Geburtstag - Ehrenstadtrat Ludwig Bergweiler wird am heutigen Mittwoch 90 Jahre alt / Jubilar mit großer Tatkraft / Mit der Entwicklung der Kreisstadt zufrieden Ein Jubilar, der fünf Bürgermeister erlebt hat

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dj
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Engagiert auf vielen Ebenen: Ludwig Bergweiler, Ehrenstadtrat, Ehrenvorsitzender des Aeroclubs und der Sportgemeinschaft, wird heute 90 Jahre alt. © Jährling

Heppenheim. Ludwig Bergweiler, Ehrenstadtrat, Ehrenvorsitzender des Aeroclubs und der Sportgemeinschaft, wird an diesem Mittwoch (3. Februar) 90 Jahre alt. Für die CDU Heppenheim war der Jubilar sieben Legislaturperioden lang zunächst Stadtverordneter und schließlich 25 Jahre Magistratsmitglied.

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Fünf Bürgermeister hat Bergweiler erlebt. Einen besonders hervorheben will er nicht. Wer aber gemeinsam ein Stück des politischen Weges mitgegangen ist, wird seine unverblümte Meinungsäußerung zum Mangel an Impfstoff gegen Covid-19 kaum verwundern. „Die haben sich verzockt“, zeigte sich Bergweiler ganz und gar nicht zufrieden mit der Politik auf Bundesebene. „Mich stört es, dass einige Politiker mehr an ihre Karriere als an ihre Arbeit denken.“

Auf kommunaler Ebene stellt Bergweiler dem aktuellen Heppenheimer Bürgermeister Rainer Burelbach indes ein gutes Zeugnis aus. „Hier im Städtchen ist alles in Butter“, konstatiert Bergweiler und freut sich, dass er den Neubau der Sporthalle am Stadion doch noch erleben darf. Es brauchte immerhin drei Anläufe, bis es endlich so weit war. Schon unter Bürgermeister Hans Kunz hatte eine neue Halle gebaut werden sollen. Es habe sogar schon eine Baugenehmigung gegeben.

Bergweiler ist keiner, der einfach die Hände in den Schoß legt, sondern der aus dem, was ihm das Leben beschert, stets das Beste zu machen versucht. Geboren in Koblenz, hat er den Krieg als Jugendlicher in seiner ganzen Grausamkeit erlebt. Die Schulzeit verbrachte er mehr im Luftschutzkeller als in einem Klassensaal. Seine Eltern verlor er 1942/43. Nach dem Aufenthalt in einem Waisenhaus in Bendorf bei Neuwied kam er in ein Internat eines Kapuzinerklosters und wurde als Polsterer und Tapezierer ausgebildet.

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Über die Kapuzinermönche in Bensheim fand Bergweiler mit 20 Jahren den Weg nach Heppenheim und arbeitete bei Sattler Weis an der Wilhelmstraße zunächst gegen Kost und Logis. Die Sattlerei übernahm er schließlich, kaufte das Haus und ließ sich in Stuttgart innerhalb von vier Monaten zum Raumausstattermeister zertifizieren. Selbst mit 80 ging Bergweiler noch in seine Werkstatt.

Vor drei Jahren flog er das letzte Mal. Nach 48 Jahren als oberster Segelflieger würdigte der Aeroclub das Engagement des Ehrenvorsitzenden mit der Benennung des Flugfeldes in „Ludwig-Bergweiler-Airport“. Denn eines steht fest: Ohne seinen Einsatz für den Segelflugplatz würde dieser wohl nicht mehr existieren. In den 1960er Jahren bestand große Gefahr, dass der Platz durch den Bau der Autobahn A 5 verschwinden würde.

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Heimisch ist Ludwig Bergweiler im Westen Heppenheims in der Nähe des Bruchsees und findet es im Eigenheim zu Pandemiezeiten als Rentner „erträglich“. Gerade, weil er in einem Mischgebiet zwischen den Hochhäusern wohnt, ist er vermutlich um die Menschen besorgt, die aufgrund des Coronavirus in kleinen Wohnungen oder im Seniorenheim ausharren müssen.

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Als Bergweiler seinen 80. Geburtstag feierte, luden Stadt, Aeroclub und Sportgemeinschaft zu seinen Ehren zu einem Empfang ein. Auch der Sportgemeinschaft stand er 27 Jahre vor. Beispielhaft für sein ausdauerndes Engagement steht der Einbau eines Fahrstuhls für gehbehinderte Besucher des Kurmainzer Amtshofs. Helmut Bechtel habe die Angelegenheit schließlich forciert, und unter Bürgermeister Gerhard Herbert sei es zum Einbau gekommen, blickt Bergweiler zurück.

Nach seinem Rückzug aus der aktiven Politik wurde dem Jubilar bei der Wahl zum ersten kommunalen Seniorenbeirat hohe Wertschätzung zuteil. Mit großem Abstand vereinte er die meisten Stimmen auf sich.

Bergweiler engagierte sich außerdem in der Seebergschule Bensheim für Menschen mit geistiger Behinderung. Er ist heute noch im Aufsichtsrat einer Tochtergesellschaft der Wohnbau Bensheim und im Vorstand der Wohnstätte Buchenhof in Kolmbach. Aus den zahlreichen Ehrungen, die dem Jubilar zuteilwurden, ragt das ihm 2002 verliehene Bundesverdienstkreuz heraus.

Seinen 90. Geburtstag will er mit seiner Frau Barbara „auf kleiner Flamme feiern“. Auch drei seiner fünf Kinder werden ihm wohl – im Vorbeigehen an der Haustür – persönlich gratulieren. Eine Tochter, die in Frankreich wohnt, und ein Sohn, der in Berlin beheimatet ist, werden die Glückwünsche telefonisch übermitteln. dj