Sankt Andreas - Sternsinger und Betreuer segneten Haushalte und sammelten für wohltätige Projekte 3700 Euro für Kinder im Libanon

Von 
Gisela Grünwald
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In der katholischen Kirche Sankt Andreas hat die Lautertaler Sternsinger-Aktion ihren Anfang genommen. © Grünwald

Reichenbach. 25 Kinder sind in Lautertal als Sternsinger von Haustür zu Haustür gezogen, um die Bewohner zu segnen. Am Samstag waren sie selbst und die Sammelaktion von Pater Simon aus einem Franziskanerkloster gesegnet worden. Er las den Kindern die Geschichte der Heiligen Drei Könige aus dem Neuen Testament vor. Diese kamen aus dem Osten und folgten dem Stern, um Maria zur Geburt Jesu zu ehren. Sie schenkten dem Kind ihre kostbaren Gaben: Gold, Weihrauch und Myrrhe.

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Die Sternsinger waren warm angezogen, in bunten Umhängen, mit Kronen auf dem Kopf, in den Händen hielten sie die Stöcke mit den gelb-roten Sternen daran. Sie stellten sich vor der Krippe in der katholischen Kirche Sankt Andreas auf, die zur Pfarrei Sankt Georg in Bensheim gehört.

Tatkräftige Unterstützung

Die Hälfte der Kinder ist evangelisch, ohne sie wäre das Dreikönigssingen in Lautertal schwierig geworden. Im evangelischen Gemeindebrief war um Unterstützung für die katholische Kirchengemeinde gebeten worden. Eine gute Idee, findet Marius Eckel. „Diesmal sammeln wir für Friedensprojekte im Libanon. Dort gibt es viele unterschiedliche Bevölkerungsgruppen, erläuterte er.“ Der fast siebenjährige Philipp war schon als Sternsinger in Bensheim dabei und wollte nochmal im Lautertal mitmachen. „Die Kinder im Libanon brauchen unsere Unterstützung“, so der Junge mit der Königskrone auf dem Kopf.

Die Kinder haben im Vorfeld Filme von und mit Willi Weitzel gesehen. Er besuchte im Auftrag des Missionswerks den Libanon, ein Land, in dem von 1975 bis 1990, ein Bürgerkrieg tobte und in dem nun 1,2 Millionen syrische Flüchtlinge leben. Die Grundschüler Rabella und Raman zeigten Weitzel ihr Stadtviertel in Beirut. Dort besuchen sie die Hausaufgabenhilfe der Caritas, mit einer warmen Mahlzeit und Spielen.

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Beeindruckt haben die Kinder auch die Bilder vom syrischen Flüchtlingslager in der Bekaa-Ebene. „Dort wohnen Kinder im Zelt aus Holzlatten und Plastikplanen“ sagte Philipp. Er meinte damit die sechsjährige Nour. Im Alter von einem Jahr floh sie mit ihren Eltern aus Syrien, als Bomben auf ihr Haus fielen. Mit dem gleichaltrigen Kassem besucht sie die Nachmittagsbetreuung des Jesuiten-Flüchtlingsdiensts. Dort bekommen die Kinder zu essen, können spielen und die Schule besuchen. Philipp schüttelte den Kopf bei der Vorstellung, barfuß durch Eis und Schnee laufen zu müssen.

Auf das Neujahrsgeld verzichtet

Das dritte Projekt ist „Frieden durch Bildung und Dialog“ der Adyan-Stiftung in 42 Schulen. Die Schüler lernen, ihr Misstrauen gegenüber anderen Bevölkerungsgruppen abzubauen, die Vielfalt schätzen und das friedliche Zusammenleben, „die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede der Religionen“ so Eckel.

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Die Zusammenarbeit der evangelischen und katholischen Kinder klappte bei der Sammelaktion im Lautertal. Einmal Klingeln und die Hausbewohner öffneten die Tür. Die Kinder sangen das Lied „Stern über Bethlehem“ und segneten das Haus mit den Zeichen von „Caspar, Mel-chior und Balthasar“ über der Haustür. Die Spendenbox fühlte sich ebenso wie die Tasche für Süßes. Ein Sternsinger hatte sogar sein Neujahrsgeld in die Dose gesteckt. „Die Kinder im Libanon benötigen Hilfe“, so der Spender. Er hat noch die Bilder von den zerstörten Häusern vor Augen, ebenso erinnern sich viele Lautertaler an die Nachrichtenbilder vom Krieg in Syrien. Einige kennen auch persönlich Menschen, die vor dem Krieg in ihrer Heimat flüchteten. Bis zum Abend sammelten die Sternsinger in Lautertal rund 3700 Euro für die Friedensprojekte im Libanon ein.

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