Entdeckung - Jörg Fritz ist nicht nur Betreiber des Saalbau-Kinos in vierter Generation, sondern auch ein angesehener Mineraloge Ein Heppenheimer entdeckte mit anderen Forschern ein neues Mineral in Mondgestein

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In der Kreisstadt Heppenheim ist Jörg Fritz in erster Linie als Betreiber des Saalbau-Kinos bekannt, das er in der mittlerweile vierten Generation betreibt. Dass er ein angesehener Forscher und Mineraloge ist, wissen dagegen nur wenige. © Sascha Lotz

Heppenheim. Was verbindet die Westsahara, einen Mondmeteoriten, ein neues Mineral und einen Heppenheimer Kinobetreiber? Fragen, auf die man im Gespräch mit dem Heppenheimer Jörg Fritz garantiert eine Antwort bekommt.

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In der Kreisstadt Heppenheim ist Jörg Fritz in erster Linie als Betreiber des Saalbau-Kinos bekannt, das er in der mittlerweile vierten Generation betreibt. Dass er ein angesehener Forscher ist, wissen dagegen nur die wenigsten. Weltweit auf sich aufmerksam gemacht hat Jörg Fritz kürzlich damit, dass er als Leiter einer europäischen Forschergruppe ein neues Mineral im Mondmeteoriten „Oued Awlit is 001“ entdeckt hat: Donwilhelmsite. Benannt wurde es nach dem noch lebenden US-Mondforscher Don E. Wilhelms aus dem Wissenschaftsteam der amerikanischen „Apollo“-Missionen. Das Mineral besteht aus Kalzium-, Aluminium-, Silizium- und Sauerstoffatomen.

Studium in Heidelberg und Kiel

Jörg Fritz hat an den Universitäten in Heidelberg und Kiel Geologie studiert und im Anschluss am Berliner Museum für Naturkunde über 15 Jahre auf dem Gebiet Meteoriten und Einschlagskrater geforscht. Seitdem ist er Gastforscher am Zentrum für Riesenkrater und Impaktforschung Nördlingen.

Insgesamt 360 Mondmeteoriten gibt es weltweit. Einer davon gelangte in die Meteoritensammlung des Naturhistorischen Museums Wien. Jörg Fritz durfte die mineralogische Zusammensetzung des rund 400 Gramm schweren Meteoriten, der im Jahr 2014 in der Westsahara gefunden wurde, unter die Lupe nehmen. Nur etwa fingernagelgroß war das ihm zur Verfügung gestellte Stück des außerirdischen Gesteins. „Ich habe mir den Meteoriten eine Stunde lang durch das Mikroskop angeschaut und gleich gemerkt, da ist etwas Besonderes“, erinnert sich Jörg Fritz.

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Mondmeteoriten werden zum Beispiel durch den Einschlag eines Asteroiden aus dem Mond herausgeschlagen und in den Weltraum geschleudert. Der Einschlag schickte den Meteoriten aber nicht nur auf die Reise zur Erde. Er sorgte auch dafür, dass sich das neue Mineral in seinem Inneren überhaupt bildete – weil das Gestein für kurze Zeit einem immensen Druck ausgesetzt war. Dadurch bildeten sich in dem Material kleine Schmelztaschen. Darin fand Fritz bei der Untersuchung mit dem Mikroskop winzige Nadeln. Kollegen, unter anderem am Museum für Naturkunde Berlin und dem Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam, halfen dann beim Nachweis, dass es sich hierbei tatsächlich um ein eigenes Mineral handelt.

Die Wucht des Meteoriteneinschlags entspricht vermutlich dem Druck und der Temperatur, wie sie sonst nur mindestens 400 Kilometer unter der Erdoberfläche herrschen. Auch dort, tief unter der Erdoberfläche, wird das Donwilhemsite vermutet. In Händen gehalten hat dieses aber noch keiner.

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Umso interessanter ist also die Entdeckung des Minerals im Meteoriten. Er hilft den Wissenschaftlern, den Aufbau der Erde kennenzulernen. „Wenn man den Mond untersucht, kann man die Erde besser verstehen“, erklärt Fritz. Auf dem Mond, so Fritz weiter, gebe es dunkles basaltisches Gestein und helles, feldspatreiches Gestein, das ähnlich der Erdkruste zusammengesetzt sei. Aus Letzterem stammt der Meteorit. Die Forscher schnitten mithilfe moderner Geräte des Geoforschungszentrums Potsdam das Meteoritenstück in so dünne Scheiben, wie sie entstehen, wenn man ein Haar in 50 Scheiben schneidet.

Jede Menge Renommee

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Reichtümer hat Jörg Fritz und seinem Team die Entdeckung des Donwilhelmsite nicht eingebracht – aber jede Menge Renommee. Auch die Labore, Institute und Forschungsanstalten konnten sich präsentieren, was wichtig sei, um Forschungsgelder zu generieren. Neun Wissenschaftler aus unterschiedlichen Ländern haben bei der Erforschung des Minerals Hand in Hand gearbeitet. „Jeder hat eine Spezialfähigkeit, aber nur kombiniert gibt es ein Ganzes“, erklärt Fritz.

Jedes Jahr veröffentlicht Fritz mehrere Artikel über seine Forschungsergebnisse in angesehenen Fachzeitschriften, etwa im „American Mineralogist“. „Es sind anspruchsvolle Arbeiten, die weltweit wahrgenommen werden,“ so der Geologe. Das Echo auf Fritz´ neuste Entdeckung ist immens. Überall in der Welt wurde berichtet. Googelt man Donwilhelmsite, werden ruckzuck über zigtausend Einträge angezeigt.

„Überwältigend“, so Fritz, der schon wieder weiter forscht: Weil der Mond keine Atmosphäre im eigentlichen Sinne hat, kann Mondstaub auf die Erde fallen. Der Heppenheimer erforscht nun gemeinsam mit Wissenschaftlern am CRPG in Nancy und von der Vrije Universiteit Brüssel, ob dieser Staub in ganz niedriger Konzentration in den Sedimenten der Ozeane zu messen ist. rid