Baugebiete - Heppenheims jüngster Stadtteil nimmt in flottem Tempo Kontur an / Auch das letzte städtische Grundstück ist inzwischen verkauft Immer weniger Lücken in der Nordstadt II

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Die Heppenheimer Nordstadt II wächst und wächst. Inzwischen wurde auch das letzte von 57 städtischen Grundstücken veräußert. Auf der Westseite (im Foto oben rechts) steht der Bau von 27 Reihenhäusern unmittelbar bevor. © Reinhardt

Heppenheim. Der Blick aus den Weinbergen macht deutlich, dass Heppenheims jüngster Stadtteil in einem Tempo wächst, das man angesichts der jahrzehntelangen Vorlaufzeit so eher nicht erwarten konnte. Zwar sind immer noch Lücken in Heppenheims Nordstadt II zu erkennen, vor allem im Innenbereich der 12,6 Hektar großen Fläche zwischen Bahnlinie und B 3. Aber an einigen Stellen sind bereits Straßenzüge mit beidseitiger, (fast) kompletter Bebauung gut zu erkennen: am Kalkasterweg beispielsweise oder am Konradeweg, am Muskatellerweg oder am Lembergerweg.

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Aber auch entlang der Hauptstrecken Blütenstraße und Rebenstraße mit ihren anderen Nebenstraßen – Merlotweg, Dornfelderweg, Kernweg, Chardonnayweg – stehen schon viele Reihen-, Ein- und Zweifamilienhäuser.

Besonders ins Auge fallen natürlich die LIG-Bau-Projekte am Kalkaster- und dem Salbeiweg: Auf zwei benachbarten Arealen von 2918 beziehungsweise 2343 Quadratmetern stehen sieben Mehrfamilienhäuser mit 56 Zwei- bis Dreizimmerwohnungen, die an einen Investor verkauft sind, der diese Wohnungen zur Miete anbieten wird. Hier wird bereits an den Außenanlagen gearbeitet, die Wohnungen dürften schon bald bezogen werden.

Viele junge Familien mit Kindern

In unmittelbarer Nachbarschaft, ebenfalls am Salbeiweg, entsteht das zweite Großprojekt: Die 1955 gegründete Weisenburger Gruppe will hier 27 Reihenhäuser hochziehen, die sich auf der Westseite des Weges um die LIG-Bauten herumgruppieren. Die Häuser mit Flachdach, kleinem Vorgarten, Terrasse und Dachterrasse bieten in fünf Zimmern um 135 Quadratmeter Wohnfläche und waren für rund 500 000 Euro zu haben.

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Waren zu haben: Nach Angaben von Andrea Metzger, die das Projekt von Stuttgart aus betreut, sind alle Häuser verkauft – „vor allem an junge Familien mit Kindern“, und die kämen aus dem gesamten Rhein-Main-Neckar-Gebiet. In den nächsten Wochen soll mit dem Bau begonnen werden, einziehen können die Besitzer im Herbst 2022.

Dem Ende neigt sich auch ein anderes „Projekt“ zu: „Das letzte städtische Grundstück ist verkauft“, so Bürgermeister Rainer Burelbach (CDU), und wird, an der Lärmschutzwand gelegen, bebaut. 57 eigene Grundstücke hatte die Stadt vor zweieinhalb Jahren im Angebot, als sie im Juni 2018 zu einer Verlosung in den Kurfürstensaal eingeladen hatte. Etwa 500 Interessenten bewarben sich, und 63 von ihnen durften nach Auswertung eines Fragebogens an der Verlosung teilnehmen, bei der die damalige Weinprinzessin Charlotte Freiberger die Glücksfee spielte.

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Dass die Glücklichen sich in der Reihenfolge ihrer Ziehung ihre bevorzugten Areale ausdeuten konnten, hatte zur Folge, dass gegen Ende das eine oder andere als weniger attraktiv empfundene Grundstück zum Zug kam. Was, neben anderen Gründen, dazu führte, dass in der Zeit danach viele wieder absprangen, die vielleicht an anderer Stelle – über private Anbieter – ihnen genehmere Bauplätze erwerben konnten. Sicher aber nicht zu den günstigen Konditionen, die die Stadt zu bieten hatte: 392 Euro pro Quadratmeter berechnete die Stadt in der Nordstadt II, womit für die Grundstücke zwischen 90 000 und 200 000 Euro je nach Größe zu veranschlagen waren. Ein „Freundschaftspreis“ gegenüber den bis zu 600 Euro pro Quadratmeter, die man, wie zu hören war, für manche private Flächen hinblättern musste.

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Allerdings wurden bei der Vergabe der städtischen Grundstücke auch soziale Kriterien einbezogen wie die Anzahl der Kinder, das Einkommen oder das Engagement für die Allgemeinheit. Patrick Eck beispielsweise, der mit seiner Frau Eva-Maria vom Bürgermeister und der Ersten Stadträtin Christine Bender (SPD) als erster „Nordstädter II“ im März 2020 in seinem ab Juli 2019 am Lembergerweg gebauten Haus nach altem Brauch symbolisch mit Brot und Salz begrüßt wurde, ist seit mehr als einem Jahrzehnt aktives Mitglied der Heppenheimer Feuerwehr.

Das Neubaugebiet Nordstadt II wurde vom Hanauer Grundstücksentwickler Terramag betreut und weist 12,6 Hektar auf, für den eigentlichen Hausbau 7,72 Hektar. Der Rest wird für die Infrastruktur, Straßen, öffentliche Stellflächen, Spielplatz et cetera benötigt. Insgesamt entsteht hier Wohnraum für etwa 600 Menschen in mehr als 300 Wohneinheiten, in Nachbarschaft zur bestehenden Nordstadt I.

Bevor mit dem Bau der Häuser begonnen werden konnte, mussten im Rahmen der im Sommer 2019 abgeschlossenen Erschließung Kanäle, Trinkwasser- und Gas- sowie Strom- und Breitbandleitungen verlegt werden. Außerdem wurde eine Lärmschutzwand entlang der B 3 errichtet. jr