Forum Kultur - Im Heppenheimer Kurfürstensaal spielte der finnische Jazz-Pianist Tuomas A. Turunen aus seinem ersten Soloalbum Erinnerungen in Melodien gebannt

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pam
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Der Pianist Tuomas A. Turunen gewährte in Heppenheim Einblicke in seine bisher persönlichsten Stücke. © Jährling

Heppenheim. Man kann es sich bildlich vorstellen, wie der Finne Tuomas A. Turunen durch die Natur seiner Wahlheimat Südfrankreich joggt und hier, fernab des Alltags, erstmals realisiert, dass er vor wenigen Wochen Vater geworden ist. Heute ist der kleine Theodor zwar schon zweieinhalb Jahre alt, doch sein stolzer Papa feiert den Moment der glücklichen Erkenntnis immer und immer wieder mit seinem Stück „Sun-Run“.

Musiker und Programm

Ausgebildet wurde Tuomas A. Turunen in Göteborg unter anderen vom renommierten Anders Jormin.

2010 erhielt er beim Piano Wettbewerb des Montreux Jazz-Festivals den Spezialpreis der Jury.

Im Herbst 2017 zog er sich dann in das berühmte „Arte Suono“-Studio in Udine zurück, um dort mit Toningenieur Stefano Amerio ein Soloalbum aufzunehmen.

Weiter gehts mit „Jazz in Heppenheim“ am 6. November (Mittwoch) mit Felix Ambach im Kurmainzer Amtshof und am 23. November (Samstag) mit Enders Dome feat. Nils Petter Molvaer in der evangelischen Christuskirche.

Wer am Konzertabend Mitglied bei Forum Kultur wird, hat Anspruch auf eine Ermäßigung von zehn Euro auf den Eintrittspreis.

Für Jugendliche bis 16 Jahren und Inhaber der Heppenheim-Karte ist der Eintritt frei. pam

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Grenzerfahrungen weiß der Pianist ganz hervorragend musikalisch zu verarbeiten. Und so besitzen seine Melodien die Kraft, Bilder zu malen und emotional aufgeladenen Momenten immer wieder neues Leben einzuhauchen. Im Rahmen des „Jazz in Heppenheim“ von Forum Kultur gewährte der Finne nun Einblick in sein wohl persönlichstes Album „Ornaments of Time“, das im Kurfürstensaal zum Träumen einlud.

Auf Regen folgt Sonnenschein

Virtuos ließ er seine Finger über den Flügel gleiten, kletterte Tonleitern hinauf und wieder hinunter. In „After the Rain“ ließ der Pianist Sonnenstrahlen durch Wolken brechen und Regentropfen langsam verklingen. Auch eine aktuelle Geschichte war dabei: „Ich hatte eine schlimme Infektion und bin froh, dass ich heute überhaupt vor euch spielen darf. Nach meinem Regen gibt’s also jetzt wieder Sonnenschein“, erklärte der Musiker.

Denn warum sollten nur Sänger Hintergrundinfos zu ihren Liedern geben? Und so erklärte Turunen im Kurfürstensaal, dass er in „Savotta“ die Erinnerungen an seinen Großvater und seinen Onkel verarbeitet hat. Mit seinen romantisch anmutenden Melodien – ein Crossover aus Jazz und Klassik, das selbst in seinen beschwingtesten Ausformungen und rasantesten Läufen immer auch etwas Melancholie in sich trägt – traf er die Zuhörer direkt in die Seele.

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Und auch er selbst schloss am Flügel die Augen, fühlte jeden Ton und jeden Takt. Im aufwühlend nachdenklichen „Held Her Hand And Said Goodbye“ beschreibt Turunen den Tod seiner Großmutter, um kurze Zeit später wieder das Leben zu feiern. „Ich mag das sehr, zwischen den verschiedenen Gefühlswelten hin und her zu hüpfen. Denn so ist das Leben nun mal“, sagte er.

Balsam für die Ohren

Es folgte „The Years“, bei dem man die Zeit der vergangenen Jahre verstreichen spürte. Bei aller Nachdenklichkeit, Trauer und Melancholie war die Musik Balsam für die Ohren. Jazzfans sollte Turunen vor allem aus dem Trio des schwedischen Drummers Emil Brandqvist bekannt sein, mit dem er nicht nur musiziert, sondern auch komponiert und bereits in der Kreisstadt gastierte.

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Für ihr vorletztes Album „Seascapes“ wurde die Combo sogar für den „Echo Jazz“ nominiert und das aktuelle Album „Falling Crystals“ stieg auf Platz sieben der Deutschen Jazz-Charts ein. Mit seinem Solowerk gelang dem 39-Jährigen nun die Selbstentfaltung. Zu seinen Eigenkompositionen kombinierte er geschickt Traditionals – und die atmeten selbst in Heppenheim nordisches Flair. pam