Gastronomie - Der Lockdown macht Heppenheimer Restaurant-Inhabern zu schaffen / Mit Bestellservice und Staatshilfe versuchen sie, über die Runden zu kommen Gastronomen hoffen auf baldige Öffnung

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dj
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Auch die Heppenheimer Gastronomen warten sehnlichst darauf, möglichst bald wieder öffnen zu können. Zwar bieten viele einen Abhol- und Bestellservice an, um die Zeit zu überbrücken – auf Dauer reicht das aber nicht zum Überleben. © Sascha Lotz

Heppenheim. Fast drei Monate Teil-Lockdown sind es bereits, um die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen. Diese Zeitung hat bei drei Heppenheimer Gastronomiebetrieben nachgefragt, wie es mit dem Liefer- und Abholservice läuft – und hat Erstaunliches erfahren.

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Im Namaste-India in der Starkenburg-Passage, im „Tie-Break“ an der Lahrbach und im „Horn von Afrika“ ist der Tenor derselbe: Alle haben Sie auf Durchhaltemodus geschaltet und erfahren Unterstützung durch die Bevölkerung.

„Wir müssen da einfach durch“

„Ich will nicht rumpinsen, wir müssen da einfach durch“, sagte Sarjiwan Schubert vom Namaste India. „Ich bin wirklich froh, in Deutschland zu leben und vom Staat Unterstützung zu bekommen. In vielen anderen Ländern bekommen sie gar nichts“, ergänzt er. Und das sagt Schubert, obwohl er zu Beginn der Pandemie keine Unterstützung bekommen hat: Statt 30 Prozent Umsatzeinbuße habe er lediglich 24 Prozent gehabt. Also habe es erst einmal keine Unterstützung gegeben. Doch die November- und Dezemberhilfen sollen jetzt laufen. Darum kümmere sich die Steuerberaterin, fügte Schubert hinzu.

Die fehlenden Gäste machten sich vor allem beim Getränkeumsatz bemerkbar. Das macht einiges aus, meinte Schubert. Umsatzeinbußen hat das indische Lokal auch dadurch, dass der zusätzlich beauftragte Lieferdienst 13 Prozent Provision und 59 Cent extra pro Bestellung bekäme. Wenn mit Kreditkarte bestellt würde, kämen noch einmal drei Prozent hinzu. Trotzdem bleibt der Wirt optimistisch. Zumal im März ein Umzug stattfinde. Schon lange war er auf der Suche nach neuen Räumen. Das Namaste India zieht in der Altstadt in das verwaiste Lokal „Mamma Maria“ an der Marktstraße. „Da haben wir dann auch Außenbestuhlung“, zeigte sich Schubert erfreut.

Die Zeit so gut es geht überbrücken

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Auch die Wirtsleute des Vereinslokals „Tie Break“ bedienen sich eines Lieferdienstes und fahren zudem selbst aus. „Wir sind ein Familienbetrieb und versuchen, die Zeit so gut wie möglich zu überbrücken“, sagte Sunny Bajwa. Er hat gemeinsam mit Tejinder Singh Saggu das Vereinslokal des Tennisclubs Blau-Weiß erst im August 2019 übernommen. Wenige Monate später wurden sie mit dem ersten Lockdown konfrontiert. Doch auch sie wollen nicht „rumjammern“. Immerhin bekamen sie Soforthilfe und warten jetzt auf die Auszahlung weiterer Hilfen. Doch langsam werde das Eis schon dünn. „Wir hoffen, dass wir unser Lokal bald wieder aufmachen dürfen“, sagte Bajwa.

Dankbar sind sie vor allem auch für die Unterstützung durch den Tennisclub, dessen Vorsitzender, Christopher Hörst, sich große Sorgen macht. Hörst, der auch Vorsitzender der Heppenheimer Wirtschaftsvereinigung ist, sieht auf Deutschland eine Pleitewelle der Gastronomie und mittelständischer Unternehmen zukommen.

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„Weil wir unsere Pächter unbedingt behalten wollen, haben wir ihnen zunächst einmal die Pacht für das Lokal gestundet – und die Mitglieder bestellen fleißig Essen“, erklärte Hörst. Bei der nächsten Mitgliederversammlung würden weitere Maßnahmen besprochen. Saggu sagte, er hoffe, dass sie bald wieder öffnen können und er wieder als Barkeeper hinter dem Tresen stehen kann.

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Im Moment bleibt ihm wenig anderes übrig, als auf der anderen Seite des Tresens zu warten, bis die Bestellungen zubereitet sind, die er dann ausfährt.

Gestärkt aus der Pandemie gehen

Saggu fügte hinzu, dass es sein größter Wunsch sei, dass die Gastronomie in Heppenheim insgesamt überlebt. „Das sind alles professionelle Wirtsleute. Ich hoffe, dass wir alle stärker aus der Pandemie hervorgehen“, meinte Saggu, der lange Zeit in verschiedenen Heppenheimer Lokalen als Barkeeper gearbeitet hat.

Erste Erfahrungen mit einem Abhol- und Bestellservice macht aktuell das Lokal „Horn von Afrika“, das Feven Asefa und Tekestebrhan Alema im Februar 2018 eröffneten. Während des ersten Lockdowns blieb das Lokal geschlossen.

Auch hier wartet man auf die November- und Dezemberhilfe. Doch während die Wirtin und Köchin der ostafrikanischen Speisen tagsüber ihre drei Kinder im Homeschooling betreut, geht der Wirt weiterhin seinem Beruf als Schlosser nach. „Anders geht es für uns gar nicht, zumal wir viel Geld in unser Lokal investiert haben“, erklärte Alema.

Immerhin sei inzwischen der Abholservice ganz gut angelaufen. Außerdem würden viele Gäste gerne vegane Gerichte bestellen. Doch das Wichtigste sei, dass alle gesund blieben und sich an die Regeln hielten, damit die Pandemie schnell zu Ende ginge. dj