Ökumene - Theologieprofessor sprach im Haus Dornbusch Plädoyer für eine andere Kirche

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Heppenheim. Das Bekenntnis des Theologieprofessors Ansgar Wucherpfennig war eindeutig: Die Kirche wird noch gebraucht. Doch erst am Ende seines Vortrags im Haus Dornbusch war auch die Frage beantwortet, die ihm der ökumenische Arbeitskreis gestellt hatte: „Wer braucht die Kirche noch?“

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Der Leiter der katholischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt und die Zuhörer, die nach dem Vortrag mit ihm diskutierten, waren sich weitgehend einig: Auch in einer modernen Gesellschaft schaffe die Kirche als Institution einen Freiraum, wie ihn der Staat nicht bieten kann.

Vier Forderungen formuliert

Wucherpfennig formulierte vier Forderungen an den Vatikan und an die deutschen Bischöfe:

dass Frauen nicht von kirchlichen Ämtern ausgeschlossen bleiben;

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dass es auch in der Kirche Gewaltenteilung gibt;

dass das Thema Sexualität neu bewertet wird;

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dass über priesterliche Lebensformen diskutiert wird.

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Wucherpfennig war im vergangenen Jahr in die Schlagzeilen geraten, weil ihm der Vatikan die Genehmigung verweigerte, nach seiner Wiederwahl als Hochschulrektor die nächste Amtszeit anzutreten. Die Bildungskongregation verlangte einen öffentlichen Widerruf bestimmter Positionen zu Homosexualität und zum Frauendiakonat. Erst nach Protesten wurde bekannt, dass ihm der Vatikan das „nihil obstat“ erteilt und er daher Rektor bleiben kann.

Als katholischer Priester sieht Wucherpfennig die Ökumene als den besten Weg, gegen Barrieren in der eigenen Kirche vorzugehen. An der Selbstverständlichkeit, mit denen Pfarrerinnen in der evangelischen Kirche das Abendmahl spenden, könnten sich die Katholiken ein Beispiel nehmen.

Wucherpfennig leitet seine Überzeugungen aus einem tiefen Verständnis des Neuen Testaments ab. So interpretiert er die Rolle, die Maria in den Apostelgeschichten spielt, als die einer versklavten Frau, die Machtverhältnisse allgemein und das Patriarchat im Besonderen in Frage stellt.

In seinem Vortrag ging er ausführlich darauf ein, wie er das Verhältnis von Staat und Kirche sieht. Sein „hinkendes Kooperationsmodell“ leitet er aus dem Evangelium nach Matthäus ab. Die Pharisäer wollten von Jesus wissen, ob sie Steuern zahlen sollen. „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott was, Gott ist“.

Trotz der 300 000 Kirchenaustritte pro Jahr, trotz leerer Kirchen zeigte sich Wucherpfennig optimistisch: „Ich vertraue darauf, dass wir eine Kirche, wie es sie heute noch braucht, näherkommen“. ai