Historisch - Auch wenn es von außen nicht so aussieht: Das wohl älteste Bauernhaus der Bergstraße steht in dem Heppenheimer Stadtteil / Nun soll es saniert werden Eine Kneipe und ein Dorfladen für Hambach sind das Ziel

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olo
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Bis vor wenigen Jahren war das Haus mit der roten Eternit-Verkleidung noch bewohnt. Die Verkleidung soll wegkommen, um das Fachwerk freizulegen. © Oliver Lohmann

Hambach. In Hambach lebt es sich wie in den anderen kleineren Stadtteilen Heppenheims recht angenehm. Doch es mangelt beispielsweise an einer Gaststätte und an einem Geschäft. Beides soll nun wieder realisiert werden, und das noch im gleichen Gebäude: Einem unter Denkmalschutz stehenden Bauernhaus.

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Bernd Koch hat in Hambach sein Ingenieurbüro für Bauwerkserhaltung. Das verwundert nicht, hat er doch ein Faible für alte Gebäude. Und damit ist er nicht allein: Mit dem befreundeten Heppenheimer Ehepaar Judith und Mustafa Karadas teilt Koch seine Leidenschaft. Gemeinsam haben sie sich ein Ziel gesetzt: Das älteste Bauernhaus der Region zu sanieren und es zugleich sinnvoll zu nutzen – als Dorfladen und Kneipe. Der Weg zum Kaufvertrag war schon steinig, der weitere Weg zur geplanten Nutzung wird noch beschwerlicher werden, was die drei Besitzer aber nicht entmutigt.

„Ich habe mich schon lange für das Haus interessiert“, sagt Bernd Koch. Bis vor wenigen Jahren war das Haus mit der roten Eternit-Verkleidung noch bewohnt. Nachdem die Bewohnerin verstarb, bemühte sich der gebürtige Norddeutsche Koch, es zu erwerben, um es zu erhalten. Die Besitzerin hatte das Haus der katholischen Kirche vermacht, die verzichtete, sodass es ins Eigentum des Landes Hessen überging. Es kam zu drei Versteigerungen. Erst dann gelang es Koch und dem Ehepaar Karadas, das Hambacher Bauernhaus zu erwerben. Um das Projekt zu verwirklichen, haben sie eine GbR „Bauernhaus“ gegründet.

Die neuen Eigentümer begannen sofort, die Ärmel hochzukrempeln, denn das alte Haus war voller Gerümpel. „Wir haben acht Lkw-Ladungen Müll und Schutt entsorgt“, berichtet Koch bei einem Vor-Ort-Termin. Kulturhistorisch Wertvolles sei nicht gefunden worden. Einziges schönes Fundstück: ein Gemälde, welches das Haus noch mit seinem Fachwerk zeigt. Es ist in sehr gutem Zustand, farbenprächtig, allerdings undatiert. Auch der Künstler ist zumindest den neuen Eigentümern nicht bekannt.

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Koch führt mehrere neugierige Gäste durch das leer geräumte Haus, darunter Ortsvorsteher Wolfgang Schlapp und Gerhard Wipplinger, der sich mit anderen zusammen für einen Dorfladen in Hambach engagiert. Dabei ist auch der frühere „Rose“-Wirt Josef Mohr, dessen Schwiegervater in diesem Haus geboren wurde. Alle staunen über den guten Zustand der rund 500 Jahre alten Eichenbalken, die das Haus tragen. Und über die niedrigen Decken. „Das ist das älteste Bauernhaus an der Bergstraße, vermutlich aber von ganz Südhessen, es wurde zwischen 1500 und 1550 errichtet“, urteilt Bernd Koch nicht ohne Stolz. Es steht unter Denkmalschutz in verschiedener Hinsicht:

Als Ensemble, aufgrund der Dreiteilung in Wohntrakt, Küche und Stall sowie wegen der Räucherkammer. Man nennt solche Gebäude Wohnstallhäuser. Bis vor rund 120 Jahren wurde es auch so genutzt. Dann aber machten die Eigentümer aus dem Stall einen zweiten Wohnbereich. Klar ist: Das Gebäude kann nicht umgebaut werden, es muss alles mit der Landesdenkmalpflege abgestimmt werden. Die Eternit-Verkleidung kommt natürlich weg, damit das Fachwerk zu sehen ist, die Holzdecken fliegen raus, das Dach wird wieder „biberschwanzrot“ eingedeckt.

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Die neuen Eigentümer stehen nun vor mehreren Problemen: Ist ein Betrieb von uriger Kneipe und Dorfladen hier gleichzeitig möglich? Welches Heizsystem soll zur Anwendung kommen? Wie kann eine Isolierung aussehen, wo doch die Räume ohnehin nicht sehr groß sind?

Mit Glück und Fördergeld

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An Ideen mangelt es nicht: Geht es nach Bernd Koch, bekommt der Dorfladen auf der Westseite eine kleine „Sonnenterrasse“, auf der man einen Kaffee trinken können soll. Für die Kneipe soll es auf der Südseite einen Wintergarten geben. „Die Kneipe könnte donnerstags bis sonntags öffnen. Und werktags könnten wir uns vorstellen, im Obergeschoss zwei Kurzzeitwohnungen zu vermieten“, berichtet Bernd Koch, der schon seit einigen Jahren in Hambach lebt und sich hier wohlfühlt. „Hier war mal das Dorfzentrum Hambachs. Mit etwas Glück wird es das wieder.“

Die neuen Eigentümer hoffen auf Fördergelder, um dem Bauernhaus zu altem Glanz zu verhelfen. Ansonsten müssten sie tief in die eigene Geldbörse greifen. Sie warten nun auf Meinungen der Dorfladen-Freunde und natürlich auf die Vorgaben der Denkmalpfleger. Sobald klar ist, was gemacht werden darf, soll das Bauernhaus schleunigst zu neuem Leben erwachen. olo