Altstadt - Verwaltung lässt eine Sitzgelegenheit abmontieren, was aber nicht jeder Anwohner richtig findet Streit um Ruhebank auf dem Marktplatz

Von 
dj
Lesedauer: 
Auf dem Marktplatz vor dem geplanten Café „Oma Margret“ wurden eine Bank und ein Fahrradbügel entfernt. © Jährling

Heppenheim. An der „Oma Margret“, dem ehemaligen Haus Nack, haben Mitarbeiter des städtischen Baubetriebshofs eine Bank und einen Fahrradbügel abmontiert. Dies erregte den Unmut von Anwohner Guido Schöneberg aus der Schunkengasse. „Das geht doch wieder auf die Kosten der Anwohner, und die Gastronomie breitet sich immer weiter aus“, sagt er.

Fahrradbügel

Im Januar wurden in der Schulgasse, schräg gegenüber der Schlossschule, neun Fahrradbügel und in der Schunkengasse drei angebracht.

Weil Schule und Gastronomie aufgrund der Corona-Krise geschlossen hatten, wurden sie bisher wenig genutzt.

Doch jetzt, wo die Restaurants wieder geöffnet haben, sind zumindest am Abend etliche Fahrräder dort angekettet. dj

Bürgermeister schaltet sich ein

AdUnit urban-intext1

Der Baubetriebshof hatte die Holzlatten von der Bank und die darunter befindlichen Sandsteinblöcke entfernt. Danach wurden die Löcher wieder zugemacht und mit Steinen gepflastert. Mittlerweile ist nichts mehr davon zu sehen, dass an dieser Stelle eine Bank stand, zumal jetzt auch durch das Restaurant „Schwan“ wieder bestuhlt ist. Die Aufregung um die abmontierte Sitzgelegenheit rief schließlich Bürgermeister Rainer Burelbach auf den Plan. Denn auch beim Baubetriebshof und im Rathaus haben Bürger angerufen. Burelbach sagt nun, er habe mit drei Altstadtanwohnern die Angelegenheit auf dem Marktplatz besprochen.

Seit dem vergangenen Jahr ist Jochen Jung Eigentümer von „Oma Margret“. Er will in den Räumen der früheren Tourist-Info eine Kaffee- und Weinbar einrichten und habe deshalb die Stadt darum gebeten, eine von zwei Bänken vor dem Haus zu entfernen. Die Stadt sei dem Wunsch aus dreierlei Hinsicht nachgekommen: „Die Wirtsleute sind durch Corona ohnehin ziemlich gebeutelt. Da wollten wir helfen“, erläutert Burelbach. Außerdem sei es mit Bank und Fahrradständer an dieser Stelle doch ziemlich eng gewesen. Und an der Schlossschule sowie in der Schunkengasse sei Ersatz zum Abstellen von Fahrrädern geschaffen worden.

Die Holzlatten der abmontierten Bank werden unterdessen gleich wieder verwendet. Denn eine der beiden Bänke vor dem benachbarten Doppelhaus Großer Markt 7 ist defekt und muss entsprechend ersetzt werden. „Wir hatten diese Bank zwar abgeschliffen, aber eine Frau hat sich trotzdem einen Splitter in die Haut gezogen und die Stadt verklagt“, erläutert Burelbach. Überdies wolle die Verwaltung schauen, ob sich ein Ersatzstandort für die vor dem Haus Nack abmontierte Bank findet. Die Sandsteinblöcke würden, so Burelbach, für diesen Fall zumindest aufgehoben.

AdUnit urban-intext2

Insgesamt befinden sich jetzt noch sechs Bänke auf dem Marktplatz. Doch sobald die Gastronomie bestuhlt hat, verschwinden einige aus dem Sichtfeld, und wohl kaum einer setzt sich da noch hin, weil er dann mehr oder weniger mitten im Gastronomiebereich säße. Nur die Bank vor dem Rathaus und die zwei Sitzangelegenheiten am Großen Markt 7 stehen frei und sind entsprechend beliebt.

Bisher galt dies auch für die ehemals zwei Bänke vor der „Oma Margret“, zumindest tagsüber. Zwar ist dort durch den „Schwan“ bestuhlt, doch die Gaststätte ist erst ab 17 Uhr geöffnet. Das wird sich ändern, sobald „Oma Margret“ öffnet. Dann gibt es schon morgens Frühstück, und die verbliebene Bank an der Ecke zur Kirchengasse wird vermutlich auch nicht mehr genutzt werden.

AdUnit urban-intext3

Burelbach berichtet, dass die Beschwerdeführer befürchten, Jochen Jungs „Oma Margret“ könnte den Freisitz auf die Schunkengasse ausdehnen. Dies sei keinesfalls geplant, sagt der Bürgermeister. Er sei sich sicher, so Burelbach, dass er „die Besorgnis der Altstadtbewohner zerstreuen konnte“. Es habe sich alles in Wohlgefallen aufgelöst, so der Rathauschef.

AdUnit urban-intext4

Jung war eigenen Angaben zufolge klar, dass sich einige an der entfernten Bank stoßen würden. Als das Haus noch von der Tourist-Info genutzt wurde, fand auch er die beiden Sitzgelegenheiten vor dem Haus angemessen. Doch jetzt, wo ihm das Haus gehört und die Nutzung geändert wird, fand er es legitim, die Stadt darum zu bitten, wenigstens eine Bank zu entfernen. „Wir haben übrigens auf dem Marktplatz mit Abstand die kleinste Terrasse“, fügt er hinzu.

Auch ein Abfallbehälter kommt weg

Der jetzige Kompromiss sei für ihn zufriedenstellend, die Stadt habe „professionell“ reagiert. Auch einer der beiden Abfallbehälter am Haus werde noch entfernt. In diesem würden regelmäßig Hundekotbeutel entsorgt. Der Behälter befinde sich vor dem Haus zur Kirchengasse hin und sei beim Frühstücken kein schöner Anblick. Der andere ist immerhin um die Ecke an der Hauswand zur Schunkengasse angebracht. dj