Stadtplanung - Kommune bereitet Umgestaltung des Parks am Landratsamt zu einem „Historischen Steingarten“ vor Sorgen um den Friedensengel

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fran
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Im Lauf dieses Jahres soll auch der Park am Landratsamt umgestaltet werden. Auf allgemeine Kritik stößt bei Parlamentariern allerdings die geplante Umsetzung des Friedensengels, weil dabei das Denkmal beschädigt werden könnte, so die Befürchtung. © Sascha Lotz

Heppenheim. Seit Mitte September trägt der kleine Park an der Ecke Kellereigasse/Graben auch offiziell den Namen „Marianne Cope Garten“ – zu Ehren der aus Heppenheim stammenden heiligen Franziskanerin, die auf der Hawaii-Insel Moloka‘i 35 Jahre lang Leprakranke pflegte. Im Anschluss an die Fertigstellung des Gartens soll im Laufe des Jahres 2021 nun auch der südlich angrenzende Teil des Parks am Landratsamt umgestaltet werden. „Instandsetzung und Neuordnung“ lautet die wörtliche Bezeichnung dieses Vorhabens in einer Beschlussvorlage des Magistrats für die Stadtverordnetenversammlung.

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Am Dienstag setzten sich zunächst die Mitglieder des Bau-, Umwelt- und Stadtentwicklungsausschusses mit dem Antrag auseinander. Und mit großer Mehrheit – einzig Ulrike Janßen von der WG LIZ stimmte gegen die Vorlage – folgten sie dem Antrag, der eine „grundsätzliche Überholung in der Fläche (Wege und Grünanlagen/Beete) und eine Neuordnung der Denkmäler“ vorsieht. Weiterhin ist eine moderne, energieeffiziente Beleuchtung von Mauer und Wegen geplant.

Bei der Umsetzung des Vorhabens ist Eile geboten, wie Bürgermeister Rainer Burelbach (CDU) berichtete. „Aus Fördermitteln stehen für das Vorhaben rund 100 000 Euro zur Verfügung – unter der Bedingung, dass die Maßnahme in 2021 beendet wird“, sagte Burelbach. „Ansonsten“, so der Rathauschef weiter, „fließen die Gelder in eine größere Umbaumaßnahme in Bensheim.“ Dies sollte freilich verhindert werden, waren sich nahezu alle Anwesenden im Kurfürstensaal einig.

Schwerpunkt der Umgestaltung dürfte laut Beschlussvorlage die Neuanordnung der Denkmäler werden – eine erklärende Beschilderung der Standorte inklusive. Insgesamt steht die Neuordnung unter dem Konzepttitel „Historischer Steingarten“.

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Dieses Konzept sieht verschiedene Schwerpunkte vor. Im Nordwesten des Geländes sollen demnach „sehr alte Steindenkmäler“ zusammengetragen werden. „Hier werden auch das Römerpflaster und weitere Einzeldenkmäler vom Feuerbachplatz transloziert und fachgerecht aufgestellt beziehungsweise eingebaut“, teilte Erste Stadträtin und Baudezernentin Christine Bender (SPD) mit.

Themenfeld „Krieg und Frieden“

Weiteres „umfassendes Kapitel“ ist das Themenfeld „Krieg und Frieden“: Alle an der nördlichen Mauer angebrachten Denkmäler sowie das eigentliche Weltkrieg-Ehrenmal sollen nach jeweiliger Restaurierung an ihren angestammten Orten verbleiben, auch die Treppenanlage am Ehrenmal soll grundlegend saniert und verkehrssicher gemacht werden.

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Die Denkmäler zu Gefangenschaft, Zwangsarbeit und Vertreibung sollen künftig einen gemeinsamen Platz im westlichen Teil der Parkanlage, am Rand zum Graben, finden. Eine zentrale Position im neu gestalteten Park soll laut Konzept der Friedensengel einnehmen – im wörtlichen Sinne. „Er wird im zentralen Geländebereich auf der großen Wiese aufgestellt“, heißt es in der Vorlage.

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Die angelegte Wege- und Flächeneinteilung soll derweil erhalten bleiben. „Hier ist aber eine Überarbeitung der Wege sowie eine Erneuerung der Beete-Einfassung vorgesehen“, erklärte Bender im Ausschuss. Die Beete-Einfassung sei aktuell mit Natursteinen angedacht, könne alternativ aber auch in Stahlprofilen ausgeführt werden.

Auf allgemeine Kritik stieß die geplante „Umsetzung“ des Friedensengels, die laut Christine Bender allein rund 8000 Euro kosten würde. „Der Engel hat in der Vergangenheit schon des Öfteren gelitten, da ist äußerste Vorsicht geboten“, erinnerte Jean-Bernd Neumann. Und auch Kerstin Fuhrmann befürchtet eine Beschädigung des Denkmals. Der Tenor lautete deshalb: Warum bleibt der Engel nicht dort, wo er ist?

Christine Bender nahm diese Sorgen zur Kenntnis und versprach: „Das nehmen wir mit in die weiteren Gespräche.“ An der mehrheitlichen Zustimmung änderte die Diskussion um den Engelsstandort nichts – im Beschlussvorschlag wird dieser nämlich gar nicht thematisiert. fran