Generalversammlung - Warum globale Handelskonflikte auch an der Bergstraße für Verwerfungen sorgen / Viniversum erweist sich als Publikumsrenner Winzer kämpfen mit Umsatzeinbußen

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Geehrte und ihre Gratulanten bei der Winzer eG (von links): Reinhard Antes, Wolfgang Menz, Michael Adler, Hans Herlemann, die Bergsträßer Weinkönigin Jana Petermann, Volker Keil, Bernhard Boppel, Markus Rothermel und Patrick Straub. © Schumacher

Heppenheim. Was hat die Subventionierung der europäischen Airbus-Industrie mit Bergsträßer Wein zu tun? Absolut nichts, würde man vermuten. Dass sie das aber durchaus hat, und dies sogar in bedrohlichem Ausmaß, war einer von vielen „Katastrophenmeldungen“ zu entnehmen, die Reinhard Antes, Vorsitzender der Bergsträßer Winzer eG, am Freitagabend im Viniversum während der Generalversammlung für seine Winzer hatte: Weil US-Präsident Donald Trump seit Ende 2019 einen Strafzoll von 25 Prozent auf aus Airbus-Ländern (zu denen Deutschland gehört) importierten Wein erhebt und sich die Exporte aus Europa halbiert haben, drängen Riesenmengen Wein auf den deutschen Markt.

Wahlen

Zur Generalversammlung der Winzer eG gehörten auch Wahlen zum Vorstand und Aufsichtsrat.

Dem Vorstand gehören nun Reinhard Antes, Patrick Staub, Gerhard Weiß, Bernhard Amthor, Bernd Schmitt und Tobias Breit (neu für den altersbedingt ausgeschiedenen Franz Schuster) an.

Mitglieder im Aufsichtsrat sind Bernhard Boppel, Rolf Bitzel, Markus Rothermel, Kathrin Wind, Michael Adler und Fred Schuster, der den in den Vorstand gewechselten Tobias Breit ersetzt.

Für 25 Jahre Mitgliedschaft geehrt wurden Stefan Wanzel, Horst Oehler, Horst Hechler, Wolfgang Menz, Monika Lutz, Rudolf Schneider, Michael Adler, Hans Herlemann, Markus Rothermel und Volker Keil. jr

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Das trifft auch Heppenheims Winzer, die kaum eine Flasche exportieren, nun aber auf heimischem Territorium gegen eine Konkurrenz zu kämpfen haben, die oft unter erheblich einfacheren Bedingungen und damit deutlich kostengünstiger produzieren kann.

Nicht das einzige Problem

Dabei ist der Mann im Weißen Haus beileibe nicht das einzige Problem, mit dem die Genossenschaft zu kämpfen hat. So hat die Rekordernte von 2018 (44 Prozent mehr als 2017, die größte Menge seit 1999) die Lagerbestände so drastisch ansteigen lassen, dass selbst die deutlich geringeren Mengen im trockenen Jahr 2019 nichts an den für erträgliche Erlöse viel zu niedrigen Preis ändern konnten: „Alle Mitgliedsbetriebe haben im letzten Jahr erhebliche Einnahmeverluste hinnehmen müssen“, so Antes. Dass der Liter Sekt beim Discounter schon mal für unter vier Euro angeboten wird, während selbst der billigste Wein eigentlich nicht unter 6,82 Euro pro Liter zu haben sein sollte, und dem Erzeuger am Ende ein Erlös von mickrigen 14 (Basiswein) bis 38 Cent (mittlere Qualität) pro Kilogramm bleibt, wirft ein bezeichnendes Bild auf die Situation im Weinbau.

Zu kämpfen haben die Bergsträßer, die im Geschäftsjahr 253 Hektar bewirtschafteten, aber auch mit neuen, strengen europäischen Richtlinien beim Pflanzenschutz, der Düngung, dem Nitrateintrag. Zu schaffen macht ihnen der Klimawandel und der damit verbundene Wassermangel. Und selbst das Coronavirus sorgt für Turbulenzen bei der Winzer eG: Ein Vertrag mit einem chinesischen Importeur, eigentlich schon unter Dach und Fach, ist dieser Tage geplatzt.

Derzeit 359 Mitglieder

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Dass die derzeit 359 Mitglieder der Winzer eG angesichts der Probleme nicht resignieren, hat zum einen mit dem Spaß zu tun, der für viele mit der Arbeit im Wingert nach wie vor verbunden ist. Zum anderen hat sich das Viniversum als Publikumsrenner erwiesen und wartet, ebenso wie der Webshop, mit erfreulichen Umsatzergebnissen im Endkundengeschäft auf. So konnte der Umsatz in der Direktvermarktung auf 1,724 Millionen Euro (immerhin 26 Prozent des Gesamtumsatzes) und der im Webshop auf 103 000 Euro (ein Plus von 76 Prozent zum Vorjahr) gesteigert werden. Was das Gesamtbild ein wenig aufhellt, aber nichts an der insgesamt negativen Geschäftsentwicklung ändert.

Bei einer Bilanzsumme (Stichtag 31. August 2019) von 7,627 (Vorjahr: 7,772) Millionen Euro, so Geschäftsführer Patrick Staub, reduzierte sich beispielsweise die Auszahlung an die Mitglieder im Geschäftsjahr 2018/19 gegenüber dem Vorjahr um 14,5 Prozent. Was zum Teil an den oben genannten Gründen liegt, aber auch daran, dass sich – nach Kostensteigerungen bei Kelterung, Ausbau, Abfüllung, Lagerung oder Personal – die Gesamtkosten der eG um 5,7 Prozent erhöht haben. Aus Sicht der eG-Führung kann diese Entwicklung nur zum Positiven gewendet werden, wenn man noch stärker als bisher auf Innovationen setzt. Antes Hoffnung: „Gerade in Krisenzeiten wurden eigentlich immer die besten Ideen geboren.“ jr