Astrophysik: Yasmin Walter geht in der Reihe "Schöpfung bewahren" auf Theorien zum Urknall ein Reise zu den Anfängen unserer Existenz

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HEPPENHEIM. Astronomen denken in großen Dimensionen. Mächtige Zeitfenster, Entfernungen oder Zahlenkolonnen sind für sie keine Seltenheit. Umso erstaunlicher ist, dass der Ursprung des Universums im Urknall gesehen wird, der aus dem Nichts heraus die Grundlage unserer Galaxien in Sekundenschnelle anschwellen ließ.

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Wie diese Grundlagen naturwissenschaftlich erklärt werden können, verriet die Physikerin Yasmin Walter am Montagabend im Marienhaus.

"Nicht mit Ansätzen konkurrieren"

Walter war auf Einladung des Pfarreienverbundes Heppenheim an die Bergstraße gekommen, um in der Veranstaltungsreihe "Die Schöpfung bewahren" die naturwissenschaftliche Seite der Schöpfungsgeschichte zu beleuchten. "Dabei will ich oder die Naturwissenschaft nicht mit anderen Ansätzen konkurrieren", betonte die Referentin zu Beginn des Vortrags, der aus Krankheitsgründen um zwei Wochen verschoben worden war.

Die Physikerin, deren innerstes Bedürfnis es seit Kindheitstagen war, den Rätseln des Lebens auf die Spur zu kommen, zog am Montag viele interessierte Zuhörer in das Marienhaus. "Keine Angst, ich werde ihnen heute Abend keine einzige Formel zeigen", beruhigte Walter, die sich auf Astrophysik spezialisiert hat.

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Welches Publikum die Frankfurter Physikerin vor sich findet, sei für die Sache als solche relativ wenig bedeutsam. "Wenn man einmal die Materie richtig durchdrungen hat, ist es im Grunde egal, ob man sie einem Vier- oder einem Neunzigjährigen erklärt", sagte Yasmin Walter. Auch wenn ihre Vorträge wissenschaftlichen Anspruch besitzen, bemüht sich die Diplom-Physikerin um Anschaulichkeit. Bei den Theorien zum Ursprung des Universums schien das auch angebracht.

Grenzen der Wissenschaft

Denn Walter konfrontierte das Publikum zwangsläufig mit den Paradoxien und den Grenzen der wissenschaftlichen Erklärungen, die sich mit dem Ursprung der Welt auseinandersetzen. "So erklärt der Urknall zwar, wie das Universum entstanden ist, aber er sagt nichts aus, wie es zu seiner Struktur kam", betonte Walter. Lediglich zeitlich sei der Urknall, bei dem praktisch die Keimzelle für sämtliche Materie im Weltall gelegt wurde, vor 13,7 Milliarden Jahren datierbar.

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Scheint dieses Zeitfenster schon unvorstellbar, so wartete die Naturwissenschaftlerin bei ihrer Erklärung mit weiteren Superlativen auf. Während der Urknall in einem Raum "mit der Ausdehnung Null" entstand, seien darin bereits alle Sterne und Galaxien begründet gewesen. Im Prozess der Inflation dehnte sich das Universum beständig aus, wobei die Entfernung zwischen den Gestirnen zunahm. "Das Ganze geschah in zehn hoch minus 33 Sekunden und setzt sich bis heute fort", verriet Walter dem erstaunten Publikum.

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Hinzu komme, dass der angenommene Urknall nicht nur zeitlich in einem unvorstellbar kleinen Zeitraum ablief, sondern mit zehn hoch 27 Grad auch ungeheuer heiß war. "Dafür fehlen Vergleichsmaßstäbe auf der Erde völlig", betonte Walter. Dennoch versuchten sich die Zuhörer mit Hilfe der Zahlen ein Bild davon zu machen, wo die Ursprünge des Universums liegen.

Ungelöste Fragen

Viele Fragen mussten dabei allerdings ungelöst bleiben. "Auch ich habe nicht auf alle Fragen eine Antwort gefunden, die ich mir gestellt habe, und werde sie vermutlich auch nie finden", erklärte Walter. Je tiefer man in die Materie eindringe, desto mehr Fragen resultierten daraus, die es mathematisch und physikalisch zu lösen gelte.

Machbar sei dies nur dank des unbändigen Dranges nach Antworten, die Menschen nicht erst heute umhertrieben.

Walter verwies darauf, dass seit 30 000 bis 40 000 Jahren Astronomie betrieben werde und sich bereits Urvölker mit ähnlichen Fragen beschäftigten. Die letzte Antwort auf die Frage, wie das Universum seine heutige Struktur bekam und woher das Leben darin stammt, musste Walter schuldig bleiben.

Sie konnte aber Ansatzpunkte für die Diskussion einer spannenden Frage liefern, deren Behandlung aus vielen Blickwinkeln lohnt. Die naturwissenschaftliche Erklärung der Schöpfung bleibt Teil eines komplizierten Puzzles und genießt keinen Bestandsschutz, sondern muss immer wieder hinterfragt werden.

Die Zuhörer im Marienhaus waren dazu am Montag fast ausnahmslos bereit. lev