Ausflugsziele - Im Internet schlägt die Nachricht Wellen / Stadt zeigt sich überrascht, weil noch keine Kündigung des Pachtvertrags vorliegt Betroffenheit über die Schließung des Vogelparks

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rid
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Trostlos schaut es derzeit auf dem Areal des Vogelparks aus. Die meisten Vögel wurden von den Pächtern bereits an andere Parks weitergereicht. © Lotz

Heppenheim. Irgendwo scheint es verlorengegangen zu sein, das Einschreiben an den Magistrat der Stadt, mit dem die Eheleute Teckentrup den Pachtvertrag für den Vogelpark gekündigt haben. Renate Teckentrup kann den Abschnitt vorlegen, der beweist, dass sie die Sendung auf den Postweg gebracht hat. Bei der Stadt schien es zumindest bis Anfang der Woche nicht angekommen zu sein.

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Bürgermeister Rainer Burelbach wurde aus diesem Grund am Samstag nach eigenen Worten von der Nachricht dieser Zeitung, dass der Pachtvertrag gekündigt worden sei und der Vogelpark nicht mehr öffnen wird, vollkommen überrascht. „Der Stadt liegt keine Kündigung vor“, teilte er bereits am Samstagvormittag in einem Telefonat mit. Am Montagmittag gab es noch keine neuen Nachrichten – das Kündigungsschreiben blieb unauffindbar. Weder bei der Poststelle noch in anderen Abteilungen, auch beim Kreis sei es nicht gelandet, versicherte der Rathauschef, man habe überall gesucht.

Eine unglückliche Situation für beide Seiten. Auch ein Telefonat der beiden konnte das Problem zunächst nicht lösen. Solange der Stadt eine Kündigung nicht vorliege, wolle er keine Stellung beziehen, so Burelbach, weil er weder den offiziellen Kündigungsgrund kenne noch wisse, zu welchem Datum gekündigt worden sei. Ohne dieses Hintergrundwissen könne er sich nicht äußern.

In den sozialen Medien hatte die Nachricht vom Aus des Vogelparks für eine große Resonanz gesorgt. Viele User zeigten sich traurig darüber, dass das beliebte Ausflugsziel nicht mehr öffnen wird. Nicht wenige überlegen, ob nicht doch noch mit einer Aktion und mit Spenden geholfen werden könnte. „Nun müssen wir den Verlust eines weiteren Aushängeschildes für Heppenheim betrauern“, schrieb ein Nutzer. Manch einer bedauert, dass man nun am Bruchsee kein Bierchen mehr trinken könne, andere dankten den Pächtern für ihr Engagement.

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Auch ein paar negative Kommentare gab es in den sozialen Medien, etwa, dass das Engagement der Pächter wohl nicht ausreichend gewesen sei, wenn am Ende das Geld fehlte. Wer das Ehepaar kennt, der weiß jedoch, dass beide ihr ganzes Leben nach den Vögeln ausgerichtet haben. Träger ist übrigens ein Verein. Was viele nicht wissen: Den Teckentrups wurden nicht nur Brutpaare aus dem europäischen Zuchtprogramm zur Erhaltung von Arten anvertraut, sie gaben auch vielen Vögeln, etwa Sittichen oder Papageien, ein neues Zuhause, wenn deren frühere Besitzer ihrer überdrüssig geworden waren. Darunter auch zerrupft aussehende Tiere oder Kleinpapagei „Princess“ mit den missgebildeten Flügeln.

Zwei Euro kostete der Eintritt in den Vogelpark für Erwachsene – manchen war das zu viel. Der Obolus sollte in eine Kasse am Eingang geworfen werden. „Viele sind, ohne einen Cent zu zahlen, einfach hineingelaufen. Andere warfen ein paar rote Centstücke hinein, manche haben sich beschwert, das sei zu teuer und sind gegangen“, berichtete Renate Teckentrup. „Wie soll man Futterkosten und Neuaufbau bewältigen, wenn den Besuchern schon zwei Euro zu viel sind?“ Aber es habe auch andere gegeben, solche, die schon mal einen Schein in die Kasse gesteckt hätten.

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Kritik gab es in den sozialen Medien aber vor allem an der Stadt. Nicht wenige Kommentatoren sehen diese in der Pflicht, zu helfen.

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Eine Stellungnahme kündigte Burelbach an, sobald ihm die Kündigung vorliege. Er hätte sich gewünscht, dass die Pächter vorab das Gespräch mit der Stadt gesucht hätten. Doch das haben diese nach schlechten Erfahrungen nicht getan: Vor Jahren, so Renate Teckentrup, hätten sie bei einem von Burelbachs Vorgängern im Amt des Bürgermeisters um Unterstützung gebeten. Die lapidare Antwort sei gewesen, dass ein Vogelpark nicht lebenswichtig sei. Hilfe habe es keine gegeben. Daraufhin habe man nicht mehr nachgefragt.

„Wir wollten nicht betteln“, sagt Renate Teckentrup. Und sie betont auch, die Stadt sei nicht schuld an der Schließung. Schon in der Vergangenheit haben Teckentrups immer wieder darauf hingewiesen, dass die Stadt laut Pachtvertrag nicht zur finanziellen Unterstützung des Vogelparks verpflichtet sei.

Gab es auch persönliche Reaktionen? „Viele Stammgäste haben angerufen, sind aus allen Wolken gefallen und sind traurig darüber, dass wir schließen“, schilderte Renate Teckentrup Reaktionen auf die Schließung. Es hätten sogar Menschen angerufen, die Vögeln ein neues Zuhause geben wollten. „Vielleicht gibt es ja einen Nachfolger.“

Im Rathaus haben sich am Montag sogar schon ein paar Leute gemeldet, die Interesse am Gelände geäußert hätten, so Burelbach. rid

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