Naturschutz - Den Amphibien in der Region fehlt in den Laichtümpeln das Wasser / Bei Sonderbach hat eine Familie mit einer einfachen Aktion für Abhilfe gesorgt Mit einem Eimer Wasser im Einsatz für den Frosch

Von 
dj
Lesedauer: 
Am Kreiswaldweg in Sonderbach laden zwei Eimer Spaziergänger dazu ein, den Kaulquappen im Tümpel Wasser aus dem nahe gelegenen Bach zu bringen. © Jährling/Nabu Heppenheim

Sonderbach. Am Kreiswaldweg bei Sonderbach hat der Vorsitzende des Naturschutzbundes Heppenheim eine tolle Entdeckung gemacht: „An einem Laichtümpel von Amphibien, der sicher bald austrocknet, haben Naturfreunde zwei kleine Eimer aufgehängt, mit denen vorbeikommende Wanderer den Kaulquappen Wasser aus dem nahen Bach geben können“, berichtet Günther Hagemeister. Der Naturschützer ist begeistert und findet die Idee nachahmenswert.

Die Krötenretter vom Naturschutz bund Heppenheim verfolgen zwei ...

Die Krötenretter vom Naturschutz bund Heppenheim verfolgen zwei Konzepte: erstens die Rettung der Tiere an ihren Wanderstrecken zu den Laichhabitaten, zweitens die Sicherung vom Austrocknen bedrohter Vermehrungshabitate.
AdUnit urban-intext1

„Vielleicht finden sich auch anderswo Helfer für die vom Klimawandel bedrohten und durch die Trockenheit extrem gefährdeten Amphibien“, hofft Hagemeister. Geht man in Sonderbach auf dem Kreiswaldweg am Holzplatz vorbei in den Wald und biegt dann den ersten Wanderweg rechts ab, kommt man links des Weges zu dem seichten Gewässer, während rechts in einem schmalen Bachbett ein Zulauf zum Sonderbach plätschert.

Einfach zum nahen Sonderbach

Für Spaziergänger ist es also ein Leichtes, mit den Plastikeimern Wasser aus dem Bach hinüberzutragen, um den Tümpel vor dem Austrocknen zu bewahren. Günther Hagemeister hat die Aktion mit Fotos dokumentiert und diese an den Nabu-Vorstand versandt, verbunden mit der Vermutung, Kinder könnten dahinterstecken. Mehr darüber weiß Silvia Fusch, beim Nabu Expertin für Krötenrettung.

„Familie Langer hatte diese super Idee, die ich so bei uns in der Gegend noch nicht gesehen habe. Das ist eine sehr schöne Geste“, erklärt sie. Gudrun Langer, ihr Mann Wolfgang und Tochter Laura gehen öfter auf dem Waldweg mit Labrador Sammy spazieren. „Schon vor einigen Jahren ist uns aufgefallen, dass der Tümpel austrocknet“, sagt Gudrun Langer. Die Eimer hängt sie deshalb schon seit drei Jahren regelmäßig auf.

AdUnit urban-intext2

„Erst haben wir beim Gassigehen einen mitgenommen. Dann kam uns die Idee, einfach mehrere Eimer an dem Tümpel aufzuhängen, damit auch andere Spaziergänger Wasser nachfüllen können“, so Gudrun Langer weiter. Wenn sie beim Spaziergang das Gewässer erreicht, wird die Familie mittlerweile im Team tätig: „Dann bilden wird eine Dreierkette vom Bach zum Tümpel.“

Und das zeigt Wirkung: Silvia Fusch vom Nabu hat bereits den ersten Grasfroschlaich – rund-transparente Ansammlungen mit kleinen schwarzen Pünktchen – entdeckt. „Das Wasserauffüllen lohnt sich also“, freut sie sich. Nach einem Zeitungsbericht hatte Familie Langer Kontakt mit Silvia Fusch aufgenommen und hilft seitdem auch an anderen Stellen beim Krötenretten, beispielsweise in Mittershausen und Wald-Erlenbach.

Immer mehr Tümpel verschwinden

AdUnit urban-intext3

Dennoch machen sich die Naturschützer Sorgen: Schon im vergangenen Jahr äußerte Günther Hagemeister die Befürchtung, Molche, Kröten und Frösche könnten aus der Region verschwinden, weil ihre Tümpel aufgrund früher und langer Trockenperioden schon zur Laichzeit auszutrocknen drohen. Beobachtet wurde dies etwa am Hermann-Löns-Weg in Richtung Freilichtbühne, wo sich eine Quelle in einen Tümpel ergießt und es ein größeres Vorkommen an Feuersalamandern gibt.

AdUnit urban-intext4

„Gerade die bedrohten Arten, die für die Vermehrung auf kleine, flache Gewässer angewiesen sind, leiden als Klimaverlierer ganz besonders“, bedauert Hagemeister. Es zeige sich immer mehr, dass die Amphibienreproduktionen aufgrund des Klimawandels und der damit verbundenen Frühjahrstrockenheit fast nur noch in permanent wasserführenden Teichen und Tümpeln stattfinde.

Diese Konzentration auf wenige Gewässer berge große Gefahren: So könnten durch Krankheit und Schadstoffeintrag ganze Populationen verloren gehen. Um die traditionellen Amphibiengewässer zu erhalten, soll den Tieren durch Ausbaggern und Abdichten der Tümpel oder auch durch das Einbringen von Stahlwannen ein Überleben in der Fläche ermöglicht werden. dj