Umgangsformen - Die Heppenheimer Eiscafébetreiberin Angela Monteleone hat ein Buch geschrieben und fordert „Mehr Dolce Vita“ auch den Kunden gegenüber „Die Erfolgsformel für Service lautet Herzlichkeit“

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Mit Leidenschaft ist Angela Monteleone Eisverkäuferin. Nicht nur darüber hat sie ein Buch geschrieben. © Lotz

Heppenheim. Es ist kalt in der Eisboutique Monteleone in der Heppenheimer Fußgängerzone. Das Mobiliar ist zusammengestellt. Zwischendrin warten die Olivenbäume, die im Sommer draußen für ein mediterranes Ambiente sorgen, geduldig auf bessere Zeiten. Inmitten des Sammelsuriums sitzt Inhaberin Angela Monteleone (33) gut gelaunt und positiv wie immer. So unwirtlich es im Innern eines Eiscafés in der Winter- und Coronapause auch ist, ist Angela in der Nähe, fühlt man sich gleich willkommen.

Zur Person

Angela Monteleone ist Mutter zweier Söhne und wohnt in Reichelsheim.

Seit ihrem neunten Lebensjahr lebt sie in Deutschland.

Am Abendgymnasium in Heppenheim hat sie ihr Abitur mit 1,4 bestanden.

Als Kind wollte sie immer Journalistin werden.

Sie liebt ihr Eiscafé und was sie tut: „Ich habe viel mit Menschen zu tun, bin neugierig, was sie bewegt. Es geht um viel mehr als um die Kugel auf der Waffel.“ rid

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„Mir fehlen die Menschen“, sagt sie. Neben ihr liegt ein Buch, das sie stolz und zufrieden vorzeigt. Angela Monteleone hat es selbst verfasst. „Mehr Dolce Vita im Service“, heißt es. „Die Menschen waren auch meine größte Motivation beim Schreiben. Ich habe viele Stammgäste. Das gibt dir das Gefühl, du machst etwas richtig, du tust etwas Gutes. Aber das gelingt nur, wenn es von innen kommt.“

Was ist das für ein Buch, das Angela, wie all ihre Gäste sie nennen, geschrieben hat? „Es ist kein Leitfaden mit To-Do-Listen, weil genau das im Gegensatz zum Dolce Vita steht. Aber man kann sich inspirieren lassen.“ Kurz und knapp: Es geht um die Herzlichkeit, darum, dass man sich als Gast, als Kunde wohlfühlt und immer willkommen geheißen. Es geht um Freude und Souveränität. Dass man sich ernst genommen fühlt, egal, wie man gerade drauf ist.

Zu Angela kann man auch mal kommen und zwei Stunden nur an einem Wasser nippen – man wird nicht eine Sekunde zu spüren bekommen, dass man mitten im Hochsommer eigentlich gerade einen Tisch für potenziellere Kunden blockiert. Man fühlt sich, als hätte sie sich schon die ganze Woche nur auf diesen Moment gefreut.

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Im Buch lernt man Angelas Großmutter kennen, die Nonna, für die die Welt zusammenbrechen würde, würde Essen allein der Nahrungsaufnahme dienen. Man amüsiert sich über Anekdoten. Die Illustrierung stammt vom Heppenheimer Johannes Kaiser.

Was Angela Monteleone lebt, das fehlt ihr selbst oft, wenn sie irgendwo bedient wird. Es ist kein Gastrobuch, es gilt genauso für eine Sparkasse, eine Boutique, für jeden Dienstleister. Überall dort sollte man sich immer fragen: „Was braucht der Kunde? Und was braucht er genau jetzt?“ Schließlich fühle man sich eher dort hingezogen, wo man sich wohlfühlt. Gute Produkte und hohe Qualität seien die Grundlage. Dolce Vita im Service sei die Kür.

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„Kein Kunde ist gern ein schlechter Kunde“, heißt ein Kapitel, in dem Monteleone zeigt, dass jeder „ein potenzieller Freund ist, der volle Aufmerksamkeit verdient“. Auch „Amore für den Kunden“ sei wichtig. „Amore heißt zu lieben, wie man auch einen Sohn liebt, der zum tausendsten Mal die Schmutzwäsche unter dem Bett versteckt und sich dann beklagt, dass er nichts zum Anziehen hat.“ Sicher, es gebe auch Kunden, die nervig sind; aber auch die dürfe man nicht gleich in eine Schublade stecken. Man müsse versuchen, sie zu verstehen, sich nicht sofort angegriffen fühlen.

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216 Seiten Dolce Vita – das sind 216 Seiten voller Charme und Ehrlichkeit, gewürzt mit ganz viel Humor und Leichtigkeit. Viele Situationen kennt man. Das Lesen regt zum Nachdenken an. Im Laufe des Februar wird das Buch gedruckt sein und dann auch in der Heppenheimer Eisboutique zu erwerben sein.

Warum Angela Monteleone ein Buch geschrieben hat? „Ich schreibe gerne, von Kindestagen an. Ich habe schon einige Romane begonnen, aber (noch) nicht vollendet.“ Das Schreiben, sagt Angela, sei die wenigste Arbeit gewesen. Grundgerüst und Gliederung waren herausfordernder.

Oft hat sie schon junge Leute als Bedienungen eingestellt: „Wie man die Kugel auf die Waffel bekommt, haben sie alle schnell raus.“ Aber es fehle vielen der Bezug zu den Kunden. Wie kann man Herzlichkeit lernen, fragte sie sich. Man muss es vorleben. „Ich tue das hier mit ganzer Kraft und aus tiefstem Herzen“, sagt Angela. Wichtig sei es aber, das so zu leben und nicht einfach nur so zu tun. „Ich halte das für ein Erfolgskonzept schlechthin, weil alles um uns herum digitaler, kälter und schnelllebiger wird. Es ist wichtig, die Menschen wahrzunehmen mit all ihren Vorzügen und Fehlern.“ rid