Lautertal - Gemeinde bildet seit einem Jahr wieder aus Azubis sind eine echte Hilfe im Rathaus

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Thorsten Matzner
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Bürgermeister Andreas Heun mit den Auszubildenden (von links) Silia Klein, Cecille Brockmann und und Yves Huth. © Neu

Lautertal. Seit einem Jahr ist das Lautertaler Rathaus wieder ein Ausbildungsbetrieb. Yves Huth und Cecilie Brockmann wurden am 1. August 2018 als Lehrlinge in der Verwaltung eingestellt. In diesem Jahr kam noch Silia Klein hinzu.

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Vorausgegangen war eine Initiative des Gemeindevorstandes. Im Rahmen der Haushaltsberatungen Ende 2017 hatte Bürgermeister Andreas Heun auf den Personalmangel in der Verwaltung hingewiesen und darauf, dass aus Altersgründen weitere Stellen in absehbarer Zeit frei würden. Die Gemeindevertretung hatte daraufhin Lehrstellen bewilligt.

Ein Jahr nach dem Start sind beiden Seiten zufrieden mit dem Ergebnis. Das machten sowohl der Bürgermeister als auch Cecilie Brockmann und Yves Huth deutlich. Während die jungen Leute sich im Rathaus gut aufgehoben fühlen und die Arbeitsatmosphäre loben, bezeichnete Heun den Nachwuchs als „guten Griff“. Die Entscheidung, in der Verwaltung selbst Nachwuchs heranzuziehen, sei richtig gewesen, es sei gut, dass die Gremien das auch so gesehen hätten.

Heun hatte sich für die Lehrstellen stark gemacht. Darauf zu hoffen, dass die Gemeinde beim Ausscheiden von Mitarbeitern auf dem Arbeitsmarkt ausgebildetes Fachpersonal bekomme, hatte er schon 2017 als schwierig angesehen.

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In ihrem ersten Jahr in der Verwaltung haben Brockmann und Huth mehrere Abteilungen durchlaufen. Dabei werde man keineswegs mit „Azubi-Arbeit“ abgefertigt. Es sei sehr deutlich, dass auch die Auszubildenden gebraucht würden, berichtete Cecilie Brockmann. Nach einer Eingewöhnungszeit bekomme man schnell seine eigenen Aufgaben zugewiesen. Dass sie die Berufsschule tageweise besuchten und nicht im Blockunterricht, mache es einfacher, an den Dingen dranzubleiben.

Eigenverantwortung ist gefragt

Eine breite Ausbildung sieht auch Bürgermeister Heun als wichtig an. Er gehe davon aus, dass die Lehrlinge im Anschluss ein Angebot zur Weiterbeschäftigung bekämen. Schließlich würden in den kommenden Jahren einige Stellen im Rathaus frei.

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Wegen der insgesamt überschaubaren Mitarbeiterzahl sei es wichtig, dass die jungen Leute dann gleich an Positionen mit viel Eigenverantwortung eingesetzt werden könnten. Davor haben die Auszubildenden keine Angst. Alle drei bekundeten, dass es gut sei, in der Lehrzeit die gesamte Verwaltung kennenzulernen, um eigene Schwerpunkte zu finden. Cecilie Brockmann und Yves Huth haben dabei für sich auch schon Vorlieben entdeckt.

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Brockmann sagte, es sei gerade so reizvoll an dem Arbeitsplatz, dass verschiedenste Themen und Aufgaben warteten. So müsse man sich nicht auf ein Fachgebiet festlegen, sondern könne später immer noch wechseln.

Brockmann und Huth sind sich sicher, im Rathaus bleiben zu wollen, sofern eine Übernahme möglich ist. Ein Vorteil sei der kurze Weg zur Arbeit, denn beide wohnen – wie auch Silia Klein – in Lautertal.

Dass Bekannte, Freunde oder Nachbarn mit einem Anliegen im Büro auftauchen könnten, stört den Verwaltungs-Nachwuchs nicht. Generell gebe es kaum Probleme, wenn Bürger das Rathaus aufsuchten, berichtete Cecilie Brockmann. Die allermeisten Leute seien freundlich und auch verständnisvoll, wenn etwas einmal nicht gleich klappe.

Keine Angst vor Klischees

Mit dem Klischee, im Rathaus werde morgens erst eine Kanne Kaffee gekocht und nach deren Leerung Mittag gemacht, haben die Auszubildenden keine Probleme. Solche Vorurteile gebe es überall, und zumindest das private Umfeld merke schnell, dass es im Rathaus anders zugehe, sagte Brockmann. Und dass die Verwaltung technisch nicht auf der Höhe der Zeit sei, sei so auch nicht richtig: „Wir hängen nicht total nach.“

Cecilie Brockmann hatte nach dem Abitur zunächst einen anderen Berufswunsch: Sie begann eine Ausbildung bei Aldi. Sie habe aber bald gemerkt, dass das nicht das Richtige sei und sich deshalb bei der Gemeinde beworben. Auch Yves Huth hatte andere Pläne und nach dem Fachabitur ein Studium in Gießen aufgenommen. Den Wechsel ins Rathaus haben beide ebenso wenig bereut, wie Silia Klein. Sie kam in diesem Jahr quasi direkt von der Schule in die Verwaltung, hatte zuvor noch ein Freiwilliges soziales Jahr eingelegt.

Klein hatte sich im Bewerbungsverfahren gegen mehrere Konkurrenten durchgesetzt – mit sehr guten Ergebnissen, wie Bürgermeister Andreas Heun lobte. Dass es mehrere Anwärter gab, zeigt, dass die Gemeinde als Arbeitgeber nicht so unattraktiv ist, wie in der politischen Debatte um die neuen Lehrstellen vor fast zwei Jahren befürchtet wurde. Dementsprechend ist Heun auch dafür offen, weitere Lehrstellen im Rathaus anzubieten. 2020 werde es wohl eine Pause geben, aber danach sei die Einstellung neuer Lehrlinge denkbar. Wichtig sei aber, dass die jungen Leute eine Perspektive zur Weiterbeschäftigung hätten. Da der Generationswechsel in der Verwaltung aber erst begonnen habe, sei das aber kein Problem.

Redaktion Lokalredakteur Lautertal/Lindenfels