Kinderbetreuung - Die Vorarbeiten für den Neubau der Tagesstätte an der Hirschhorner Straße haben begonnen / Das Großprojekt kostet mehr als drei Millionen Euro Startschuss für die „Drachenbande“

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fran
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Auf dem früheren Gelände der Vitos-Klinik in Heppenheim erledigt ein Bagger erste Erdarbeiten. © Lotz

Heppenheim. Wer zu Wochenbeginn an der Hirschhorner Straße unterhalb der B 3 unterwegs war, dürfte auf dem früheren Gelände der Vitos-Klinik zunehmende Betriebsamkeit festgestellt haben. Gleich an mehreren Stellen sind derzeit Baumaschinen am Werk. Wo einst das Funktionsgebäude der Vitos-Gärtnerei stand, sind heute nur noch Erd- und Geröllhügel zu sehen.

In Heppenheim gibt es immer mehr Kinder

Gebraucht werden neue Kitas im gesamten Stadtgebiet vor allem aufgrund der gesetzlichen Vorschriften, nicht zuletzt aber auch für neue Stadtviertel mit mehreren hundert Einwohnern, die derzeit entstehen (Nordstadt II), in der Vorbereitung (Alte Kaute) oder für die Zukunft geplant sind (früheres Vitos-Gelände). 2010 wurden 870 Kinder in Heppenheimer Kitas betreut, 2021 werden es nach Schätzungen der Stadt wohl 1138 sein. Viele bestehende Einrichtungen werden diesen Ansprüchen nicht mehr gerecht. Folgen sind Sanierungen und Neubauten. rid/fran

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Unmittelbar hinter der Mauer, welche die Hirschhorner Straße vom einstigen Vitos-Gelände trennt, schiebt am Montagnachmittag ein gelber Bagger mit großer Schaufel den Mutterboden beiseite. Rechts und links türmen sich kleine Berge von Erde und Gras. Keine 24 Stunden später ist diese Fläche bereits weiträumig mit Bauzäunen abgesperrt. Der gelbe Bagger steht inmitten der inzwischen freigelegten Fläche. Was bleibt, ist die Frage nach den Hintergründen der Aktivitäten.

Auch ein Wohnheim entsteht

„Am Montag hat hier die Baufeldfreimachung für die neue Kindertagesstätte an der Hirschhorner Straße begonnen“, erklärt Baudezernentin und Erste Stadträtin Christine Bender. Im Klartext heißt das: Eines der kommunalen Großprojekte der nächsten Monate hat dieser Tage Fahrt aufgenommen. Zur Erinnerung: Auf dem Gelände soll neben der Kita „Drachenbande“ auch ein Behinderten-Wohnheim entstehen.

Als zweiter Rettungsweg wird dort zudem eine Stichstraße gebaut. Einen Teilbereich des Geländes wird die Vitos selbst nutzen, wahrscheinlich entstehen dort Appartements. Für die Kindertagesstätte hat die Stadt indes eine Fläche von 1000 Quadratmetern von Vitos gepachtet, die später gekauft werden soll. Allein für den Bau der Einrichtung sind mehr als drei Millionen Euro im städtischen Haushalt eingeplant.

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Seit 44 Jahren liegt für das Gelände ein Bebauungsplan für eine Kita vor. In zwei Stockwerken sollen dort künftig 99 Kinder untergebracht werden, um den erhöhten Bedarf an U 3- und Ü 3-Plätzen zu decken. Trotz des gestiegenen Bedarfs und des vorliegenden Bebauungsplans war und ist das Projekt nicht unumstritten. So monierten unter anderem die Freien Wähler und die WG LIZ in der Stadtverordnetenversammlung die zweigeschossige, kompakte Bauweise, die auch bei einigen Anwohnern für Kritik sorgte.

Kerstin Fuhrmann (Freie Wähler) berichtete vor Jahresfrist von Gesprächen mit Anwohnern, die „von der Dimension geschockt“ gewesen seien. 30 Meter lange und sieben Meter hohe Betonwände vor der Haustür bezeichnete Fuhrmann im Parlamentsausschuss als „sehr beengend“ und „nicht zukunftsorientiert“. Den kompakten Bau verglich sie mit einem „Hasenkasten“.

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Gleichwohl konnten sich die Kritiker mit ihren Argumenten bei der Abstimmung nicht durchsetzen. Letzten Endes sprach sich eine breite Mehrheit für den Neubau aus – aus den verschiedensten Gründen. „Wir sind froh über jeden Kita-Platz“, sagte FDP-Fraktionschef Christopher Hörst. SPD-Mann Jean Bernd Neumann bezeichnete seinerseits die Lage als perfekt, weil sie nah an einem neuen Wohngebiet, der ehemaligen Psychiatrie, liege. Und für die Grüne Liste um ihren Fraktionsvorsitzenden Franz Beiwinkel ist vielmehr das pädagogische Konzept von entscheidender Bedeutung.

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Dieses gilt es, in naher Zukunft zu erarbeiten. Aktuell genießt jedoch die Baumaßnahme Priorität. Und der Zeitplan hierfür ist knapp bemessen: „Im Herbst 2021 soll die Kita fertig sein“, lautet die Vorgabe des Heppenheimer Bürgermeisters Rainer Burelbach. fran