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Landwirtschaft - Heppenheimer Betrieb Antes züchtet die Rebsorten der Zukunft / Es geht nicht nur darum, den Einsatz von Spritzmitteln zu reduzieren

Den Wandel im Weinberg vorantreiben

Von 
ai/ü
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Willkommen bei den „Rebsortentagen“: Reinhard Antes führte am Dienstag Winzer aus ganz Deutschland auf die Versuchsflächen westlich der Bundesstraße 3 zwischen Heppenheim und Bensheim. © Sascha Lotz

Heppenheim. Bis 2030 muss der Einsatz von Spritzmitteln in den Weinbergen um die Hälfte reduziert werden. Das schaffen die Winzer nur, wenn sie neue Rebsorten pflanzen. Die Heppenheimer Weinbauingenieure Reinhard und Helmut Antes haben in ihrem Rebveredlungsbetrieb alles im Sortiment, was dazu beiträgt, die Vorgaben der EU zu erfüllen.

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Reinhard Antes führte am Dienstag 50 Winzer aus ganz Deutschland auf die 4,5 Hektar großen Versuchsflächen westlich der Bundesstraße 3 zwischen Heppenheim und Bensheim. 200 Winzer informierten sich im Laufe der Woche über die neuesten Entwicklungen im Weinbau.

Unter den Gästen war Professor Reinhard Töpfer, Direktor des Julius-Kühn-Instituts (JKI). Das Institut züchtet auf dem Geilweilerhof in der Pfalz krankheitsresistente Rebsorten. Was denkt er über das, was in Heppenheim erforscht wird? „Antes gehört zu den Pionieren. Ohne solche Enthusiasten hätten wir weniger Dynamik bei der Entwicklung neuer Sorten“, sagte Töpfer.

Schutz vor Pilzbefall

Zwischen Bensheim und Heppenheim kultiviert Antes 75 Rebsorten und dokumentiert, wie diese mit den verschiedenen Böden, mit Schädlingen und Pilzen zurechtkommen und wie sie sich am besten bearbeiten lassen.

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Antes sagte in seinem Referat, mit Bio- oder Öko-Weinbau könnten die Herausforderungen nicht gemeistert werden. In diesem regenreichen Sommer habe sich gezeigt, dass Biowinzer mehr Spritzmittel einsetzen müssen als die konventionellen Betriebe, um die Weinstöcke vor Pilzbefall zu schützen.

Was kaum bekannt ist: Die kupferhaltigen Spritzmittel im Öko-Weinbau verwandeln im Laufe der Jahre manchen Wingert in eine Altlast, deren Böden im Prinzip als Sondermüll entsorgt werden müssten.

Antes erklärte, dass mit den Sorten der Zukunft nicht nur die EU-Richtlinien erfüllt werden. Weniger Spritz- und Düngemittel bedeuten weniger Ausgaben, die Zahl der Schlepperfahrten wird reduziert, was wiederum Arbeitszeit und Geld spart und dabei hilft, Erosionsschäden zu vermeiden.

Die Neuzüchtungen sind so angelegt, dass sich das – wie Antes es nannte – Erntefenster weiter öffnet. Herkömmliche Trauben dulden keinen Aufschub: Sobald sie sie reif sind, muss gelesen werden. Antes züchtet Reben, deren Lesezeitpunkt variabel ist. Das entzerrt die Betriebsabläufe im Wingert und in der Kelterei.

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Weniger Chemie im Weinbau heißt auch Schutz der Mitarbeiter. Sie sind es, die beim Spritzen stundenlang im Giftnebel stehen. Für deren Gesundheit kann es nicht schaden, wenn sie nur noch zwei- oder dreimal ausrücken müssen.

„Die Zeit drängt“, sagte Antes. Wenn – wie üblich – pro Jahr nur 2,5 Prozent der Rebflächen neu angelegt werden, würden 40 Jahre vergehen, bis der Wandel vollzogen ist. Auch das Verhalten der Verbraucher muss beachtet werden. Der Geschmack verändert sich in immer kürzeren Abständen. Bis vor wenigen Jahren waren tiefrote Rotweine beliebt. Mittlerweile verlangten die Kunden Roséweine mit Blauton. Die Fachleute sprechen von „Provencerosé“.

Führend in der Welt

Professor Töpfer bestätigte, dass Deutschland – was die Weinbauforschung betrifft – seit hundert Jahren als führend in der Welt gilt. Durch den Klimawandel und durch die EU-Auflagen könnte das Pflanzgut knapp werden, wenn in einer Art Torschlusspanik viele Winzer gleichzeitig umstellen wollen. Was bei Antes in Heppenheim wächst, wird nicht nur in die klassischen Weinländer wie Frankreich, Italien oder Spanien exportiert. Die Firma hält Kontakt zu Ländern wie Polen, Dänemark oder Großbritannien. Insgesamt stehen Antes zufolge 40 Länder auf seiner Kundenliste, darunter Südafrika. Wein wächst sogar in Norwegen an Rebstöcken, die an der Bergstraße gezogen wurden.

Dass im Weinbaubetrieb Antes nicht nur experimentiert und theoretisiert wird, zeigt sich auf den 48 Hektar, die der Familienbetrieb im Anbaugebiet Hessische Bergstraße bewirtschaftet. Nach eigenen Angaben ist Antes damit „der größte Betrieb im kleinsten Anbaugebiet Deutschlands“. Neben dem Stammsitz in der Stadt gibt es seit 1994 den Aussiedlerhof nördlich der Nordstadt mit Gerätehalle, Kühlhäusern und Arbeitsräumen.

In der Bergsträßer Winzergenossenschaft ist Reinhard Antes Vorsitzender des Vorstands. Die Winzer eG hat damit begonnen, die „Piwi“-Sorten wie Muscaris, Solaris oder Souvignier Gris einzuführen. Die Abkürzung steht für Pilzwiderstandsfähigkeit. Damit wollen sich die Bergsträßer Winzer an die Spitze einer Bewegung zu stellen, die den Wandel im Weinberg vorantreibt. Sie präsentieren das Label „wine4future“, mit dem alles gesagt ist. ai/ü

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