Corona-Krise - Wie junge Heppenheimer die Pandemie und ihre Auswirkungen erleben „Von Mathemathik haben meine Eltern null Ahnung“

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rid
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Momentan ist für viele Schüler zu Hause lernen angesagt – aber das passt nicht allen. © Wagner

Heppenheim. Was sagen Kinder, die seit Wochen nicht in die Kita und die Schule gehen dürfen, nicht mit Freunden spielen und nicht selten den ganzen Tag mit den Eltern und Geschwistern verbringen zur derzeitigen Situation?

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Die zehnjährige Zoe etwa hatte sich schon riesig darauf gefreut, dass am Montag für sie als Viertklässlerin die Schule wieder losgehen sollte. Doch das Urteil des Verwaltungsgerichtshofs Kassel hat dem einen Riegel vorgeschoben. „Ich finde das einfach nur unfair und blöd, weil die meisten sich darauf gefreut haben und weil jetzt alles kaputt ist, worauf man sich freuen kann“, hat sie eine ganz klare Meinung. „Ich bin richtig entsetzt und sauer, obwohl ich Homeschooling auch ganz cool finde, weil es ganz egal ist, wo man rechnet – auf dem Bett, auf dem Balkon oder am Tisch.“

Doch die Viertklässlerin kann der Corona-Pandemie auch etwas Positives abgewinnen: „Die Umwelt kann sich wieder abregen. Ich kann mehr Zeit mit Mama und Papa verbringen und länger schlafen.“ Nicht gut findet sie es, Mundschutz tragen zu müssen, auf die Treffen mit Freunden und Verwandten zu verzichten und dass das öffentliche Leben stillgelegt ist.

„Ich darf jetzt viel mehr fernsehen, damit ich meine Eltern nicht nerve“, verrät der elfjährige Tim. Das Lernen daheim nervt ihn allerdings „übelst“. „Von Mathe haben meine Eltern null Ahnung“, erklärt der Fünftklässler. Und ergänzt lachend: „Ich hätte nie gedacht, dass ich mal die Schule vermisse.“

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Jan geht in die dritte Klasse und ist neun Jahre alt. Ihn nervt es, dass der Papa jeden Tag seine Hausaufgaben kontrolliert. „Ich vermisse meine Freunde. Aber wir telefonieren immer wieder miteinander.“ Schön findet er es, dass er viel mit seinen Eltern spielt, zum Beispiel Fußball im Garten. „Dass kein Fußballtraining ist, ist doof. Gut ist, dass ich morgens nicht so früh raus muss.“

Dass sie nicht so früh aufstehen muss, das mag auch Fünftklässlerin Carla. Mit dem Homeschooling kommt sie gut klar, wobei nicht jeder Lehrer die Aufgaben online richtig gut aufbereite. „Schlecht finde ich, dass man nicht einfach mal zu Freunden gehen kann oder in die Nachbarschaft.“ Die Zehnjährige ist traurig, dass es derzeit kein Basketball-Training gibt und dass sie die Verwandten nicht besuchen darf. Aber sie freut sich, dass sie sich endlich wieder ein Eis holen und mit den Freundinnen zumindest telefonisch Kontakt halten kann.

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Emma (8) gefällt es, dass sie derzeit nur zwei Stunden Homeschooling am Tag hat. „Doof finde ich, dass man nicht so viele Freundinnen und Klassenkameraden treffen kann.“ Uneinig ist sie mit ihrer vierjährigen Schwester Anne, was das Tragen von Masken anbelangt. Anne, die aufgrund ihres Alters noch gar keinen Mund-Nasen-Schutz tragen muss, wäre durchaus bereit dazu. Emma dagegen findet das nicht gut, „da erkennt man die Leute nicht.“

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Theo ist sieben und besucht die erste Klasse. Er ist traurig, dass er seine Freunde nicht sehen darf. Das mit dem Lernen daheim findet er auch nicht so gut. „In der Schule wird alles besser erklärt“, findet er. Diplomatisch fügt er hinzu: „Die Eltern haben halt nicht die Ausbildung dafür.“ Sein elfjähriger Bruder Noah ist auch nicht glücklich mit dem Homeschooling: „Damit komme ich nicht so zurecht.“ Ihm fehlt das Erklären durch die Lehrer. Trotzdem findet er es richtig, dass die Schulen geschlossen sind, damit die Zahl der Infektionen nicht wieder steigt.

Lasse, 11 Jahre alt und in der fünften Klasse, bringt es kurz und knackig auf den Punkt: „Für die Umwelt ist es gut, Unterricht zu Hause finde ich schlecht.“ Und was sagt der Jüngste, der dreijährige Felix? „Es ist blöd, dass ich meine Freunde nicht sehen kann! Aber wir machen schöne Ausflüge!“ rid