Kommunalwahl - Spitzenkandidatin Kerstin Buchner möchte mit erfahrenen und neuen Mitstreitern weiter frischen Wind in die Kommunalpolitik bringen Freie Wähler wollen „ned schwätze, sondern mache“

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fran
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Heppenheim. Bei der Kommunalwahl am 14. März kämpfen acht Parteien und Wählergemeinschaften um den Einzug in die Heppenheimer Stadtverordnetenversammlung. Insgesamt sind dort 37 Mandate zu vergeben. Die Spitzenkandidaten beantworten in einer Serie die gleichen Fragen. Im sechsten Teil äußert sich Kerstin Buchner, Spitzenkandidatin der Freien Wähler.

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Wie hat sich Heppenheim aus Sicht Ihrer Partei in der vergangenen Wahlperiode verändert?

Als Stadtführerin weiß Kerstin Buchner, wie beliebt Altstadt und Starkenburg bei Touristen sind. Für die Freien Wähler geht sie als Spitzenkandidatin in die Kommunalwahl. © Lotz

Kerstin Buchner: In Heppenheim ist vieles auch durch die Freien Wähler angestoßen worden. Auf unsere Initiative wurden die Straßenausbaubeiträge abgeschafft. Das Angebot an Kitaplätzen wird kontinuierlich ausgebaut. Schon vor fünf Jahren haben wir gefordert, dass die Kitas beitragsfrei sein sollen. Das Metzendorf-Haus wurde saniert, der Bau der Nibelungensporthalle auf den Weg gebracht. Die Sanierung des Amtshofs hat begonnen, wenn auch ohne Gesamtnutzungskonzept. Jetzt, kurz vor der Wahl, wurde die Planung zur Umgestaltung des Parkhofes beauftragt. Wir hoffen, dass hierbei auch die Vorschläge der Freien Wähler berücksichtigt werden. Der Postillion-Brunnen wartet immer noch auf die Sanierung. Das Wohngebiet Nordstadt II nimmt Gestalt an. Hier haben wir durchgesetzt, dass die städtischen Grundstücke nach Sozialkriterien vergeben werden. Die städtischen Finanzen erlauben weiterhin Investitionen.

Wie kann der ÖPNV in der Stadt (wieder) attraktiver werden?

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Buchner: Die Nutzung des Stadtbusses und der Ruftaxis muss kostenfrei für alle sein, den Antrag dazu haben wir schon gestellt. Streckenführung und Taktung müssen überarbeitet und an die Bedürfnisse der Nutzer angepasst werden.

Wie kann dem hohen Verkehrsaufkommen in der Innenstadt entgegengewirkt werden?

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Buchner: Es gibt zwei Schwerpunkte: den Durchgangsverkehr und den parkraumsuchenden Verkehr. Zur Verringerung des Durchgangsverkehrs stehen wir für einen zweiten Autobahnanschluss und eine Anbindung an die K 4229 nach Laudenbach.

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Der Parkraum in der Stadt ist hingegen recht knapp bemessen. Wie könnte dieses Problem aus Sicht Ihrer Partei gelöst werden?

Buchner: Ein dynamisches Parkleitsystem wird schon lange von uns gefordert. Die bestehenden Parkhäuser müssen attraktiv gestaltet werden. Ein Parkhaus in der Siegfriedstraße halten wir für nicht zielführend. Auf unseren Antrag hin wurden Mitfahrerbänke für Hambach und Ober-Laudenbach beschlossen, wir fordern diese für alle Stadtteile. Carsharing ist eine Alternative zum wenig genutzten Auto. Mit E-Bikes werden neuerdings Wege zurückgelegt, für die früher das Auto genutzt wurde. Deshalb muss ein gutes Radverkehrskonzept her.

Wie bewerten Sie die Situation auf dem Immobilienmarkt?

Buchner: Es gibt zu wenig bezahlbaren Wohnraum und viel Leerstand. Hier erwarten wir von der Stadt koordinierende Maßnahmen. Grundstücke sollen von der Stadt erworben werden, die zu bezahlbaren Preisen und nach Sozialkriterien an die Bürger verkauft oder in Erbpacht vergeben werden. Vorrangig vor der Ausweisung neuer Baugebiete ist die Verdichtung in vorhandenen Wohngebieten.

Wo kann der Hebel angesetzt werden, damit die Stadt attraktiver für Touristen wird?

Buchner: Als Stadtführerin höre ich oft, wie attraktiv Altstadt und Starkenburg sind. Sehr wichtig ist uns, dass die Festspiele erhalten bleiben und auch während des Umbaus des Amtshofes ein Alternativprogramm angeboten wird. Kulturangebote und Festivals sollen in jeder Hinsicht unterstützt werden. Mit der Umgestaltung des Parks am Landratsamt und der Ehrenmalanlage hoffen wir, dass auch der Marianne-Cope-Garten würdig gestaltet wird. Wander- und Radwege sind kontinuierlich auszubauen und durchgehend zu beschildern. Dem Radverkehrskonzept des Kreises und dem überregionalen Radschnellweg ist hohe Priorität einzuräumen. Für Wohnmobilisten fordern wir seit Langem ein attraktives Stellplatzangebot für einen Kurzurlaub in Heppenheim. Mit einer Touristenkarte könnten Stadt-, Laternenführungen, Kultur- und Sporteinrichtungen und das Gastronomieangebot zu reduzierten Preisen gebucht und der ÖPNV kostenlos genutzt werden.

Wie könnte der „Schandfleck“ Europaplatz attraktiver gestaltet und künftig genutzt werden?

Buchner: Die riesige, wenig genutzte Fläche ist kein Aushängeschild und im Unterhalt viel zu teuer. Das Siegerkonzept des Ideenwettbewerbs von 2018 sieht eine teilweise Renaturierung mit Themenbereichen, Spiel- und Sitzmöglichkeiten vor. Ergänzt werden sollten Park & Ride und attraktive Wohnmobilstellplätze. Eine Haltestelle ermöglicht, mit dem Bus kostenlos in die Innenstadt zu kommen.

Wie kann die Kreisstadt für junge Familien, aber auch für die älteren Bürgerinnen und Bürger attraktiver werden?

Buchner: Kita-Plätze müssen vorausschauend geplant und zur Verfügung gestellt werden, ebenso wie Betreuungsangebote an den Schulen mit einer einheitlichen Gebührenstruktur und unter einem Träger. In die nachhaltige Pflege der Spielplätze, Parkanlagen, Naherholungsgebiete und den Stadtwald muss weiter investiert werden. Bienenfreundliche Pflanzungen, Blühstreifen, Wildblumenwiesen erfreuen die Bürger und Bienen, Insekten und Vögel. Die „Oase“ hat sich zu einem schönen Treffpunkt mit einem guten Angebot entwickelt. Es fehlt an Bolzplätzen und Treffpunkten für ältere Jugendliche und junge Erwachsene. Ein Grillplatz muss endlich gebaut werden. Das Schwimmbad und die Sportanlagen sollen attraktiv, sauber und auf dem neuesten Stand sein und vor allem in städtischer Hand bleiben. Eine saubere Stadt mit vielfältigen Sitzmöglichkeiten und ohne Angsträume ist uns ein Anliegen. Es müssen Mehrgenerationen-Treffpunkte, zum Beispiel ein Seniorencafé geschaffen werden. Denkbar ist auch ein Leihgroßelternprojekt unter städtischer Initiative. Wir sind überzeugt von Mehrgenerations-Wohnprojekten und fordern die Stadt auf, dafür geeignete Grundstücke zur Verfügung zu stellen und diese mit geeigneten Trägern auf den Weg zu bringen.

Mit welchem Ziel gehen Sie in den Wahlkampf und auch in die Kommunalwahl 2021?

Buchner: Mit erfahrenen und neuen Kandidaten möchten wir mehr Stimmen erringen, weiter frischen Wind in die Kommunalpolitik bringen und Heppenheim voranbringen. Besonders stolz sind wir, dass knapp die Hälfte unserer Kandidaten Frauen sind. Wir haben bewiesen, dass wir „Ned schwätze! Mache!“ und ein ernstzunehmender und verlässlicher Partner sind. Zusammen mit den Heppenheimern wollen wir unsere sachorientierte Arbeit fortsetzen und Heppenheim gemeinsam gestalten. fran

Die Liste

Spitzenkandidatin der Freien Wähler (FWH) ist Kerstin Buchner.

Auf der Liste vertreten sind außerdem: Alfred Münch, Kerstin Fuhrmann, Matthias Jobst, Hubert Vettel, Stefan Hiebel, Edgar Maurer, Andreas Creutz, Eva Buchner, Harald Buchner, Kirsten Marheineke, Hubert Holz, Marika Langner, Ute Vock, Joachim Wagner, Anita Bormuth und Sonja Holz. fran