Soziales - Antrag der Freien Wähler findet im Fachausschuss keine Mehrheit / Stadt könnte sich nach Initiative aus der Bevölkerung um einen Standort kümmern Vorstoß für Generationenwohnen muss privat erfolgen

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jr
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Generationenwohnen setzt der Verein Wohn Vision Bergstraße in der Bensheimer Vogelsbergstraße um. © lotz

Heppenheim. Gemeinschaftlich wohnen, Junge wie Alte, vielleicht in einem Projekt „Mehrgenerationenhaus“? Was an der Vogelsbergstraße in Bensheim demnächst umgesetzt werden soll, könnte in absehbarer Zeit auch in Heppenheim verwirklicht werden. Die Initiative hierzu müsste allerdings aus der Bevölkerung kommen. Einen Antrag der Freien Wähler zur „Schaffung von alternativen und generationenübergreifenden Wohnformen“ an den Magistrat hat der Sozial-, Kultur- und Sportausschuss jedenfalls abgelehnt. Die einzige Stimme für ein solches Projekt kam von der Antragstellerin Kerstin Buchner selbst.

Wie es in Bensheim funktioniert

In Bensheim entstehen in zwei Mehrfamilienhäusern bis März 2020 18 Wohneinheiten von 60 bis 100 Quadratmetern Fläche.

Mieter können nur Mitglieder des Vereins Wohn Vision Bergstraße werden.

Der Jahresbeitrag beträgt 40 Euro beziehungsweise 60 Euro für Paare.

Der Verein gibt gerne seine Erfahrungen mit dem Projekt weiter. Vorsitzender Gerhard Vetter ist erreichbar unter Telefon: 06251/76103 sowie unter der E-Mail-Adresse g.vetter@wohnvision-bergstrasse.de. Internet: www.wohnvision-bergstrasse.de. jr

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Und es war auch eine Initiative aus der Bevölkerung, die dafür gesorgt hat, dass die Wohnbau Bergstraße, ein genossenschaftliches Unternehmen, das Projekt in Bensheim Realität werden lässt. Dahinter steckt der Verein „Wohn Vision Bergstraße“, dessen Vorsitzender Gerhard Vetter (Zwingenberg) im Ausschuss über den Weg von der Idee bis hin zur Umsetzung berichtete.

Vor ziemlich genau zwei Jahren, so Vetter, sei in einem Bürgerforum diskutiert worden, wie groß das Interesse an einem Generationenhaus in Zwingenberg und der Nachbarschaft ist. Und es habe sich gezeigt, dass viele wie Vetter im fortgeschrittenen Alter, aber auch Menschen mit Handicap immer stärker in Richtung Einsamkeit driften: Die Kinder sind aus dem Haus und weit weg, gesellschaftliche Kontakte gibt es nur noch dann, wenn man selbst mobil und aktiv ist. Auf der anderen Seite gibt es Jüngere, vielleicht auch Alleinerziehende, denen eine Betreuung für die kleinen Kinder fehlt, die nette Nachbarn vermissen.

„Aber lamentieren hilft nicht“, so Vetter, und deshalb wurde 2018 der Verein gegründet, wurden erste Gespräche mit der Wohnbau Bergstraße geführt, wurde im September zu einer ersten Mitgliederversammlung eingeladen. Die Zusammenarbeit mit der Wohnbau erwies sich wie bei den besichtigten Projekten, die ebenfalls auf das Genossenschaftsmodell setzen, als sinnvollste Form. Diese baut nun ohne finanzielle Unterstützung durch die öffentliche Hand zwei Gebäude in Bensheim, in die sich die Mitglieder des Vereins voraussichtlich ab dem nächsten Jahr einmieten können. Dass dies in Bensheim geschieht, ist laut Vettel „purer Zufall, es hätte durchaus auch Heppenheim sein können“. Eigentumswohnungen kommen nicht infrage: „Wir wollen auch künftig den Daumen auf der Zusammensetzung der Einwohner haben“, betont Vettel. Zeige sich, dass jemand nicht in die Gemeinschaft passe, könne der Mietvertrag gekündigt werden.

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Im Ausschuss gab es durchaus Sympathie für die Idee eines Mehrgenerationenhauses. Das sei jedoch keine Sache der Verwaltung: „Hier ist zunächst Privatinitiative gefragt. Danach könnte die Stadt sich um einen Standort kümmern“, sagte Hermann Peter Arnold (CDU).

Kerstin Buchner zeigte sich enttäuscht vom Abstimmungsergebnis, geht sie doch davon aus, dass es auf alle Fälle ein großes Interesse an einem solchen Projekt gibt. Sie hofft jetzt, dass sich genügend Menschen finden, die ihre Idee unterstützen wollen. jr