Freizeit - Junge Familie beklagt Mangel an Bolzplätzen in der Kreisstadt / Abhilfe soll es nun im Stadion und in der Gunderslache geben Stadt will Kindern mehr Platz zum Kicken bieten

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fran
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Der Bolzplatz „In den Mahden“ entstand vor einigen Jahren als Ersatz für den Nordstadt-Bolzplatz, wird seinem Zweck aber nur bedingt gerecht. © Sascha Lotz

Heppenheim. Kinder brauchen Bewegung. Auch oder gerade in Corona-Zeiten, wo sie den Kontakt mit Freunden auf ein Minimum begrenzen müssen. Training oder Spiele mit den Jugendteams der Heppenheimer Fußballvereine fallen derzeit logischerweise flach, doch selbst das Kicken mit dem Papa oder den Geschwistern in der Freizeit ist kaum möglich. Denn: Insbesondere in der Kernstadt, aber auch in der Nordstadt sowie in den Neubaugebieten Nordstadt II und Hans-Kohl-Straße fehlt es seit geraumer Zeit schlichtweg an geeigneten Plätzen und Flächen.

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Dieser Missstand hat die Nordstadt-Bewohner Judith und Sebastian Bert, selbst Eltern von drei Kindern, nun dazu veranlasst, sich mit einem offenen Brief an die Heppenheimer Parteien, die Verwaltung und die Zeitung zu wenden. Bereits vor vier Jahren hatte das Ehepaar erstmals die Initiative ergriffen und auf eine Alternative für den stillgelegten Bolzplatz am Eingang der Nordstadt gepocht. Der bei Kindern und Jugendlichen beliebte Platz war vor fünf Jahren geschlossen worden – mit dem Ziel, die Fläche mit Wohnhäusern zu bebauen.

Dies sei bis heute jedoch nicht geschehen, monieren Judith und Sebastian Bert. Zugleich kritisieren sie den damals angelegten „Ersatz-Bolzplatz“ auf einer kleinen Grünfläche in der Straße „In den Mahden“, unweit der Fußgängerunterführung. „Leider war dieser Platz nie ein geeigneter Ersatz für den ehemaligen Bolzplatz“, schreibt die Familie – aus unterschiedlichen Gründen. Zum einen weisen sie auf „die Lage zwischen einem Erdwall und dem Schallschutzwall zu den Bahngleisen“ hin. Aus ihrer Sicht handelt es sich dabei um ein „unübersichtliches Gelände mit nahezu freiem Zugang zu der Bahnstrecke“. Zudem sei das Geläuf nach Regenfällen und im Herbst und Winter nicht zu bespielen – „im Gegensatz zu dem alten Bolzplatz“. Weiter schreibt das Ehepaar: „Mitten auf dem Gelände steht ein großer, schöner Baum. Dieser ist nicht zu verschieben und lässt naturgemäß viele Blätter fallen.“

Ihren Wunsch an Politik und Verwaltung formulieren Judith und Sebastian Bert mit einem Verweis auf die Nachbarstadt Bensheim: Am „Spielplatz Keltenstraße“ (in Richtung Hemsberg) gebe es beispielsweise „einen einfachen Spielplatz mit einem angeschlossenen Bolzplatz von vielleicht 40 mal 15 Metern.“ Für einen vergleichbaren Platz im Norden der Kreisstadt brauche man, so Familie Bert weiter, nicht mehr als „zwei fest montierte Handballtore und ein ebenes, festes Stück Erde“.

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Im Rathaus wurde das Anliegen der Berts unterdessen wohlwollend zur Kenntnis genommen, wie den Ausführungen von Bürgermeister Rainer Burelbach (CDU) zu entnehmen ist. Im Gespräch attestiert er der Familie „ein berechtigtes Interesse“. Weiter sagt er: „Die Kritik ist durchaus berechtigt.“ Der Platz am Bahndamm sei beileibe „kein Superplatz“ und auch „kein klassischer Bolzplatz“, räumt Burelbach ein. Und er weiß auch: „In dieser Hinsicht kann diese Fläche auch nicht ertüchtigt werden.“ Überhaupt gebe es in der Kreisstadt, mit Ausnahme der Sportplätze, zu wenige Flächen zum Kicken, bedauert auch der Rathauschef.

Tatsächlich gibt es im gesamten Stadtgebiet gerade einmal zwei Plätze, die getrost als „Bolzplatz“ bezeichnet werden können. In der Weinheimer Straße und an der Lahrbach, unweit des Sportparks.

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Für Abhilfe soll laut Burelbach ein Multifunktionsplatz im Stadion sorgen – am Standort des früheren Hockeyplatzes. Größere Tore, wie sie Familie Bert vorschweben, sind dort jedoch aktuell nicht eingeplant. Und auch eine weitere Fläche könnte in absehbarer Zukunft von den Nordstadt-Kindern zum Kicken genutzt werden, fügt der Bürgermeister hinzu: „Genau das Gleiche wie im Stadion wollen wir in der Gunderslache machen – südlich des geplanten Kindergarten-Neubaus.“

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Mit diesem Vorschlag könnte sich auch Sebastian Bert anfreunden „Der Standort an sich ist prima, vielleicht kann man aber die Größe der Tore noch einmal überdenken.“

Zugleich berichtet er von einem Gespräch mit dem Bürgermeister, in dem die wesentlichen Punkte bereits persönlich besprochen worden seien. Und Burelbach zeigt sich in puncto Bolzplätze auch weiter kompromiss- und gesprächsbereit. Getreu dem Motto: An der Größe der Tore soll es nicht scheitern.

Bleibt die Frage nach dem alten Bolzplatz-Gelände in der Nordstadt. „Hier ist heute eine Blütenwiese, und das soll auch so bleiben“, sagt Burelbach. Die früheren Bebauungspläne gebe es nicht mehr, da unweit des Geländes in der jüngeren Vergangenheit bereits neuer Wohnraum geschaffen worden sei. „Nämlich dort, wo ursprünglich einmal eine Grundschule geplant war.“ fran