Kommunalwahl - Die Spitzenkandidatin der WG LIZ will den ÖPNV stärken, mehr Treffpunkte schaffen und die Starkenburg aufwerten Ulrike Janßen: „Alle sich bietenden Chancen wurden vertan“

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fran
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Am „Postknoten, wo sich die Bundesstraßen 3 und 460 kreuzen, wünscht sich Ulrike Janßen, Spitzenkandidatin der WG LIZ, einen „urbanen Platz“ anstelle eines Verkehrsknotenpunktes. © Sascha Lotz

Heppenheim. Bei der Kommunalwahl am 14. März kämpfen acht Parteien und Wählergemeinschaften um den Einzug ins Stadtparlament. Insgesamt sind dort 37 Mandate zu vergeben. Die Spitzenkandidaten beantworten in einer Serie die gleichen Fragen der Redaktion. Im siebten Teil äußert sich Ulrike Janßen, Spitzenkandidatin der WG LIZ.

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Wie hat sich Heppenheim aus Ihrer Sicht in der vergangenen Wahlperiode verändert?

Die Liste der WG LIZ

Spitzenkandidatin der WG LIZ ist Ulrike Janßen.

Auf der Liste vertreten sind außerdem: Peter Janßen, Bernhard Tilger, Peter Rossa, Torben Hirsch, Rosemarie Schwarz, Olaf Stjerna, Thomas Duda, Sabrina Wolf, Achim Bruns, Angelika Bruns, Markus Funck, Sylvia Wrede, Thorsten Tetens, Melanie Funck, Ramon Batilde und Michael Gutjahr. fran

Ulrike Janßen: Anspruchs- und planloses Vorgehen mit Chaos in der Verwaltung hat schwere Schäden in allen Bereichen hinterlassen, deren Reparatur lange dauern und teuer wird. Die Innenstadt wurde weiter heruntergewirtschaftet, das Stadtbild verschandelt, etliche Bäume und Sträucher wurden sinn- und grundlos entfernt. Die Fassade des neuen Stadthauses täuscht über die inneren Mängel und Unzulänglichkeiten. Keines der Wahlversprechen, außer dass seelenlos gebaut wurde, wurde eingelöst. Die politische Mehrheit befeuert den Klimawandel uneinsichtig weiter. Selbst die Umsetzung kleinster Maßnahmen wurde aus Machterwägungen vielfach versagt. Alle sich bietenden Chancen wurden vertan, ob Parkhofneugestaltung, Autobahn-Anschlussstelle-Süd, Verlängerung der Kreisverbindungsstraße, nachhaltiger Umbau des Kreiskrankenhauses, klimaangemessene Entwicklung der Neubaugebiete oder Renaturierung der Fließgewässer Hambach und Stadtbach.

Wie kann der ÖPNV in der Stadt (wieder) attraktiver werden?

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Janßen: Durch saubere, wettergeschützte Haltestellen mit lesbaren Fahrplänen, klare kurze Linienwege, bedarfsangepasste E-Busse mit kurzer Taktung und guten Anbindungen, bei günstigen und leicht verständlichem Tarifsystem. Abschaffung der Vergünstigungen für Privilegierte, dafür niedrige Tarife für Pendler. Ein sauberer Bahnhof mit Wartehalle, besserem Witterungsschutz und schnelle Verbindungen in die Großstädte.

Wie kann dem hohen Verkehrsaufkommen in der Innenstadt entgegengewirkt werden?

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Janßen: Durch Ortsumfahrungen für den Durchgangsverkehr und attraktivere Wege in die Innenstadt, insbesondere für Radfahrer und Fußgänger. Es ist ein Verkehrs- und Parkkonzept, das seinen Namen verdient, umzusetzen, so dass Durchgangs- und Parkplatzsuchverkehr verhindert wird. Im Zuge einer neuen B 3 ist die Nutzung der alten B 3 allein für ÖPNV (evtentuell auch Straßenbahn), Anlieger-, Fuß- und Radverkehr möglich. Hohe Aufenthaltsqualität steigert nicht nur den Wohnwert, sondern macht den Einzelhandelsstandort attraktiver und verlängert die Verweilzeit von Kunden und Touristen. Urbaner Platz an der Post, statt Verkehrsknoten.

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Der Parkraum in der Stadt ist hingegen recht knapp bemessen. Wie könnte dieses Problem aus Ihrer Sicht gelöst werden?

Janßen: Durch Stadtplanung, ein gutes Parkplatz- und Nachverdichtungskonzept, das umgesetzt wird, und durch Beendigung der Stellplatz-Zweckentfremdung. Die sanierungsbedürftige Lehrstraßen-Tiefgarage mit unattraktiver Zufahrt und der Parkhof sind teure Negativbeispiele. Am Bahnhof hätte schon längst eine Tiefgarage für Pendler und Innenstadtbesucher hergestellt werden können. Ebenso bietet der Parkhofbereich, trotz der letzten Fehlentwicklungen, noch ausreichend Möglichkeiten einer innenstadtverträglichen Entwicklung mit Tiefgarage, Bebauung und Grünraum.

Wie bewerten Sie die Situation auf dem Immobilienmarkt?

Janßen: Kritisch, da Angebote – soweit überhaupt vorhanden – überteuert sind, es viele unter- oder ungenutzte Flächen im Siedlungsbereich gibt, viele Neubauten seelenlos sind. Die Bautätigkeit auf ehemals wertvollen Ackerböden und die Wahlversprechen auf „bezahlbarer Wohnraum“ können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es für viele Menschen seit Jahrzehnten weiterhin fast unmöglich ist, eine passende bezahlbare Wohnung zu finden.

Wo kann der Hebel angesetzt werden, damit Heppenheimattraktiver für Touristen wird?

Janßen: Eine Stadt, die für die eigenen Bewohner lebenswert ist und Aufenthaltsqualität bietet, ist auch für Touristen attraktiv. Die Verunstaltung von Stadtbild und Naherholungsräumen muss aufhören. Stadtbegrünung, Wege, Aussichtsplätze, Plätze und Parks sind (wieder) herzustellen und zu pflegen. Die Starkenburg ist aufzuwerten und mit dem Unesco-Welterbe Kloster Lorsch zu verbinden. Die Siegfriedstraße ist als Teil der Altstadt entsprechend umzugestalten, an einigen Stellen der Stadtbach zu öffnen. Beispiele hierzu haben wir in der Anhörung zum von uns bis heute verzögerten Siegfriedstraßen-Ausbau geliefert. Der Verwahrlosung von Bahnhof und Stadteingängen ist Einhalt zu gebieten und diese aufzuwerten. Der Amtshof ist adäquat als Kultureinrichtung zu planen, das unsinnige Stückwerk zu beenden. Das Umfeld und die Zweckbauten des Schwimmbads bedürfen eines Ausbaus und einer gestalterischen Überholung. Statt teuren Möblierungen mit Schildern, Fitnessgeräten, Klang- und Kunstwerken sind naturnahe selbsterklärende Erholungsräume für alle Generationen zu schaffen. Zudem muss in einem See schwimmen möglich sein, Einrichtungen wie Café oder Bootsverleih geschaffen werden. Statt, wie geplant, teure kalte Anlehnbügel, sollten mehr klassische Sitzbänke aufgestellt werden. Die Freilichtbühne ist so umzubauen, dass eine dauerhafte Nutzung möglich ist. In Zusammenarbeit mit Lorsch und Bensheim ist ein Campingplatz einzurichten.

Wie könnte der „Schandfleck“ Europaplatz attraktiver gestaltet und künftig genutzt werden?

Janßen: Kurzfristig durch Begrünung und Parkplätze im östlichen Platzbereich mit Zuweg zur Innenstadt, sowie Fuß- und Radweg entlang der Lorscher Straße gemäß Bebauungsplan. Langfristig mit begrünter Platzgestaltung und verdichteter Bebauung für Wohnen und Dienstleistung.

Wie kann die Kreisstadt für junge Familien, aber auch für die älteren Bürgerinnen und Bürger attraktiver werden?

Janßen: In einer menschengerechten Stadt ist das Auto aus den Straßenräumen zugunsten generationsübergreifender Nutzungen zurückzudrängen. Aufenthaltsräume und Treffpunkte für Kinder und Jugendliche auch außerhalb organisierter Bereiche bei zugleich attraktivem städtischen Angebot sind zu schaffen. Im Zentrum sowie zentralen Orten der Stadtteile – auch West-, Nord-, Südstadt – sind nichtkommerzielle Räume zum spontanen Treffen herzustellen. „Grüne Bänder“ als Verbindungen zwischen Grünraum und zentralen Orten sind durch die Stadt zu ziehen.

Mit welchem Ziel gehen Sie in den Wahlkampf und auch in die Kommunalwahl 2021?

Janßen: Mehr Wählerstimmen für mehr LIZ-Stadtverordnete, um CDU, Grüne, SPD, FDP, FWH in Sachdiskussionen zu zwingen und zu erreichen, dass die jeweils beste Lösung für Heppenheim gefunden wird. Eine Stadt mit Zukunft bietet Lebensqualität für alle. fran