Musical - Die Komödie „Ganz oder gar nicht“ überzeugt bei der Premiere im „Halben Mond“ / Zwei weitere Termine sind bereits ausverkauft Wo müde Männer wieder munter werden

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jn
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Training für den großen Auftritt: Nicht alle Stripper haben bereits die richtige Einstellung gefunden. © Schumacher

Heppenheim. Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt man. Für Manni (Hermann Bedke) und Herbert (Peter Englert) liegt die Aussicht auf bessere Tage allerdings schon in den letzten Zügen. Seit Jahren ohne Job, haben sie sich im sozialen Abseits verheddert, ertränken ihren Frust in Claudias Kneipe und haben es schwer, sich ihren Status als Versager einzugestehen.

Bereits vor der Premiere ausver kauft waren die Aufführungen ...

Bereits vor der Premiere ausver kauft waren die Aufführungen von "Ganz oder gar nicht" auf der Klein kunstbühne am 17. Januar und 8. März. Restkarten sind noch erhältlich für die Vorstellung am 25. April (Samstag) ab 20 Uhr,
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Der Schuldenberg wächst, ihre familiären Beziehungen gehen den Bach runter und wäre nicht eines Morgens Tassilo (Thomas Koob) aufgetaucht, der ebenfalls in der Klemme steckt und seinem irdischen Dasein ein Ende setzen will, hätten die beiden Freunde und Leidensgefährten das Abenteuer ihres Lebens verpasst – und das Publikum am Sonntag in der rappelvollen Kleinkunstbühne im „Halben Mond“ eine Premiere mit Partystimmung von Anfang an.

Einen Traum erfüllt

„Ganz oder gar nicht“ heißt das neue Stück von „Musical for Events“ – und es ist der Beweis dafür, dass auch ein kleines privates Theater mit begrenzten Mitteln mitreißende Inszenierungen auf die Bühne bringen kann. Regisseur Robert Schmelcher und Sabrina Stein, die nicht nur die resolute Claudia spielt, sondern auch für die stimmige Choreographie verantwortlich ist, haben sich mit dem neuen Stück einen Traum erfüllt.

„Ganz oder gar nicht“ erzählt die Geschichte einiger arbeitsloser Männer, die aus der Not geboren beschließen, als Stripper das große Geld zu scheffeln. Das Stück – im Original „The Full Monty“ – stand schon lange auf der Wunschliste der Theatermacher. Der britische Regisseur Peter Cattaneo hat den Stoff 1997 auf die Leinwand gebracht und die Musicalversion aus dem Jahr 2000 wurde ebenso ein Kassenschlager wie die Theaterfassung der Neuseeländer Stephen Sinclair und Anthony McCarten.

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Auf der Grundlage von Frank Hecks deutscher Übersetzung haben Robert Schmelcher und Sabrina Stein ihre Produktion entwickelt, seit Anfang November wurde geprobt. Die intensive Vorbereitung hat sich ausgezahlt: Das Stück hat Tempo und besitzt perfektes Timing, die Charaktere passen und auch die Darsteller harmonieren prächtig.

Show der „Wilden Stiere“

Furios nimmt die Inszenierung Fahrt auf, als mit Toni (Sascha Bassauer) und Lars (Manuel Weinmann) zwei weitere Partner für die Strip-Show der selbst ernannten „Wilden Stiere“ hinzukommen. Während sich Tassilo als Tanzlehrer zur Verfügung stellt, übernimmt Claudia das Training, führt als Hausherrin in ihrer Kneipe ein strenges Regiment und erstickt jeden Zoff im Keim, wenn den Dauergästen das Bier zu Kopf steigt.

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Mithilfe der Abseitsfalle macht sie die müden Kerle munter. Das ist urkomisch und lässt das Publikum lachen. Running Gags und Slapstickeinlagen machen Laune, und wenn es ans Eingemachte geht, hat sich die Truppe auch den einen oder anderen Hingucker einfallen lassen. Dabei bleibt die Inszenierung in wunderbarer Balance ohne jede Peinlichkeit. Auch die eher tragischen Momente, wenn das wirkliche Leben mit seinen kleinen und großen Katastrophen immer mal wieder die hochfliegenden Ambitionen der Männer bremst, meistern die Darsteller mit Augenmaß.

Rauschendes Finale

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Als das Projekt dann tatsächlich zu scheitern droht, schlagen die Wellen hoch. Da steckt Energie drin, die sich auf die Zuschauer überträgt. Es gibt Szenenapplaus und das Finale wird zum rauschende Fest, bei dem die Darsteller auch mit tollen Stimmen glänzen und es das Publikum nicht mehr auf den Sitzen hält.

Beim Schlussapplaus nach der Premiere kommen auch Regisseur Robert Schmelcher und die Technik-Crew (Kirsten Schmelcher, Dave Arnold, André Kuhn und Nic Schober), Regieassistentin Nicole Sydow und Eva Völl, die diesmal hinter den Kulissen mit anpackte, zu Ehren. „Jetzt ist es raus, jetzt dürfen wir spielen“, sagt Sabrina Stein – und wie es aussieht, ist die Vorfreude auch bei den Zuschauern schon erheblich. jn