Fünfte Jahreszeit - Narrhallamarsch für die „Fastnacht dehoam“ / Heppenheimer Aktive lassen sich von Corona die Feierlaune nicht verderben Heute Abend beginnt die närrische Online-Gaudi

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rid
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Ohne Jugend geht gar nichts: Simon Stadler (links) ist bei der Heppenheimer Online-Fastnacht der Herr über die Technik, Michael Endres fungiert als Regisseur und Stichwortgeber. © Lotz

Heppenheim. Holger Mitsch hat sich von Kopf bis Fuß in den feinen Zwirn geworfen: Der schwarze Anzug wurde aus dem Schrank gekramt, die vierfarbbunte Narrenkappe auf dem Kopf zurechtgerückt. Eine Flasche Wein steht vor ihm, zu einem Viertel ist sie geleert. Nur etwas ist anders: An den Füßen trägt er Hausschuhe. Denn Fastnacht ist dieses Jahr dehoam. Besser: Die Fastnacht kommt zu den Heppenheimern nach Hause, via Bildschirm. Samt Saalfastnacht, Fastnachtsgottesdienst und – man höre und staune – Umzug. Denn die Heppenheimer Ober-Narren lassen sich von Corona die Feierlaune nicht verderben. Sie haben sich so einiges ausgedacht, damit an diesem Wochenende alle Närrinnen und Narrhallesen auf ihre Rechnung kommen. „Holt raus de Frack und die Kappe, ihr könnt äwwer ach bleiwe in de Schlappe! Corona, des kloane Luder, macht uns all zum Youtuber“, verkünden die Narren.

Der Schirmherr macht’s nochmal

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Und so begab es sich, dass im gut belüfteten Keller von Zugmarschall Norbert Weisers Getränkehandel der Grundstein für ein närrisches Wochenende gelegt wurde. Eine Handvoll Menschen ist es nur, die – abwechselnd und Corona-konform – dort bei der Arbeit ist. Der Hutzelschweizer Bojemoaschder und Sitzungspräsident Holger Mitsch übernimmt in dieser Saison den Job all seiner Kollegen und führt durchs Programm. Michael Endres fungiert als Regisseur und Stichwortgeber. Neben dem Zugmarschall ist auch Schirmherr Hans-Peter Rauen mit von der Partie. Der Chef über Kräppel und Laugengebäck macht‘s 2021 einfach noch einmal, beschirmt diesmal die „Fastnacht dehoam von dehoam“. Dort strahlt am Wochenende hoffentlich durchgängig die Sonne mit den Fassebutze um die Wette.

Idee stammt aus dem Spätsommer

Fotostrecke Fastnachtsumzug in Heppenheim

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Marc Wohlfart
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Ein ganz wichtiger Mann ist auch Simon Stadler. Der 17-Jährige hat beim Streamen von Gottesdiensten und Ähnlichem schon jede Menge Erfahrung gesammelt und ist nun Aufnahmeleiter, Kameramann und Tontechniker in einem. Und dann ist da noch Mara Schubert. Sie ist verantwortlich für die Homepages und die Social-Media-Auftritte. Ohne sie läuft nichts. Sie studiert Bauingenieurwesen, hat die Homepage der IG Heppenheimer Fastnachtsumzug erstellt und die Homepage www.hepprumerfastnacht.de. Hier findet jeder den Link zum Youtube-Kanal, auf dem die einzelnen Events übertragen werden.

Die Idee zur Online-Fastnacht kam Weiser, Rauen, Mitsch und Co. bereits im Spätsommer. Nicht jeder fastnachtstreibende Verein – wie etwa der SV Erbach – habe selbst etwas auf die Beine stellen wollen. Und so hat man sich für ein gemeinsames Projekt entschieden. Einmal traf man sich im September live, der Rest an Organisation lief online. „Es hat riesen Spaß gemacht“, resümiert Weiser.

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Am Samstagabend (13.) steigt die große Saalfastnacht mit Beiträgen aller fastnachtsschaffenden Vereine der Stadt. Reihenweise wurden dafür Video-Kassetten und DVDs der letzten Jahre durchsucht, um Schmankerl herauszusuchen. Etwas ganz Neues kommt beispielsweise von Christopher Frank, auch Norbert und Tochter Cora von der Hutzelschweiz sind ebenso aktuell wie das Grußwort des Zugmarschalls. Mit von der Partie sind: die Hutzelschweizer, die Habafa, die Harmonie, der Frauenbund, der Musikzug Starkenburg, die Wald-Erlenbacher Feuerwehr, der SV Erbach, die Kolpingsfamilie, die Närrische Jugend Kirschhausen, Erscheinung des Herrn und die FG Bottschlorum.

Der Sonntag startet mit dem traditionellen Fastnachtsgottesdienst in St. Peter, der live gestreamt wird. „Dehoam“ können dann alle beim „Heile, heile Gänsje“ ein Tränchen verdrücken – „un mehr stecke koane o“, wie Mitsch es auf den Punkt bringt.

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Am Sonntag kommentiert Michael Endres das Best-of der Heppenheimer Gaudiwürmer. Norbert Weiser und Hans-Peter Rauen nehmen dann Platz auf dem Ledersofa im Wohnzimmer. Wie finanziert sich so ein Umzug, wie er sich in Heppenheim normalerweise durch die Straßen schlängelt? Was macht das Zugkomitee und wie kann man da mitmachen? Diese und viele Fragen mehr werden beantwortet.

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Im Keller wird derweil gedreht. Mitsch redet drauf los, als wär der Saal voller Hutzelschweizer. Dabei sind da nur verschiedene Kameras. Und so moderiert er einen Programmpunkt nach dem anderen an, derweil sich die Flasche Wein zusehends leert. rid

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