Immobiliengeschäft - Das Bensheimer Unternehmen „Gluza Group“ übernimmt die „Kellereigasse 2“ vom vierfachen Formel-1-Weltmeister Vettel verkauft sein denkmalgeschütztes Anwesen

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fran/mm
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Eigentlich wollte Rennfahrer Sebastian Vettel das denkmalgeschützte Anwesen „Kellereigasse 2“ herrichten lassen und „in seiner Heimatstadt ein Zeichen setzen“. Doch daraus wurde nichts, inzwischen hat Vettel das dringend sanierungsbedürftige Haus an ein Bensheimer Unternehmen verkauft. © Sascha Lotz

Heppenheim. „Sebastian Vettel will in seiner Heimatstadt ein Zeichen setzen.“ Mit großen Worten informierten die Vorbesitzer Christine und Hans-Jürgen Reibold im September 2016 die Öffentlichkeit darüber, dass sie das denkmalgeschützte Anwesen „Kellereigasse 2“ nach knapp vierjährigem Leerstand an den wohl berühmtesten Sohn der Kreisstadt verkauft hatten.

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Ein großer Teil des Hauses sollte nach einer umfangreichen Sanierung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, entsprechend groß waren die Hoffnungen der Bürger, von Sebastian Vettels Immobilienerwerb ein stückweit zu profitieren.

Schüler der Heinrich-Metzendorf-Schule in Bensheim befassten sich in der Folge intensiv mit der Bausubstanz und einer möglichen späteren Nutzung des Fachwerkhauses. Ihre Ideen reichten von einem Museum über einen Gastronomiebetrieb mit Gästezimmern bis hin zu einer neuen Tourist-Information. Allerdings: Am Status der Ideen sollte sich über Jahre hinweg kaum etwas ändern.

Kritische Stimmen wurden lauter

Stattdessen wurden die kritischen Stimmen in der jüngeren Vergangenheit immer lauter, die den zunehmenden Verfall des historisch wertvollen Gebäudes beklagten. In der Tat ist so manches Kellerfenster längst kaputt, auch Putz und Fachwerk wirken sanierungsbedürftig.

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Sebastian Vettel wird diese Sanierung allerdings nicht mehr stemmen. Er hat die Immobilie unlängst an die Bensheimer „Gluza Group“ verkauft. Zwar gibt es vonseiten des vierfachen Formel-1-Weltmeisters und Ehrenbürgers der Kreisstadt noch keine offizielle Bestätigung, doch teilt „Gluza-Group“-Sprecherin Claudia Urbiks mit, „dass wir das denkmalgeschützte Fachwerk-Ensemble in der Kellereigasse 2 erworben haben“.

Inhaber und Geschäftsführer Michael Gluza sei es jedoch ein persönliches Anliegen, „mit dem Kauf dieses prominenten Anwesens diskret und seriös umzugehen“. Konkrete Details würden deshalb erst dann kommuniziert, „wenn unsere Sanierungs- und Nutzungsplanung abgeschlossen und mit den zuständigen Behörden abgestimmt ist“, teilt Claudia Urbiks weiter mit.

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Im Rathaus sind die Verantwortlichen derweil gespannt, was sich in unmittelbarer Nachbarschaft demnächst tun wird. „Wir freuen uns auf die neuen Ideen. Schön wäre es, wenn der Marktplatz und die umliegenden Gebäude und Unternehmen auch davon profitieren könnten“, sagt Bürgermeister Rainer Burelbach (CDU) auf Anfrage. Grundsätzlich sei es „nur zu begrüßen“, wenn nun Bewegung in die schon länger geplante Sanierung komme, so Burelbach, der jedoch ebenfalls nicht weiter ins Detail gehen will – und kann. Denn er betont: „Uns liegt noch kein Bauantrag vor.“

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Laut der Liste der Kulturdenkmäler in Hessen hat das Ensemble eine besondere Bedeutung im denkmalgeschützten Kern der Heppenheimer Altstadt. Neben der Größe fällt insbesondere das aufwendige Schmuckfachwerk in den Giebeln ins Auge, mit sogenannten Mannfiguren und vertieften Rauten in den Brüstungsfeldern.

Nach Informationen der Familie Reibold stammt das Gebäude in der jetzigen Form aus dem Jahr 1713 und sei nach einem Brand wieder aufgebaut worden. Das Kellergewölbe könnte bereits in der Zeit zwischen 1200 und 1300 entstanden sein. Die Scheune im Hof grenzt an die frühere Stadtmauer.

Professor Karl Härter vom Geschichtsverein Heppenheim betonte unterdessen bei einer Besichtigung zum Tag des offenen Denkmals 2012, dass es sich bei der Kellereigasse 2 um einen Adelshof handle. Für einen Bauern sei der Besitz zu teuer gewesen. Er ist überzeugt, dass dort zuvor zwei Häuser des Adelsgeschlechts Rodenstein standen, die 1475 und 1491 erstmals erwähnt wurden.

Das Ehepaar Reibold hatte das Ensemble 2012 von einer Erbengemeinschaft mit Beteiligung des Kreises Bergstraße erworben. Letzte Nutzer waren zuvor der Sportkreis Bergstraße und das Heppenheimer Büro der indischen Filmgesellschaft Bollywood, außerdem gab es eine Wohnung im Obergeschoss.

Ideen gab es schon viele

Der Kreis habe dort ursprünglich einmal das Landratsamt erweitern wollen, berichtete Hans-Jürgen Reibold vor knapp fünf Jahren im Rahmen des Verkaufs an Sebastian Vettel. Man habe seinerzeit viele Gespräche für eine mögliche Nutzung geführt. Die Ideen reichten von einem Hotel, einem Restaurant über ein Verwaltungsgebäude bis zur Erweiterung fürs Landratsamt. Doch aus all dem wurde nichts – und Sebastian Vettel übernahm.

Eigentlich wollte Rennfahrer Sebastian Vettel das denkmalgeschützte Anwesen „Kellereigasse 2“ herrichten lassen und „in seiner Heimatstadt ein Zeichen setzen“. Doch daraus wurde nichts, inzwischen hat Vettel das dringend sanierungsbedürftige Haus an ein Bensheimer Unternehmen verkauft. fran/mm