Schulen - Erst- bis Sechstklässler kommen seit Montag im Wechselbetrieb in den Genuss von Präsenzunterricht / Regelung wird unterschiedlich umgesetzt „Hauptsache, Schule und Freunde wiedersehen“

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Im Wechselunterricht können Schüler wieder ins Klassenzimmer kommen. © Rumpenhorst/dpa

Heppenheim. Montagmorgen vor einer Heppenheimer Schule. Die Fünft- und Sechstklässler sind wieder an Bord. „Jetzt ist hier wieder Leben“, sagt eine Anwohnerin, „es war wie ausgestorben die letzten zwei Monate.“ Sie steht am Gartenzaun und freut sich.

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Das Bild, das sich ihr bietet, ist ganz unterschiedlich: Die meisten der Schülerinnen und Schüler sind diszipliniert, laufen mit Abstand allein oder zu zweit, viele tragen bereits jetzt schon ihre Masken.

Maske nervt, muss aber sein

Wie sehr stört sie der Mund-Nase-Schutz? „Hauptsache, Schule und Freunde wiedersehen“, ruft ein Junge. „Nervt ganz schön, aber das muss halt sein“, sagt ein Mädchen. An einer Ecke treffen sich zwei Gruppen – die einen grüßen sich cool und coronakonform mit den Füßen, drei Mädels können nicht anders und fallen sich in die Arme. „Ups, vergessen. Ich hab mich aber doch so gefreut“, erklärt eine Schülerin erschrocken über sich selbst und geht sofort wieder auf Abstand.

Es ist wieder Schule für alle Erst- bis Sechstklässler. Im Wechselunterricht geht es los. Die Heppenheimer Schulen wählen dabei ganz unterschiedliche Modelle. An der Schlossschule wurden die einzelnen Klassen halbiert. Gruppe 1 kommt montags und mittwochs in die Schule, Gruppe 2 dienstags und donnerstags. Und Freitag ist nicht etwa frei wie beim berühmten Sams, denn an diesem Tag ist Fördertag für Kinder mit besonderem Förderbedarf. „Hier können wir mit ihnen die Lücken aufholen, die während des Lockdowns entstanden sind“, erklärt Sabine Fischer, die stellvertretende Schulleiterin. Das habe man bereits nach dem ersten Lockdown gemacht, es habe sich bewährt.

„Wir freuen uns alle sehr“

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Überwiegt bei den Lehrern die Freude, oder schwingt auch Angst mit? „Wir freuen uns alle sehr, dass die Kinder wieder da sind“, sagt die stellvertretende Schulleiterin am Montag in der ersten großen Pause. „Ach, ist das schön“, hätten die Kolleginnen einmütig gesagt. Jetzt hoffen alle, „dass es gut geht. Wir tun, was wir können. Und die Kinder machen das mit den Corona-Regeln ganz, ganz toll“, so Sabine Fischer.

An der Heppenheimer Martin-Buber-Schule (MBS) geht die eine Hälfte der Schüler montags und dienstags in die Schule, die andere mittwochs bis freitags – und das wöchentlich im Wechsel. Schulleiter Tobias Diehl erklärt, warum: „Die Schüler waren seit Dezember nicht mehr in der Schule gewesen. Wir wollen sie wieder an eine Regelmäßigkeit gewöhnen, auch einmal Hausaufgaben von einem Tag auf den anderen aufgeben.“ Weil die Hauptschulklasse nur aus wenigen Schülern besteht, fällt für diese das Wechselmodell flach; sie haben ab sofort wieder jeden Tag Schule. Der Schwerpunkt des Unterrichts wird bei allen auf die Hauptfächer gelegt. An der MBS hofft man, dass das Hygienekonzept auch bei der britischen Mutante gut greifen wird. Bislang, so Diehl, hätten die ergriffenen Maßnahmen an der Schule sehr gut funktioniert.

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Für die Schüler, die während der Homeschooling-Tage daheim nicht betreut werden können, gibt es auch weiter eine Notbetreuung, die die FSJ-Kräfte begleiten. Für Diehl ist es nicht nur wichtig, dass nun auch für die Fünft- und Sechstklässler der Schulalltag wieder langsam beginnt. Er hofft auch, dass das „Eltern und Familien Entlastung bringt“. Aber vor allem für die Kinder sei ein Stück Normalität ganz besonders wichtig.

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Für die siebten bis neunten Klassen gibt es derzeit noch keine Perspektive. Diehl hat selbst digitalen Unterricht in einer neunten Klasse geben, als diese erfuhren, dass nur die Fünft- und Sechstklässler wieder in die Schule dürfen. „Ihnen ist die Kinnlade heruntergefallen, als sie hörten, dass für sie auch bis auf Weiteres kein Präsenzunterricht ist“, fühlt er mit den Schülern. Bei diesen bereits über einen so langen Zeitraum nur digital beschulten Heranwachsenden gehe die Anwesenheit täglich gegen 100 Prozent: „Das zeigt, dass die Kinder ein Interesse daran haben, zu lernen und sich auszutauschen.“

Diehl verweist zudem auch auf die Sozialpädagogen der Schule, an die sich Kinder und Jugendliche wenden sollen, bevor psychische Ängste oder Problemstellungen entwickeln. „Wir probieren sie aufzufangen, wo es irgendwie geht“, so der Schulleiter. Auch die Vertrauenslehrer seien stets ansprechbar.

Im Starkenburg-Gymnasium starteten die Schüler am Montag mit A- und B-Wochen. Gleichzeitig muss die Jahrgangsstufe 12 wegen einer Fallkonstellation bis Mittwoch daheim bleiben, heißt es in einem Elternbrief vom Wochenende. Bei aller Freude darüber, dass ihr Kind wieder in die Schule gehen kann, zeige das, „wie fragil und riskant das Ganze doch ist“, sagt eine Mutter nachdenklich. „Spätestens nächste Woche ist die Schule eh wieder dicht“, ist eine andere überzeugt. rid