Kommunalwahl - Christopher Hörst, Spitzenkandidat der Heppenheimer Liberalen, wünscht sich eine liebens- und lebenswerte Kreisstadt FDP sieht sich als Ideengeber und Gestalter

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fran
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Heppenheim. Bei der Kommunalwahl am 14. März kämpfen acht Parteien und Wählergemeinschaften um den Einzug in die Heppenheimer Stadtverordnetenversammlung. Insgesamt sind dort 37 Mandate zu vergeben. Die Spitzenkandidaten beantworten in einer Serie die gleichen Fragen der Redaktion. Im dritten Teil äußert sich Christopher Hörst (FDP).

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Wie hat sich die Kreisstadt Heppenheim aus Sicht Ihrer Partei in der vergangenen Legislaturperiode verändert?

Christopher Hörst, Spitzenkandidat der Heppenheimer FDP für die Kommunalwahl. © Lotz

Christopher Hörst: Aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Situation konnte auch Heppenheim enorm von Investitionsbereitschaft und hohem Steueraufkommen profitieren. Viele Entwicklungen wie das Gewerbegebiet Tiergarten-Süd oder das Wohngebiet Nordstadt II haben politisch und planerisch ihren Ursprung viel früher. Konkrete Weiterentwicklungen und Veränderungen hatten immer die Unterstützung fast aller Fraktionen. Es hätte mehr passieren können, was aber leider an der Großen Koalition gescheitert ist: beispielsweise ein umfassendes Stadtentwicklungskonzept, Verkehrs- und Parkraumkonzept, Sauberkeits- und Pflegekonzept, die Einbindung der Starkenburg, die Fortführung der Festspiele und vieles mehr.

Wie kann der ÖPNV in der Stadt (wieder) attraktiver werden?

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Hörst: Ein unkomplizierter, funktionierender und bezahlbarer ÖPNV ist attraktiv. Hier ist das nicht der Fall. Wir müssen uns stärker mit den Auswirkungen des Nahverkehrsplans auf Heppenheim und den Bestellungen bei den Verkehrsverbünden RMV und VRN beschäftigen. Hier wird zu viel über Heppenheim hinweg geplant. Und ja, wir sollten daran denken, einen eigenständigen Stadtbus einzuführen, der mit einer Zwei-Euro-Tageskarte auch alle Ortsteile anfährt.

Wie kann dem hohen Verkehrsaufkommen in der Innenstadt entgegengewirkt werden?

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Hörst: Hohes Verkehrsaufkommen ist dem Umstand geschuldet, dass Heppenheim eine Torfunktion zwischen Rheinebene und Odenwald hat. Viele Menschen sind aufgrund der für ihre Bedürfnisse unpassenden ÖPNV-Angebote auf das Auto angewiesen. Beides ist durch Stadtpolitik nur geringfügig zu beeinflussen. Und Umgehungsstraßen oder Tunnel greifen in die Natur und ganz gehörig in die Steuerkasse ein. Was wir in Heppenheim bewirken können, ist die Einrichtung eines intelligenten Parkleitsystems und eine sinnvolle Anordnung von ausreichend Parkraum. Wenn es uns gelänge, Parkplatz-Suchverkehre zu reduzieren, wäre schon viel erreicht. Individualverkehr zu verhindern oder zu erschweren, bedeutet gegen Lebensrealitäten und -notwendigkeiten zu sein.

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Der Parkraum ist hingegen recht knapp bemessen. Wie könnte dieses Problem gelöst werden?

Hörst: Wir fordern seit Langem ein Parkraumkonzept, welches nicht auf Verknappung von Parkraum, sondern auf sinnvolle Ausnutzung des vorhandenen Parkraums setzt. Wir haben auf ein notwendiges Parkhaus an der Siegfriedstraße gedrungen. Aller Parkraum in Heppenheim sollte miteinander vernetzt sein. Unter Umständen muss über ein Parkhaus auf dem südlichen Parkhof nachgedacht werden.

Wie bewerten Sie die Situation auf dem Heppenheimer Immobilienmarkt?

Hörst: Die Preise sind hoch, weil es in Heppenheim einen Mangel an Wohnraum gibt. Will man diesen Mangel beheben, muss mehr Wohnraum geschaffen werden. Erst durch ein Mehr an Wohnraum werden die Preise sinken. Jedoch kostet derzeit ein Quadratmeter Wohnraum im Schnitt 4500 Euro. Wer also bauen will, muss das Geld dafür haben. Will man bezahlbaren Wohnraum, muss erklärt werden, wer und von was Bauen bezuschusst wird und welche Generation dafür dann in Zukunft geradesteht. Was die Stadt machen kann, ist, auf überflüssige Vorgaben in Bebauungsplänen verzichten und sich um die (Re-)Aktivierung von Brachen und Leerständen bemühen und Mehrfamilienwohnen forcieren.

Wo kann der Hebel angesetzt werden, damit die Stadt attraktiver für Touristen wird?

Hörst: Heppenheim benötigt ein ganzheitliches Tourismuskonzept, um mehr als bisher als historisch bedeutsame, schöne Wein- und Festspielstadt wahrgenommen zu werden. Dazu gehört neben der Förderung der Kulturszene auch die Weiterentwicklung des gastronomischen Angebots und des Tourismus im Bereich des Weinbaus unter Einbeziehung aller Winzer, der Altstadt und den Erholungsräumen Seen, Weinberge, Wälder. Hierzu zählt auch die Einbindung des Amtshofs, der Freilichtbühne und der Starkenburg in ein städtisches Konzept.

Wie könnte der „Schandfleck“ Europaplatz attraktiver gestaltet und künftig genutzt werden?

Hörst: Für den Europaplatz bedarf es eines umfassenden Gestaltungskonzept. Hierzu haben wir Anläufe in den letzten Jahren gemacht, die abgelehnt wurden. Wir fordern für den Europaplatz ein Campus-Gebiet mit Büro- und Laborräumen für kleine und mittlere Unternehmen, mit Wohnmöglichkeiten für rund 400 Menschen, mit Multifunktionsflächen wie Bürger-Freizeit- und Sportplätzen. In der Fläche schlummert ungeheures Potenzial, um zu einem wirklich attraktiven Eingangstor für Heppenheim zu werden.

Wie kann die Kreisstadt für junge Familien, aber auch für die älteren Bürgerinnen und Bürger attraktiver werden?

Hörst: Junge Familien sind durch Arbeit und Erziehung doppelt gefordert. Deshalb gilt es, Homeoffice durch den Ausbau des Breitbandnetzes zu ermöglichen. Die digitale Schule ist dringender denn je, um Familien, aber insbesondere unsere Schüler zu unterstützen. Das Kita- und Schulangebot ist gut, wobei auch hier Optimierungen bei der Zuweisung von Kita-Plätzen notwendig ist. Ebenso sind sichere und ausgebaute Lauf- und Fahrradwege unabdingbar. Insbesondere für Senioren braucht es in der Stadt und den Ortsteilen mehr Sitzmöglichkeiten. Gezielte Angebote und Informationsplattformen für Senioren sollten eingeführt werden, um gesellschaftliche Mitwirkungsmöglichkeiten, Freizeitaktivitäten, Gesundheitsvorsorge etc. zu schaffen. Ein Senioren-Café und ein Mehrgenerationentreffpunkt wären wünschenswert.

Mit welchem Ziel gehen Sie in den Wahlkampf und auch in die Kommunalwahl 2021?

Hörst: Wir sind 43 Heppenheimerinnen und Heppenheimer aus allen Bereichen des Lebens und somit auch 43 Ideengeber und Stadtgestalter. Wir wollen ein liebenswertes und lebenswertes Heppenheim gestalten. Schönes erhalten, neuralgische Punkte verbessern, neue Ideen umsetzen. Dann ist Heppenheim genau richtig: Eine sympathische Kleinstadt, in der man alles findet, in der noch jeder jeden kennt, in der man sich versteht, einander hilft und gerne zusammen ist. fran

Die FDP stellt die längste Liste

Mit 43 Kandidaten stellt die FDP die längste Wahlliste für die Kommunalwahl in Heppenheim. Hinter Christopher Hörst folgen: Susanne Marx, Oliver Wilkening, Markus Wilfer, Karl-Heinz Krauß, Corinna Helfert, Ole Wilkening, Nawid Hariri, Bettina Keßler, Michael Casutt, Heiko Schäfer, Rosemarie Cohausz, Werner Krauß, Jens Becker, Kirsten Köhler, Henner Kaiser, Beatrice Kremmin, Oliver Knapp, Michael Obermair, Katja Klee, Thomas Vettel, Rainer Eg, Justin Bleh, Stefanie Wilkening, Stephan Brömme, Matthias Berndt, Katrin Obermair, Fabian Storzer, Max Möller, Jonathan Noack, Gerhard Molitor, Rosalie Funck, Robert Köhler, Nicole Schreiber-Mansmann, Peter Gobes, Kurt Lerchl, René Vonderheid, Harald Nau, Michael Schumacher, Julia Kneissl, Christian Seider, Till Mansmann und Winifred Hörst. fran