Heppenheimer Biotope - Im Naturschutzgebiet Tongruben geben sich seltene Tiere ein Stelldichein / Wer sie sehen will, muss allerdings Geduld mitbringen Im Reich des Eisvogels

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jr
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Heppenheim. Man muss schon sehr früh aufstehen – und mucksmäuschenstill sein. Aber selbst dann hält sich die Ausbeute an diesem Morgen in Grenzen: Zwei Schwäne, einige Blessrallen und Stockenten, ein Silberreiher und zwei, drei Zwergtaucher, die als extrem scheu gelten, lassen sich auf und an den Jägerteichen blicken, reagieren aber auf das kleinste Geräusch und sind dann auch schnell wieder weg. Es braucht Geduld, wenn man Tiere in ihrer natürlichen Umgebung beobachten will.

Zur Tierwelt des Naturschutzgebiets Tongruben gehört auch der seltene Eisvogel. © Chalwatzis
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Dass man die Vögel am Südrand des Naturschutzgebietes Tongruben überhaupt beobachten kann, und das bequem und vor Regen geschützt, ist der Beobachtungshütte zu verdanken, die unter anderem mit Mitteln des Naturschutzbundes (Nabu) gebaut wurde und seit dem Sommer 2018 hier für Besucher zur Verfügung steht.

Nabu Heppenheim

Der Nabu Heppenheim, zuständig auch für die Betreuung der Mitglieder in Viernheim, Lorsch und Einhausen, wurde 1932 gegründet – damals noch als Deutscher Bund für Vogelschutz.

Derzeit hat die Vereinigung 920 Mitglieder und ist weiterhin offen für neue Mitstreiter.

Betreut werden insgesamt 21 Hektar, davon 13 Hektar in Eigenbesitz.

Außerdem gehören dem Nabu mehr als drei Hektar Teichfläche.

Bald soll eine weitere, rund 7000 Quadratmeter große Wiese hinzukommen.

Kontakt: per Mail unter info@nabu-heppenheim.de, im Internet unter www.nabu-heppenheim.de. jr

2017 hatte das Regierungspräsidium der Errichtung zugestimmt – nicht zuletzt mit dem Hintergedanken, den Besuch von Naturliebhabern hier wie im gesamten Naturschutzgebiet Tongruben besser zu lenken und Spaziergänger, speziell die Hundebesitzer unter ihnen, aus dem empfindlichen Uferbereich der Teiche herauszuhalten.

Das ist gelungen, wie Doris und Nico Chalwatzis vom Nabu Heppenheim vor Ort feststellen. Sie sind regelmäßig Gäste in der Beobachtungshütte, ausgerüstet mit Ferngläsern und Kameras mit großen Teleobjektiven, um festzuhalten, wie sich die Natur in sowie an den Gewässern entwickelt. Und die hat, wenn man zur richtigen Tageszeit kommt – also eher in der Morgen- oder Abenddämmerung – inzwischen wieder viel zu bieten, im wie auf oder über dem Wasser.

Auch viele Familien als Besucher

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Ein Erlebnis, das nicht nur eingefleischte Naturschützer, sondern auch viele Familien zu schätzen wissen, wie ein Notizbuch zeigt, in das Besucher ihre Beobachtungen eintragen können. Dass die, was Vogelgattung oder Anzahl der beobachteten Tiere angeht, auch schon einmal ein wenig daneben liegen können, macht nichts: Auch so erhalten die Leute vom Nabu Zusatzinformationen, die Aufschluss über den Tierbestand geben.

Neben den oben genannten Tieren können übrigens beispielsweise Ringelnattern, Nutrias, Wasserläufer oder sogar der sehr seltene Eisvogel, von dem es ein Brutpaar gibt, beobachtet werden. Will man Letzteren sehen oder gar fotografieren, ist allerdings ein besonderes Maß an Geduld gefragt: „Zwei Stunden passiert absolut nix, und dann sitzt plötzlich einer vor dir“, so Doris Chalwatzis, die Glück hatte und einen auf einem Pfahl ablichten konnte, der eigens für die Eisvögel, hier auf der Lauer sitzen, im Teich installiert wurde.

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Es ist lange her, dass der Nabu Heppenheim die Jägerteiche mitsamt einer Fläche von 90 000 Quadratmetern erwerben konnte, und 14 Jahre, dass 2006 der östliche Jägerteich vom Förderverein ausgebaggert wurde. Danach waren alle Teiche mit Wasser gefüllt und stellen nun ein Eldorado vor allem für alle an das Wasser gebundene Vögel dar. 250 000 Euro wurden allein hierfür investiert, Geld, das sich aber ganz offensichtlich auszahlt.

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Auch der extrem trockene April konnte den Teichen bisher nichts anhaben, im Gegensatz zum Spätsommer 2019, als das Gewässer in großen Teilen nur noch Schlamm vorzuweisen hatte. jr