Corona-Krise - Das traditionelle Lichtspielhaus ging mit „Die perfekte Kandidatin“ an den Neustart Das Saalbau-Kino zeigt wieder Filme

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dj
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Das Saalbau-Kino ist eines der wenigen Kinos in Hessen, die seit Freitag nach dem Corona-Lockdown überhaupt geöffnet haben. Natalie Soondrum war eigens aus Eberstadt angereist, um den Kinofilm „Die perfekte Kandidatin“ zu sehen. © Jährling

Heppenheim. Nicht viele Kinos in Hessen haben schon wieder geöffnet. Die Saalbau-Lichtspiele in Heppenheim sind eines davon. „Wir dürfen öffnen, also tun wir das auch. Das Kino ist schließlich ein Kulturgut“, betont Kinobetreiber Jörg Fritz.

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Kaum abwarten konnte es wohl Andreas Herdt aus Schwanheim. Er kam schon eine Stunde vor Filmbeginn. Herdt hatte im Internet nachgeschaut und das Angebot gefunden. Im angrenzenden Baden-Württemberg seien die Kinos noch nicht geöffnet, sagte er. Gezeigt wurde die „Die perfekte Kandidatin“. Herdt versprach sich von dem Film, dass er nicht so grausam und deshalb ganz gut zum Anschauen sei.

Eigens aus Eberstadt kam Natalie Soondrum mit einer Freundin ins Saalbau-Kino. Über ihren früheren Kommilitonen der Filmwissenschaften, den Produzenten des gezeigten Films, Paul Roman, habe sie über Facebook erfahren, dass „Die perfekte Kandidatin“ in Heppenheim gezeigt wird. Da sie einige Zeit in Heppenheim gelebt und das Starkenburg-Gymnasium besucht habe, kannte sie das Kino. Doch habe sie nicht gewusst, dass es überhaupt noch existiert. Sie wie zwei weitere Frauen ließen sich auf das „Abenteuer“ des ersten Kinobesuchs nach dem Lockdown ein.

Diverse Sicherheitsvorkehrungen

Zunächst einmal mussten die Formalien erledigt werden. Das Ticket gab es erst, nachdem ein Zettel mit Adresse an der Kasse abgegeben worden war. Am Eingang stand Desinfektionsmittel bereit; umgedrehte Getränkekisten markierten den Abstand. Auf einem Tisch lagen Kugelschreiber bereit, die nach Benutzung in ein gesondertes Behältnis getan werden konnten zur späteren Desinfektion. Die Sprechluke an der Kasse des Lichtspielhauses im Stile der 50er Jahre blieb geschlossen. Karte gegen Bares wechselte über die Durchreiche den Besitzer. Die fünf Kinobesucher trugen allesamt eine Mund-Nasen-Bedeckung.

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Jörg Fritz gab den Kassierer, Filmvorführer und die „Flugbegleitung“ in Personalunion. Soll heißen: Bevor es losging, gab es Einweisungen beziehungsweise Überlegungen zur Gestaltung der nächsten Wochen wie in einem Flugzeug. „Die Leute vermissen ja jetzt das Fliegen und somit die Ansage, also werde ich sie als Flugbegleiter lotsen“, sagte Fritz mit einem Schmunzeln. Im Kino wies ein Zettel – mittels Kleiderbügel befestigt – den Weg. „Durchgang“, steht darauf zu lesen. Viel Flatterband wurde benutzt, um Sitze abzusperren. Nach Möglichkeit sollten die Kinobesucher immer nur von einer Seite auf ihre Plätze gehen, um eine Begegnung zu vermeiden.

Ob seine Gäste jetzt Mund-Nasen-Schutz tragen wollten, überließ Jörg Fritz ihnen selbst. Spätestens, wenn sie ihr Getränk oder den Snack genießen wollten, müssten sie ihn sowieso absetzen, und weit genug auseinander saßen sie ohnehin. Die fünf Besucher verloren sich geradezu in dem 300 Menschen fassenden Saal. Weil neue Filme erst wieder im Juli vom Verleih in die Kinos kämen, müsse jetzt versucht werden, das Saalbau-Kino mit Programm-Inhalten zu füllen.

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Der gezeigte Film wurde für die ersten drei Tage gewählt, weil es sich bei ihm um jenen Film handelte, mit dem der Lockdown begann. Gerade einmal zwei Tage wurde „Die perfekte Kandidatin“ seinerzeit gezeigt, habe aber vielversprechende Besucherzahlen erzielt. Er handelt von einer Ärztin in Saudi-Arabien, die unzufrieden mit dem System ist und sich schließlich als Kandidatin der Gemeinde wiederfindet.

Erwähnung im Internet

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Dass der Film in der Kreisstadt gezeigt wird, war dem Magazin „Blickpunkt: Film“ sogar einen Eintrag im Internet wert. Dabei wurde ein zugeschicktes Foto mit Jörg Fritz, der das Kinoplakat betrachtet, als „Foto des Tages“ präsentiert. Dort heißt es: „2 immens erfolgreiche Tage lang lief ,Die perfekte Kandidatin‘ bundesweit in den Kinos – dann kam der Lockdown. Nun bekommt der von der Presse mit großer Aufmerksamkeit bedachte Wohlfühl-Film seinen verdienten Neustart. Viele Kinos knüpfen bei ihrer Neueröffnung nahtlos an den erfolgreichen Einsatz des Films an. Von den Saalbau-Lichtspielen in Heppenheim erreichte uns dieses Foto vom Kinobetreiber Jörg Fritz, der den Film gleich am ersten Tag der ,neuen Spielzeit’ ins Programm genommen hat.“ dj