Stadtteile - Mit der Gründung der Interessengemeinschaft Wald-Erlenbach soll das Gremium aus einer heiklen Lage befreit werden Wie der Ortsbeirat gerettet werden konnte

Von 
rid
Lesedauer: 

Wald-Erlenbach. Wer Silke Schöllig Anfang Dezember gesagt hätte, dass sie kurze Zeit später an der Spitze einer neuen Wählervereinigung für den Wald-Erlenbacher Ortsbeirat in den Kommunalwahlkampf ziehen würde, den hätte sie wahrscheinlich ausgelacht. Doch wenige Wochen später ist nun genau das der Fall. „Es war fast eine Nacht- und Nebelaktion“, erklärt Ortsvorsteherin Heidrun-Barbara „Bärbel“ Jäger lachend, wie es zur Gründung der IG Wald-Erlenbach gekommen ist.

Dank einer schnellen Reaktion des amtierenden Ortsbeirates und der Gründung einer Interessengemeinschaft kann sich das Gremium wohl auch weiterhin für Wald-Erlenbach einsetzen. © Wagner
AdUnit urban-intext1

Beim Blick auf die Listen der Parteien, die für den Wald-Erlenbacher Ortsbeirat kandidieren, sei ihr im Dezember der Schreck in die Glieder gefahren: Sieben Kandidaten hatte ihre Partei, die CDU, aufgestellt, die SPD statt der bisherigen drei nur einen. Das war es dann auch.

Es standen also gerade mal acht potenzielle Ortsbeiratsmitglieder zur Wahl – zu wenig. Denn die hessische Gemeindeordnung verlangt mindestens neun Mitglieder im Gremium. Im Klartext hätte dies bedeutet, dass es in den kommenden fünf Jahren im Heppenheimer Stadtteil keinen Ortsbeirat gegeben hätte.

Ein Unding, nicht nur für Jäger. Schließlich habe das Gremium in den vergangenen Jahren gut und konstruktiv gearbeitet, um Wald-Erlenbach voranzubringen. Man organisierte – vor Corona – den gemeinschaftlichen Dorfputz und Wanderungen, hatte ein Auge auf die Sanierung des setzrissgeschädigten Feuerwehrgerätehauses, gab den Anstoß dafür, dass die Bäckereifiliale im Ort wieder öffnete, setzte sich ein für das Miteinander im Dorf. Darüber hinaus unterstützte der Ortsbeirat das von Else Lulay und ihren Damen gegründete Dorfcafé. Gab es etwas zu beanstanden, reichte meist ein Anruf bei Bärbel Jäger und es wurde sich gekümmert.

AdUnit urban-intext2

Auf das alles sollte nun verzichtet werden? Kommt nicht in Frage, sagte sich Jäger. Das Problem: Sowohl über die Liste von der CDU als auch über die von der SPD war bereits final in den jeweiligen Mitgliederversammlungen abgestimmt worden. Einfach einen weiteren Namen draufzusetzen, hätte gegen geltendes Recht verstoßen und wäre anfechtbar gewesen.

Die einzige Möglichkeit: Noch rechtzeitig eine neue Partei zu gründen. Also wurde im Ort herumgefragt, wer sich für den Stadtteil engagierten möchte. Bei Silke und Manuel Schöllig traf man auf offene Ohren. In Windeseile wurde gemeinsam mit Unterstützung aus den Reihen der Stadtverwaltung die Gründung der Interessengemeinschaft (IG) Wald-Erlenbach in die Tat umgesetzt. Silke Schöllig wurde zur Vorsitzenden, ihr Mann Manuel zum Stellvertreter.

AdUnit urban-intext3

„Bärbel Jäger kam auf uns zu und sagte, es gebe ein Problem, ob wir Interesse hätten, sie und somit das Dorf zu unterstützen“, erinnert sich Silke Schöllig an die erste Kontaktaufnahme. Dass man im Stadtteil in den kommenden fünf Jahren nichts bewegen könnte, das habe sie nicht gewollt. „Wir haben selbst Kinder und wollen, dass etwas bewegt und getan werden kann“, erklärt sie. Gemeinsam habe man die bürokratischen Herausforderungen gemeistert, und zwischen den Jahren sei alles über die Bühne gegangen.

AdUnit urban-intext4

Silke Schöllig ist 36 Jahre alt, medizinische Fachangestellte und hat zwei Töchter. Die Dreijährige besucht den Wald-Erlenbacher Kindergarten Pfalzbach-Wichtel, die Achtjährige die Kirschhäuser Eichendorff-Schule. Ehrenamtliches Engagement wird in der Familie seit jeher gelebt: Silke und Manuel Schöllig sind in der Heppenheimer Pfarrgemeinde St. Peter und in der Heppenheimer Kolpingsfamilie engagiert. „Wir freuen uns, mit allen gemeinsam etwas bewegen zu können, was dem Dorf guttut“, sieht sie der neuen Aufgabe positiv entgegen.

Bärbel Jäger rührt derweil im Dorf bereits kräftig die Werbetrommel, dass die IG Wald-Erlenbach auch Wählerstimmen bekommt. Ob die Interessensgemeinschaft auch in der darauffolgenden Legislaturperiode antreten wird, ist noch ungewiss. Schölligs können sich durchaus vorstellen, dann bei der CDU mitzuarbeiten.

Bärbel Jäger ist glücklich über das Miteinander der Menschen in Wald-Erlenbach. „Es gibt keine Probleme, sondern nur Lösungsansätze und Lösungen. Mit den Menschen im Dorf ist wirklich alles möglich. Auch das ist ein Grund, warum ich so sagenhaft gerne hier lebe.“

Übrigens: Damit man nicht noch einmal Gefahr läuft, dass ein Ortsbeirat wegen zu weniger Kandidaten nicht zustande kommt, soll die Satzung geändert werden, sodass künftig sieben Mitglieder ausreichen, um das Gremium zu bilden. rid