Corona - Mit Hilfe der Fangemeinde soll die bestehende Flaute überbrückt werden / Unterstützer können Tickets für Geisterkonzerte erwerben oder auf Rückgaben verzichten Forum Kultur hofft auf Solidarität

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Da war die Welt noch in Ordnung: Christoph Hussong (l.) und Martin Fraune (M.) von Forum Kultur mit Harald Steinert von der Sparkassenstiftung bei der Vorstellung des Programms der Spielzeit 2019/20. © Lotz

Heppenheim. Bei der Hauptversammlung 2019, vor nur sechs Monaten, war die Welt für Forum Kultur noch in Ordnung: Rechner Michael Stahl legte mit seinem Kassenbericht eine Erfolgsgeschichte vor, nachdem sich 4100 Besucher – 900 mehr als im Jahr zuvor – die insgesamt 43 kulturellen Termine der fünf Sparten nicht hatten entgehen lassen, was ein sattes Plus von 8500 Euro ergab. Zudem war die Mitgliederzahl von 316 auf 331 gestiegen.

Die Vorbereitungen für die neue Saison laufen bei Forum Kultur ...

Die Vorbereitungen für die neue Saison laufen bei Forum Kultur auf vollen Touren, sagt Christoph Hus song. "Frühzeitig zu resignieren und den Kopf in den Sand zu ste cken, halten wir für falsch. Gerade in einer Zeit, die von Sorgen und
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Ein zuversichtlich stimmendes Fundament für die Saison 2019/20, die in den ersten Monaten auch alle Erwartungen erfüllte. Doch dann kam die Pandemie. Ab 14. März mussten alle Veranstaltungen abgesagt werden, und seit Montag steht fest, dass die letzte noch ausstehende Entscheidung über das Konzert von Henning Sieverts und Symmethree in der Reihe „Jazz is flowering“ am 16. Mai im Kurfürstensaal ebenfalls negativ ausgegangen ist.

Damit ist klar, dass mehr als ein Fünftel der Termine ausfallen – ein Desaster für die Künstler und Musiker und ein erheblicher finanzieller Verlust für die Veranstalter. „Am 13. März haben wir unser letztes Ticket verkauft. Danach ist der Vorverkauf schlagartig weggebrochen“, sagt zweiter Vorsitzender Christoph Hussong, der mit Rolf Freiberger die Sparte Jazz verantwortet und 2017 das Online-Ticketsystem eingeführt hat, dem jetzt eine besondere Rolle zukommt.

Denn das Ticketportal Reservix, mit dem Forum Kultur zusammenarbeitet, hat unter dem Hashtag #seidabei eine Solidaritätskampagne gestartet. Mit drei Aktionen sollen unterschiedliche Zielgruppen angesprochen werden, erklärt Hussong. Forum Kultur Heppenheim hat die Aktion unter dem Hashtag #seidabeiSoliTicket aufgegriffen.

Events existieren nur auf Papier

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„Ihre Fangemeinde leistet mit diesem Ticket einen wertvollen finanziellen Beitrag, ohne eine tatsächliche Gegenleistung zu erhalten“, beschreibt Reservix die Aktion, was bedeutet: Die Events existieren nur auf dem Papier. Dennoch gibt es für Käufer des Soli-Tickets ein Dankeschön, eine eigens für die Kampagne gestaltete Eintrittskarte als Souvenir, die per Post ins Haus kommt.

Beim Ticketportal gelistet sind mittlerweile über 80 Geisterkonzerte, imaginäre Vorstellungen oder virtuelle Fußballspiele, darunter am 1. August auch eine fiktive Veranstaltung von Forum Kultur unter dem Namen „#seidabei in Heppenheim . . . auf dass die Kultur (über)lebe!“. Da die Preisgestaltung den Veranstaltern überlassen ist, haben sich Hussong und seine Mitstreiter für vier Stufen von zehn über 25 und 50 bis 100 Euro entschieden, aus denen jeder Unterstützer nach seinen Möglichkeiten wählen kann – wobei man im Webshop von Reservix gern auch mehrere Tickets erwerben darf.

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„Der Erlös wird insbesondere den durch unsere Absagen betroffenen Künstlern, aber auch – sofern die Einnahmen das hergeben – unserer zukünftigen Arbeit zugutekommen“, erklärt Hussong. Da das Angebot erst seit einigen Tagen auf der Homepage von Forum Kultur beworben wird, kann er die Resonanz noch nicht abschließend beurteilen, freut sich aber mit seinen Vorstandskollegen schon über etliche Neueintritte – auch dies ein Zeichen der Solidarität.

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Den betroffenen Jazzmusikern konnten Christoph Hussong und Rolf Freiberger bereits unter die Arme greifen – dank des Preisgeldes für „Applaus“, das der Sparte im November zuerkannten worden war. Abgestimmt haben sich die Heppenheimer dazu mit der Initiative Musik, die penibel über die zweckgebundene Verwendung der von ihr ausgelobten Mittel wacht.

Eine zweite Möglichkeit, Künstlern und Veranstaltern zu helfen, ist die Aktion #seidabeiSchenkDeinTicket, auf die Forum Kultur ebenfalls hinweist. Dabei können Kartenkäufer auf eine Rückerstattung des Eintrittspreises verzichten. „Am einfachsten haben es dabei potenzielle Spender, die ihr Ticket bei einer Vorverkaufsstelle erworben haben: Sie geben es einfach nicht zurück“, sagt Hussong. Und falls Abonnenten ebenso helfen wollen, können sie der Geschäftsstelle von Forum Kultur ihre Spendenbereitschaft mitteilen. jn