Tongruben - Auf mehreren Schautafeln wird Wissenswertes über das Naturschutzgebiet vermittelt Was kreucht und fleucht denn da?

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jr
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Mit Informationen sensibilisieren: Eine der vier Schautafeln (im Südwesten auf Heppenheimer Gemarkung), die seit Kurzem auf das zwischen Heppenheim und Bensheim gelegene Naturschutzgebiet Tongruben aufmerksam machen. © Reinhardt

Heppenheim. Es ist ein Kleinod, das zwischen Heppenheim und Bensheim gelegene Naturschutzgebiet Tongruben mit seinen 92 Hektar Fläche. Ein großes, einzigartiges Biotop, Rückzugsgebiet für viele seltene Vogelarten und Amphibien, dessen Schutzbedürftigkeit in den vergangenen Jahren angesichts des voranschreitenden Zusammenwachsens der beiden Städte immer deutlicher geworden ist.

Die Tongruben

In früheren Zeiten mäanderte dort, wo heute das Naturschutzgebiet Tongruben liegt, der Neckar.

Dabei hat der Fluss große Mengen an Kiesen, Sanden und Tonen transportiert. Im flachen Wasser setzten sich Tone ab.

Ab 1894 wurde dieser Ton abgebaut und in den umliegenden Ziegeleien zu Backsteinen und Dachziegeln verarbeitet.

Seit den 1960er Jahren steht der Abbau still.

Danach entwickelte sich das Tongrubengelände zu einem wichtigen Brut- und Rastgebiet seltener Vogelarten.

Darum wurden 1977 erste Teile des Gebiets unter Naturschutz gestellt.

1989 folgte die Erweiterung der Naturschutzfläche auf die heutige Größe. jr

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Vor einem Jahr war mitgeteilt worden, mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen dafür zu sorgen, dass dieser Schutz verstärkt wird. Teilnehmer dieses Ortstermins waren der für den Naturschutz zuständige Kreisbeigeordnete Karsten Krug (SPD) sowie Vertreter des Regierungspräsidiums Darmstadt, des Forstamts Lampertheim und des Naturschutzbundes.

Im Vorfeld wurden beispielsweise Büsche entfernt, Tümpel neu angelegt oder Teiche vertieft. Wege, die in der Vergangenheit dazu verleiteten, auch in sensible Bereich der Tongruben vorzudringen, wurden der Natur überantwortet. Der Förderverein Tongruben, das Regierungspräsidium, das Forstamt Lampertheim und der Kreis waren sich darin einig, diese sensiblen Teile des Naturschutzgebietes abzuschotten und die Besucher effektiver zu „lenken“.

Hierzu gehört auch eine Hütte an den Jägerteichen, die inzwischen von vielen genutzt wird, um die Tierwelt zu beobachten, ohne diese in ihrer Ruhe zu stören. Früher konnte man von dieser Stelle aus noch bis weit in das Feuchtbiotop hinein marschieren; inzwischen sind aber auch diese Pfade versperrt, eine Bretterwand an der Hütte verhindert den Durchgang.

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Um potenzielle Besucher des Naturschutzgebietes weiter zu sensibilisieren, war im Frühjahr 2019 auch angekündigt worden, mit Flugblättern und Schautafeln über die Tongruben zu informieren. Letztere tun dies seit Kurzem an den Rändern des Schutzgebietes, zwei im Süden auf Heppenheimer, zwei im Norden auf Bensheimer Gemarkung. Text und Gestaltung kommen von Landkonzept Niddatal, die Fotos haben Günter Hagemeister, Jürgen Schneider, Andrea Herschel und der Nabu beigesteuert.

Anschaulich und kompakt kann man – verbunden mit der Bitte, Rücksicht auf Tiere und Natur zu nehmen und die vorhandenen Pfade nicht zu verlassen – auf diesen Tafeln vieles über das FFH- und Natura-2000-Gebiet erfahren. Beispielsweise, dass viele seltene Vogelarten und Amphibien hier eine letzte Rückzugsmöglichkeit finden. Durch das Nebeneinander von Flachwasserbereichen, Weidengehölzen, Röhrichten und Feuchtwiesen ist das Naturschutzgebiet besonders artenreich. Rund 90 Brutvogelarten konnten die ehrenamtlichen Gebietsbetreuer des Nabu hier nachweisen.

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Dazu gehören Zwergtaucher, Wasser- und Teichralle sowie das Blässhuhn. Außerdem brüten auf dem Tongrubengelände Eisvogel, Neuntöter sowie Rot- und Schwarzmilan. Der Kuckuck profitiert vom Bestand an Teichrohrsängern in den Röhrichtbeständen, in deren Nester er seine Eier ablegt. Hinzu kommen – verteilt über das ganze Jahr – Nahrungsgäste wie Rohrweihe und Schwarzstorch sowie als Zug- und Wintergäste Grünschenkel, Waldwasserläufer, Silber-, Seiden- und Purpurreiher. In den Tümpeln laichen Frösche, Kröten und Molche. Und früher gab es hier auch die Gelbbauchunke – die ist in den letzten Jahren allerdings nicht mehr zu sehen gewesen. jr