Umwelt: Der Bergsträßer Kreisverband des Bunds für Umwelt- und Naturschutz blickt in einer Ausstellung auf drei Jahrzehnte zurück Naturliebhaber ziehen zwiespältige Bilanz

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HEPPENHEIM. Den Finger in die Wunde zu legen, genügt dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) im Kreis Bergstraße nicht. Der vor 30 Jahren gegründete Kreisverband versteht Umweltschutz als umfassenden Auftrag zugunsten künftiger Generationen. Umweltschäden als offensichtliche Wunden menschlichen Handelns sollen nicht therapiert, sondern deren Ursache ausgeschaltet werden. Inwieweit das in den vergangenen dreißig Jahren gelang, zeigt jetzt eine Ausstellung in der Hauptstelle der Sparkasse Starkenburg in Heppenheim, die am Montagabend eröffnet wurde.

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Kreisverbandsvorsitzender Georg Niedermayer machte deutlich, wo er die Stärken des BUND als Verband sieht. "Wir betreiben nicht nur praktischen Umweltschutz, sondern verstehen uns als politische Organisation." Daher sei die Zusammenarbeit mit Politikern unerlässlich. Nur so ließe sich Umweltzerstörung und -belastung in Deutschland dauerhaft reduzieren. "Ohne die Zusammenarbeit mit politischen Mandatsträgern bleibt Umweltschutz nur Schadensbegrenzung", sagte Niedermayer.

Erinnerung an die Gründerzeit

Als im Jahr 1979 der Bergsträßer Kreisverband des BUND entstand, empfanden die Aktivisten der ersten Stunde den Umweltschutz an der Bergstraße alles andere als ideal. Mit dieser Ausgangsbasis hätten sich die Engagierten im Raum Bergstraße zusammengeschlossen, um auf die Anliegen des Naturschutzes aufmerksam zu machen, so Niedermayer.

Die Bilanz der vergangenen drei Jahrzehnte betrachten die Mitglieder des Kreisverbandes Bergstraße in ihrer Jubiläumsausstellung als "durchwachsen". Vielfach sehen sich die Umweltaktivisten als frühzeitige Mahner, deren Warnungen - zum Beispiel vor dem "Müllinfarkt" - als "Utopie" oder "Spinnerei" abgetan wurden. "Der Klimawandel ist im vollen Gange, Schutzflächen wurden abgeschafft und der Wald im Ried schwindet", lautet die ernüchternde Bilanz für den Kreis Bergstraße. Doch Anregungen, die im Dialog mit den politischen Mandatsträgern verhallten, sind nur ein Ergebnis von 30 Jahren BUND im Kreis Bergstraße.

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"Es gibt Mülltrennung, neue Naturschutzgebiete, Solar- und Windkraftanlagen und nicht zuletzt auch 2000 BUND-Mitglieder", resümieren die Umweltschützer zu ihrem 30. Geburtstag stolz. "Von Groß-Rohrheim bis Hirschhorn" zeige sich die starke Präsenz im Kreis. Für ihr Anliegen gingen die Mitglieder auf die Straße und in die Gemeinderäte. Schwerpunkte der Arbeit ließen sich aufgrund der vielfältigen Aufgabenstellung nur schwer ausmachen.

Einige Themen erwiesen sich in den vergangenen drei Jahrzehnten aber als "Dauerbrenner". So taucht in der Ausstellung, die bis zum 20. März in der Hauptstelle der Sparkasse Starkenburg in Heppenheim zu sehen ist, unter anderem das Atomkraftwerk in Biblis auf, gegen das der BUND mit anderen mobil machte. Heiße Eisen aus Sicht der Naturschützer sind auch einige Ortsumgehungen und das wünschenswerte Zurückdrängen der wirtschaftlichen Nutzung von besonders schützenswerten Flächen.

Faszination für die Natur

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"Unsere Faszination für die Natur und die Tiere, zum Beispiel die Bewunderung für eine schöne Orchidee, teilen wir mit vielen Menschen", erklärte der stellvertretende Kreisvorsitzende Guido Carl bei der Eröffnung der Jubiläumsausstellung. So verstehen sich im Kreis Bergstraße viele an der Seite des BUND als "Naturliebhaber". Dass der Kampf der Naturlobbyisten nicht immer reibungslos verlief, hob Niedermayer ebenfalls hervor. "Natürlich gab es Streit bei einzelnen Fragen", sagte der BUND-Kreisvorsitzende. Dennoch sei es für ihn als Grundschullehrer wichtig, den Kindern eine lebenswerte intakte Natur- und Tierwelt zu übergeben, mit der sie einmal ebenso mündig umgehen sollen wie die Umweltschützer heute. Als Zukunftsprojekte nannte der BUND Bergstraße unter anderem die Installation einer "Bürger-Solaranlage", die Gründung neuer Umweltgruppen für Kinder und die Energieversorgung des Kreises aus alternativen Energiequellen. lev