Infrastruktur - In der Nordstadt regt sich Widerstand gegen die von der Verwaltung geplante Streckenführung / Anwohner befürchten Kollisionen Kritik an geplantem Radschnellweg

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Die Vorzugsvariante der Verwaltung verläuft durch die Nordstadt: Bei den Anwohnern stößt der Plan für einen Radschnellweg entlang der Straße In den Mahden (Foto) und Kalkasterweg auf Widerstand. © Jürgen Reinhardt

Heppenheim. Und hier sollen Radler zügig vorankommen, wie es ein Radschnellweg ja schon dem Namen nach verspricht? Eine kleine, enge Nebenstraße ohne Bürgersteig, beidseitig und eng von Ein- bis Zweifamilienhäusern gesäumt, im nördlichen Teil auch von Mehrfamilienhäusern mit Tiefgaragen. Die während des gesamten Tages von Pkw wie Lkw angesteuert, die als Schulweg von vielen Kindern und Jugendlichen genutzt wird. Auf der die Kleinen sich gerne zum Spielen treffen, die aber auch für die Großen eine wichtige und gern genutzte Verbindung zum nächsten Einkaufsmarkt, zum Bahnhof, in die Innenstadt ist. Kurzum: In Nordstadt I und II regt sich Widerstand gegen Pläne für einen Radschnellweg entlang der Straßen In den Mahden und Kalkasterweg.

Wenig Begeisterung

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„Wir wohnen direkt an der geplanten Strecke in der Nordstadt II. Hier ist immer was los – viele junge Familien, ältere und jüngere Kinder, ältere Menschen, Jogger, Spaziergänger und Hunde sind unterwegs. Sollten hier künftig Radfahrer mit großer Geschwindigkeit entlang sausen, würde dies für all diese Bürger, und vor allem für die hier lebenden Kinder, eine Gefahr darstellen und sie einschränken.“ Bedenken, die Malte Sohns (32) formuliert, der mit Ehefrau Melanie (31) und der eineinhalbjährigen Mailin vor einigen Monaten erst sein Haus am Kalkasterweg bezogen hat. Aber auch andere junge Familien nahe der geplanten Radschnellverbindung sowie viele ältere Anwohner sind wenig begeistert und wollen sich zusammenschließen, um diese – aus ihrer Sicht unsinnige – Streckenführung zu verhindern.

Die Kritik bezieht sich auf einen Radschnellweg, der von Darmstadt nach Heidelberg und Mannheim führen soll, womit die Verbindung Frankfurt-Darmstadt in Richtung Süden verlängert würde. Der Schnellweg, so die Hoffnung, wird den einen oder anderen Pendler zum Umstieg aufs Fahrrad veranlassen. Für die Strecke sind mehrere Varianten geprüft worden, die Vorzugsvariante bei Heppenheim sieht vor, die Radler von Laudenbach kommend über Erbachwiesenweg, Stadion- und Kaltererstraße, In den Mahden und Kalkasterweg über die Gunderslachstraße weiter in Richtung Bensheim zu leiten.

Peter Zacher, promovierter Ingenieur, der zusammen mit einem Dutzend Anwohnern den harten Kern einer im Entstehen begriffenen Initiative bildet, hat in einer E-Mail an die Planer Argumente genannt, die aus Sicht der Kritiker klar gegen die „Vorzugsvariante“ sprächen. So sei beispielsweise in einer Straße wie In den Mahden mit nicht mehr als fünf Metern Breite der für Radschnellverbindungen geltende Standard schlicht nicht umsetzbar – idealerweise drei Meter in eine Richtung beziehungsweise vier Meter in beide Richtungen, dazu getrennte Wege für Fußgänger, damit auch hohe Fahrgeschwindigkeiten möglich sind.

Bedenkliche Prognose

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Für bedenklich halten die Anwohner auch Prognosen, die von 1800 Rädern pro Tag ausgehen, was nach Zachers Berechnung während der hellen Tageszeit auf eine Frequenz von einem Fahrrad alle 20 Sekunden hinausliefe. Das dann mit mehr als 20 Stundenkilometern und einem Systemgewicht von bis zu mehr als 100 Kilogramm unterwegs wäre.

Großen Wert legen die Anwohner bei aller Kritik darauf, dass sie auf keinen Fall generell gegen Radschnellwege sind. Die meisten fahren selbst Rad, gerne auch mal schnell. Aber wenn, dann dort, wo es vertretbar ist. Sie plädieren deshalb alternativ für die Nutzung einer weiter westlich gelegenen Trasse, die bereits jetzt intensiv von pendelnden Radlern genutzt wird, aber nicht durch ein dicht besiedeltes Wohngebiet führt: der Weg durch die Tongruben, den man ab der Kalterer Straße bequem über bereits vorhandene Radwege entlang der Bürgermeister-Kunz-Straße erreicht. Oder entlang der B3, wo es bereits einen Radweg gibt.

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Aus dem fürs Genehmigungsverfahren zuständigen Landratsamt heißt es, dass es bislang lediglich um eine „Berechnung des theoretischen Radfahrerpotenzials“, eine „grobe Kostenbetrachtung sowie grobe Bestandsaufnahme vor Ort“ gegangen sei. Die Pläne sollen ab Mai in städtischen Gremien diskutiert werden, eine offene Bürgerbeteiligung folge. Zudem versichert die Verwaltung, man verfolge keine Planung, die Kinder gefährde. Gleichwohl befürchten die Anwohner, dass bereits eine Vorentscheidung gefallen ist. Und wollen sich jetzt erst mal an die Stadtverordneten wenden, um Einfluss auf das weitere Vorgehen zu nehmen. jr