Corona-Krise - Die Austragung der traditionsreichen Heppenheimer Kulturveranstaltung hängt am seidenen Faden / Auch geplanter Abend mit Ingolf Lück steht in Frage Zitterpartie für die Heppenheimer Festspiele

Von 
rid
Lesedauer: 

Heppenheim. Stephan Brömme wartet. Der Geschäftsführer der Festspiele Heppenheim GmbH weiß nicht, wie es weitergeht. Er weiß zwar, dass Großveranstaltungen wegen Corona von der Bundesregierung bis Ende August verboten wurden. Die Definition jedoch, was eine Großveranstaltung ist, obliegt den Ländern.

Spendenaufruf

Stephan Brömme, Geschäftsführer der Festspiele Heppenheim GmbH, hat zu einer Spendenaktion aufgerufen. Der Grund: Normalerweise hätte man zum jetzigen Zeitpunkt bereits zwischen 60 000 und 80 000 Euro aus dem Kartenvorverkauf eingenommen. Der sei natürlich wegen der unsicheren Lage nicht richtig angelaufen.

„Unser Theater ist in der 47. Saisonschwer angeschlagen“, heißt es. Kosten für Werbung, Miete und Gehälter fallen weiterhin an. Es seien bereits einige Sponsoren abgesprungen. 30 000 Euro kostet beispielsweise allein der Dachaufbau für das Theater im Hof.

Bisher ist die Reaktion eher mau: Lediglich 180 Euro an Spenden kamen zusammen.

Nähere Infos findet man auf www.festspiele-heppenheim.de. rid

AdUnit urban-intext1

Für Hessen hat Ministerpräsident Volker Bouffier zwar schon angedeutet, dass die Grenze für Großveranstaltungen bei 100 Menschen liegen werde, eine Verordnung gibt es derzeit jedoch noch nicht. Michael Bußer, Sprecher der hessischen Landesregierung, sagte unlängst, dass Veranstaltungen mit 50 bis 100 Menschen bis Ende August zu unterbleiben haben. Es wird mit einer Entscheidung bis zum Wochenende gerechnet.

„Es ist nicht so, dass wir untätig herumsitzen“, betont Brömme. Im Gegenteil: Es würden die unterschiedlichsten Konzepte erstellt, um beim Bekanntwerden der Verordnung direkt reagieren zu können. Brömme hat auch den Ministerpräsidenten persönlich angeschrieben – eine Antwort steht aus.

Kommt die Beschränkung auf eine Besucherzahl von 100 Personen, hieße das nicht automatisch das Aus für die Heppenheimer Festspiele, sagt Brömme. „Dann gibt es eben eine abgespeckte Version.“ Der geplante Abend mit Ingolf Lück wäre dann wohl eher unrealistisch, weil der Schauspieler, Kabarettist und Moderator einfach zu teuer sei. Vorstellbar wären Zwei-Personen-Stücke, Lesungen und Ähnliches. Je nach Auflagen könne man auch über einen „Aufbau light“ nachdenken. Aber all das hänge an der Verordnung.

AdUnit urban-intext2

Andere Festspielstätten haben ihre Freiluftveranstaltungen mittlerweile abgesagt. „Wir könnten eventuell die einzigen sein, die spielen dürfen“, gibt Brömme die Hoffnung nicht auf.

Peter Offergeld ist Leiter der Gastspiele der Kammerspiele Hamburg. Gemeinsam mit Brömme hatte er im November das Programm der Festspielsaison 2020 in Heppenheim vorgestellt. Befragt, ob er sich vorstellen könne, dass es auch in diesem Jahr trotz Corona Festspiele in der Kreisstadt geben könne, antwortet Offergeld: „Es ist wirklich sehr schwer abzusehen und alles nur spekulativ.“ Man müsse auf die Verfügung des Bundeslandes warten. Mit Brömme und der Festspiele Heppenheim GmbH stehe er „dauernd im Kontakt“. Dass der Vertrag mit den Heppenheimer Festspielen aber bereits seit März gar nicht mehr besteht, erwähnt Offergeld mit keinem Wort.

AdUnit urban-intext3

Wie Brömme auf Nachfrage mitteilt, haben sich die Hamburger nach unterschiedlichen Auffassungen über die Vertragsgestaltung zurückgezogen. Brömme hat darauf hin alle Hebel in Bewegung gesetztund sich die Aufführungsrechte der Theaterstücke gesichert. Vorverträge mit Regisseuren und Schauspielern waren bereits auch unter Dach und Fach. Auch Ingolf Lück und Pe Werner wären unter seiner Leitung aufgetreten. Die Festspiele hätten stattgefunden wie geplant – nur eben ohne Offergeld und die Kammerspiele Hamburg, dafür aber sehr viel günstiger.

AdUnit urban-intext4

Auch Bürgermeister Rainer Burelbach sei darüber informiert worden. Das sollte eigentlich in einer Pressekonferenz nach Ostern angekündigt werden – doch dann grätschte die Corona-Pandemie dazwischen.

Auch weitere Zukunft noch unklar

Wie es in Zukunft weitergeht mit den Festspielen, ist ungewiss. 2021 wird der Amtshof saniert, die Festspiele könnten womöglich auf den Platz vor Sankt Peter ausweichen (wir haben berichtet.) Zudem läuft Ende 2020 der Vertrag der Stadt mit der Festspiel GmbH aus.

Für 2021 könne er sich eine Übergangslösung vorstellen, so Burelbach. Ab 2022 wolle man einen neuen langfristigen Vertrag schließen. Der Rathauschef erklärt, dass sich bislang nur die Hamburger dafür beworben hätten und die Festspiel GmbH „nicht den Hut in den Ring geworfen hat“.

Eine Aussage, der Brömme widerspricht: Man habe sehr wohl dem Magistrat ein Konzept vorgestellt. Ein Jahr lang seien die Vertragsverhandlungen gelaufen. Dann sei das Signal vonseiten der Stadt gekommen, die Festspiele Heppenheim GmbH hätte keine Chance auf einen Vertrag. rid