleben konnte ich mich im Dorf noch nicht, es ist ja alles zu“, bedauert der Neu-Lautertaler.

Unter dem Strich sei er aber zufrieden. Die Tätigkeit an der MPS mache ihm Spaß. Er habe nur einen kurzen Weg zu seinem Arbeitsplatz, und von den Aufgaben her sei der Wechsel keine große Umstellung gewesen. Mit den Lehrern der Schule und den Mitarbeitern der Verwaltung komme er gut aus. „Wir sind wie eine Familie“, sagt er.

Für die Schüler sei er so etwas wie ein Kumpel, mit seinem Vornamen Amir sprächen sie ihn normalerweise an. Das liege wahrscheinlich daran, dass er ein vergleichsweise junger Hausmeister sei. Es sei auch schon vorgekommen, dass Vorgesetzte ihm nahegelegt hätten, etwas strenger zu sein. Die Schüler begegneten ihm aber durchaus mit Respekt, betont Mashayekh.

Die Hoffnung auf ein Ende der Corona-Krise ist dem Schul-Hausmeister anzumerken. „Keiner weiß, wie es weitergeht und wie lange es dauert“, sagt er. Also macht er einfach weiter. Mashayekh lässt den Blick über die große verschneite Wiese unterhalb des Weges zwischen der Heidenberghalle und der Schule schweifen. „Im Frühjahr werde ich diesen ganzen Bereich mähen“, sagt er.

Redaktion Redakteur für das Ressort Lautertal/Lindenfels, Autor im Ressort Region. Bei Bedarf Unterstützer im Lokalsport