Forum Kultur - Das Minetti-Quartett brillierte im Kurfürstensaal mit Haydn, Brahms und Berg So gewaltig wie ergreifend

Von 
pam
Lesedauer: 
Vier, die es können: Das Repertoire des Minetti-Quartetts umfasst Kammermusikstücke von der Wiener Klassik bis zur zeitgenössischen Musik. © Lotz

Heppenheim. Eleganz und Leichtigkeit, gepaart mit außerordentlicher Spielfreude: Davon konnten sich die Besucher des jüngsten Kammerkonzerts im Kurfürstensaal überzeugen. Das Minetti-Quartett – bestehend aus den beiden Geigerinnen Maria Ehmer und Anna Knopp sowie Milan Milojicic an der Viola und Leonhard Roczek am Violoncello – hatte sich Werke von Joseph Haydn, Alban Berg und Johannes Brahms vorgenommen.

Nächster Termin

Am Sonntag, 19. Januar 2020, geht es in der Kammermusikreihe von Forum Kultur weiter.

Dann gastiert der Gewinner des Wettbewerbs Banff International String Quartet, das Viano String Quartet aus den USA und Kanada, im Kurfürstensaal Heppenheim. Beginn ist um 17 Uhr. pam

AdUnit urban-intext1

Im elektronischen Kerzenschein der Kronleuchter, vorm Kamin des verschnörkelten Kurfürstensaals, war das Ambiente nachgerade perfekt. Kein Wunder also, dass zahlreiche Romantik- und Klassik-Fans gekommen waren. Schließlich ist dem Quartett ein großer Ruf vorausgeeilt, waren die Akteure doch noch vor Kurzem erfolgreich in den USA auf Tour.

Die vier Akteure sind Gewinner zahlreicher internationaler Kammermusik-Wettbewerbe, haben unter anderem den bedeutenden österreichischen Preis „Gradus ad Parnassum“ erhalten. In Heppenheim gab’s nach getaner Arbeit immerhin edle Tropfen in Geschenkpapier und tosenden Stehapplaus.

Zuvor aber lieferten die Vier ganz großes Kino. Ausgewählt war das Streichquartett „Der Frosch“ von Joseph Haydn, der sich dafür auf dem Landsitz der wohlhabenden ungarischen Familie Esterházy durch das Märchen „Der Froschkönig“ inspiriert fühlte. Die Musiker strichen dabei so beherzt über die Saiten, dass man um deren Reißfestigkeit fürchten musste. Material und Kräfte wurden nicht geschont – der Klang war so gewaltig wie ergreifend.

Ruppig-kraftvoller Höhepunkt

AdUnit urban-intext2

Volle Dynamik zeigte sich auch bei der Darbietung des Streichquartetts in a-Moll von Johannes Brahms. Differenziert und sorgfältig artikuliert regneten die Klänge aufs Publikum herab – getreu dem Motto „frei, aber einsam“, das der Komponist von seinem Geigerfreund Joseph Joachim übernommen hatte.

Im schwelgerischen Tonfall der Themen hatte sich Brahms hier auf Franz Schuberts a-Moll-Quartett bezogen, so etwa im elegischen Duktus des Hauptthemas. Den Minettis gelang diese Darstellung. Mal lyrisch singend, mal motivisch verdichtet schritt die Melodie auf einen ruppig-kraftvollen Höhepunkt zu. Darauf antwortet das Seitenthema mit Pizzicato – wie eine Wienerische Serenadenmusik.

AdUnit urban-intext3

Von Alban Berg, Schüler Schönbergs, wurde noch das Streichquartett Nr. 3 (eine Sonate und ein Rondo) zum Programm beigesteuert. Dem Verlangen nach Zugabe kam das Minetti-Quartett nach knapp zwei Stunden Programm gerne nach. pam