Haustier-Haltung - Laudenbacher Hobbyzüchter-Ehepaar ist entsetzt über den Angriff durch einen großen herrenlosen Vierbeiner Hund überlebt schwere Beißattacke

Von 
Hans-Peter Riethmüller
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Heppenheim/Laudenbach. Diese Bilder vergisst die 42-jährige Laudenbacherin nie in ihrem Leben. Der kleine Schäferhund Arek wird immer wieder durch die Luft gewirbelt. Ein großer Hund – ähnlich einem Dobermann und so groß wie eine Dogge – beißt dem Schäferhund immer wieder in Kopf, Brust und Vorderläufe. Alles ist blutüberströmt. „Ich habe gebrüllt, geschlagen und getreten. Doch nichts hat geholfen. Dann habe ich mich über Arek geworfen, um ihn zu schützen. Und quasi aus Reflex habe ich dem anderen Hund einen Kinnhaken gegeben. Darauf haute der glücklicherweise ab“, schildert die Hobbyzüchterin die dramatischen Szenen in der vergangenen Woche (wir haben berichtet).

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Es war gegen 14 Uhr, als es passierte. Die Hobbyzüchterin war mit dem schwarzbraunen Schäferhund, um den sie sich ein Jahr kümmern soll, im Bereich der ehemaligen Umspannstation zwischen Laudenbach und Hemsbach unterwegs. Arek, der angeleint war, spielte und sprang um sie herum. Die Frau bückte sich gerade, weil sie Angst hatte, dass der spielwütige Arek ihr die Leine um die Füße wickeln und sie stolpern würde. Als sie sich wieder aufrichtete, stand plötzlich der große, herrenlose Hund, ein schwarzer Rüde, vor ihr und griff ihren Schützling sofort an.

Schwere Verletzungen

Dreieinhalb Stunden wurde der Schäferhund Arek nach einem Beißunfall in Laudenbach operiert. Es grenzt an ein Wunder, doch dem fünf Monate alten Hund geht es mittlerweile besser. © Tierarztpraxis dr. gräber

Gut fünf bis sechs Minuten dauerten die oben geschilderten Beißattacken an. Es war erst vorbei, als sich die Frau todesmutig über den Schäferhund warf: „Ich hatte mehr Angst um ihn als um mich“, erzählt sie. „Arek hing danach ganz schlapp und blutverschmiert an mir herunter. Ich dachte, er ist tot.“

Die Laudenbacherin sah nur noch zwei Jugendliche in Richtung Hemsbach weglaufen. Ob die etwas mit dem Vorfall zu tun hatten, kann sie nicht sagen. Sie hatte in diesem Moment andere Sorgen. Durch ihr Schreien kam mittlerweile auch ihr Mann herbeigeeilt. Sofort benachrichtigten sie die Tierarztpraxis von Dr. Matthias Gräber in Weinheim und fuhren dorthin. Eine Ärztin und drei Arzthelferinnen übernahmen die Erstversorgung. Für das Laudenbacher Ehepaar ging das Zittern weiter, denn der Schäferhund hatte schwere Wunden an Kopf, Hals und Vorderläufen. Die Computertomografie ergab nichts Gutes: Nasendach-Eindrückung und links ein kaputtes Jochbein. Hinzu kam ein Hämatom (Einblutung) am Hals. Arek wurde in eine Tierklinik gebracht, wo er operiert wurde. „Es stand auf des Messers Schneide“, erinnert sich die Laudenbacherin.

OP dauerte 3,5 Stunden

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Während der Operation wurde festgestellt, dass der Gaumen im Oberkiefer heruntergerissen worden war. „Dreieinhalb Stunden dauerte die Operation. Der Hund erhielt dreimal eine Vollnarkose. Es grenzt an ein Wunder, aber Arek hat überlebt“, sind die Laudenbacher überglücklich. Mittlerweile geht und steht er wieder selbstständig. „Er isst und trinkt und hat im Schnee gestöbert“, erzählen sie und sind beide sehr überrascht über diese schnelle Erholung. Arek hat demnach einen starken Überlebenswillen. Wichtige Voraussetzung sei wohl die gute körperliche Verfassung gewesen.

Ausgaben von über 3500 Euro

Dem jungen Schäferhund geht es glücklicherweise wieder besser. Doch die Laudenbacher Hobbyzüchter lässt das Ganze seither nicht mehr los. Da sind zunächst die Kosten für die Notversorgung über 380 Euro sowie für die Operation von 3100 Euro. „Was für Nachversorgung, Medikamente, Verbandsmittel oder sonstige Untersuchungen noch zu zahlen ist, wissen wir noch gar nicht“, erklärt die 42-Jährige. Mit dem eigentlichen Besitzer des Hundes, für den die Laudenbacher für circa eineinhalb Jahre die Betreuung übernehmen wollten, war man sich einig, die Kosten zu teilen.

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Gemeinsam mit der Tierarztpraxis Dr. Gräber wurde auf Facebook ein Aufruf und eine Spendenaktion gestartet. Zwei Arzthelferinnen und Gräber selbst hätten ebenfalls gespendet. Zuletzt waren schon etwa 3000 Euro zusammengekommen. Für den Aufruf wurde bewusst Facebook ausgewählt. Denn so hätte sich die für den angreifenden Hund verantwortliche Person anonym melden und zumindest die Kosten für den entstandenen Schaden übernehmen können.

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Doch die Hobbyzüchter verfolgen mit ihrer Aktion noch mehr: Sie wollen ein Zeichen setzen. Daher richten sie einen dringenden Appell an alle Hundehalter. „Es geht nicht, dass eure Hunde, die schwierig sind, frei und nicht angeleint herumlaufen. Jetzt war es ein Welpe, der gebissen wurde. Bald ist es ein Kind“, warnen sie vor den Folgen, wenn Hundehalter ihre Vierbeiner nicht im Griff haben.

Und gerade zu Coronazeiten habe man Hunde „wie Sand am Meer bekommen, um die Sperrstunde zu umgehen“, bedauert die 42-Jährige. So kämen Hunde zu Menschen, die damit gar nicht umgehen könnten.

Die Laudenbacherin geht im Gespräch auch auf den immer wiederkehrenden Spruch von Haltern ein, wonach deren Hund nur spielen wolle. „Nein, der Hund will nicht spielen. Das gibt es nicht. Er hat einen Jagdinstinkt, und wenn sich etwas bewegt, rennt er hinterher“, betont sie. Ihr Tipp an Jogger oder andere Personen lautet bei derartigen Situationen, wenn sich ein Hund nähert, wie folgt: „Dem Hund entgegenstellen und sich groß machen.“ Eine Garantie gibt sie für ihre Vorgehensweise aber nicht. Dies sei sehr schwer.

Polizei sucht Zeugen

Die Polizei hat sich mittlerweile in den Vorfall vom Montag vor einer Woche eingeschaltet und sucht Zeugen. Wer sachdienliche Hinweise zu dem Hund beziehungsweise dem Hundehalter geben kann, wird gebeten, sich unter Telefon 06201/71207 beim Polizeiposten in Hemsbach zu melden. Wer sich an der Spendenaktion beteiligen will, kann diese auf Facebook verfolgen. Das ausgegebene Spendenziel liegt bei 5000 Euro.

Die Laudenbacher Familie versichert, dass sie sich nicht bereichern will. Vielmehr sollen die Einnahmen dazu dienen, um die Rechnungen zu bezahlen. „Nehmen wir mehr ein, wird das Geld an den Tierarzt Gräber übergeben. Der kann es an betreffende Einrichtungen oder Tierkliniken weitergeben.“

Info: Kontakt auf Facebook: https://paypal.me/pools/c/8wMA33BH8g