Erziehung - Ein Facharzt gibt in Heppenheimer Kita Arche Noach Tipps, was im Ernstfall zu tun ist Erste Hilfe am Kind: Wie man richtig reagiert

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rid
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Heppenheim. Clari muss viel erdulden an jenem Morgen in der Kita Arche Noach: Jede Mama darf einmal mit der flachen Hand zwischen ihre Schulterblätter schlagen. Zum Glück ist Clari nur die Puppe der fünfjährigen Svea – und damit also hart im Nehmen. Sveas Papa, Christian Poser, ist Facharzt für Innere Medizin und Notfallmedizin. Er gibt den anwesenden Müttern wertvolle Tipps in Sachen Erste Hilfe am Kind.

Christian Poser demonstriert Svea (5) und Annika Horschler einen Erste-Hilfe-Griff. Das Foto wurde vor dem Erlassen der Corona-Schutzmaßnahmen aufgenommen. © Lotz
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Es ist nur ein Themenbaustein des sogenannten „Drop In(klusive)“ in der Kindertagesstätte: ein offener und kostenfreier Treff für alle Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern. Das Angebot, das seit 2017 besteht, ist freilich derzeit aufgrund der Corona-Krise ausgesetzt und findet erst wieder statt, wenn im täglichen Leben wieder Normalität eingezogen ist.

Gute Tipps, die man sich allerdings nicht erst anschauen ...

Gute Tipps, die man sich allerdings nicht erst anschauen sollte, wenn etwas passiert ist, sondern präven tiv, gibt es etwa auf der Internet- Seite www.kindernotfall- bonn.de.

Bis zur deutschlandweiten Schließung der Kindertagesstätten fand das Angebot in der Arche Noach immer donnerstags statt. Zwei Stunden lang konnten sich Eltern mit Kindern informieren und austauschen, gemeinsam spielen, essen und trinken. Ab und an wird der Vormittag unter ein Thema gestellt.

Meryem Vamin ist mit dem zweijährigen Sohn und der Tochter (4,5 Monate) an diesem Vormittag vor Ort. „Es ist eine schöne Abwechslung am Morgen“, freut sie sich über das Angebot. Und auch die Erste-Hilfe-Tipps vom Fachmann findet sie klasse: „Es passiert ständig, dass der Kleine hinfällt. Bisher habe ich eher intuitiv gehandelt. Es ist gut, zu wissen, wie man richtig reagiert.“

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Ioulita Dimakakou ist das erste Mal mit dabei, der Sohn ist zwei und kommt im Sommer in den Kindergarten. Sie freut sich, dass er sich auf diese Weise bereits ein bisschen eingewöhnen kann.

Annika Horschler erinnert sich mit Schrecken zurück, als sich ihr Sohn Jan im Alter von zehn Monaten an einer Birne verschluckte. Eine andere Mama reagierte genau richtig und verhinderte seinerzeit Schlimmeres. Sie hat angeregt, dass die Erste Hilfe rund ums Kind einmal Thema eines „Drop in“-Vormittags wird.

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Wo wende ich mich hin, wenn ich Hilfe brauche? Was tun, wenn mein Kind sich verschluckt? Fragen, auf die Poser Antworten weiß. Die Mütter beherrschen jetzt schon alle den sogenannten Heimlich-Handgriff, der Verschlucktes wieder aus der Speiseröhre des Kindes heraus befördern kann. Immer wieder passiert es auch, dass Kinder Substanzen zu sich nehmen, die nicht zum Verzehr geeignet sind. Gut, wenn man dann die Nummer der Giftnotrufzentrale nicht erst heraussuchen muss, sondern gleich bei der Hand hat. Die Giftnotrufzentrale sitzt übrigens in Mainz und ist unter der Telefonnummer 06131/19240 zu erreichen. Hier können Eltern in Notfällen direkt anrufen.

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85 Prozent der Unfälle, bei denen Kinder zu Schaden kämen, passierten zu Hause, erläuterte Poser. 60 Prozent davon könne man durch Prävention verhindern. Als Beispiel zählte er das Sichern von Steckdosen an, das Absperren von Treppen, das Vermeiden von Kordeln an der Kleidung, an denen sich Kinder strangulieren könnten. Medizin, Putzmittel und Zigaretten sollten für Kinder unzugänglich sein. Kochfelder sichern, auf Lauflernhilfen verzichten. Gartenteiche umzäunen, keine giftigen Pflanzen im Garten, Helm auf beim Radeln und Rollern – die Liste ist lang. rid