Natur - Im Frühjahr zieht es die Tiere zu ihren Laichgründen, um dort Eier abzulegen / Appell an Autofahrer, langsam zu fahren Bald wandern die Kröten wieder

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jn
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Die Überquerung einer Straße ist für Amphibien wie Kröten oder Frösche eine tödliche Gefahr. © Herschel/Nabu

Heppenheim. Für den Nabu Heppenheim ist die Amphibienwanderung alljährlich eine Großaktion, die viele Helfer mobilisiert. Denn sobald sich nach dem Frost die Temperaturen auf etwa sechs bis acht Grad einpendeln und der Erdboden sich erwärmt, werden sich Molche, Kröten und Frösche wieder aus ihren Winterquartieren auf den langen Marsch begeben zu ihren angestammten Laichgewässern.

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„Der Weg dorthin ist in ihrem Gehirn wie einem Kompass folgend festgelegt“, sagt Silvia Fusch, die für den Nabu Heppenheim den Rettungseinsatz für die Tierchen koordiniert. Der Tod lauert dabei vor allem auf der Straße, denn die Tiere können sich nur langsam bewegen und haben schnell fahrenden Autos nichts entgegenzusetzen.

Kontakt

Silvia Fusch, Projektleitung Amphibienschutz, Telefon 0160/9082 4629, E-Mail: amphibienwanderung@gmail.com.

Weitere Infos gibt es auch auf der Homepage des Nabu Heppenheim auf www.krötenretter.de. jn

„Prinzen brauchen Shuttle-Service“, das Motto beim Nabu, bedeutet, dass hier der Mensch eingreifen muss, um möglichst vielen Amphibien auf ihrem mehrere Wochen dauernden Zug zum Laichgewässer und zurück das Leben zu retten. Helfer errichten mobile Amphibienzäune, an denen die Tiere in Eimern aufgefangen und anschließend über die Fahrbahnen getragen werden, damit sie ihre Wanderung unbeschadet fortsetzen können.

Der Nabu Heppenheim koordiniert die verschiedenen Einsatzgebiete im Süden des Kreises Bergstraße, aktuell in Viernheim, Bürstadt, am Jägersburger Wald, in Einhausen, Mittershausen, Scheuerberg, Mitlechtern und am Kreiswald in Albersbach. Wobei neben den zuvor bekannten Wanderrouten immer wieder neue Strecken entdeckt werden, denn die Tiere müssen jedes Jahr auch mit unerwarteten Hindernissen klar kommen: Neubaugebiete oder Parkplätze sind zwischenzeitlich entstanden, Umgehungsstraßen gebaut oder Steinbrüche verfüllt worden. Selbst in Waldgebieten, wenn sie befahrbar sind, droht ihnen Ungemach.

Helfer für die Einsätze gesucht

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Silvia Fusch wohnt in Mittershausen und wird, sobald es losgeht, selbst Nacht für Nacht vor ihrer Haustür im Einsatz sein. Helfer sucht sie händeringend Jahr für Jahr: für das Aufstellen der Zäune und für die Kontrolle der Eimer jeweils morgens bis etwa 10 Uhr und abends ab etwa 19.30 Uhr bis Mitternacht. Dort, wo keine Zäune stehen, müssen Kröten, Molche und Frösche auch per Hand von der Fahrbahn gesammelt werden. Helfer, die nur sporadisch oder an Wochenenden mitmachen können, sind ebenso willkommen wie Kinder, die mit Eltern oder Großeltern dabei sein wollen.

Vorkenntnisse braucht es nicht: Eimer, Taschenlampe, Warnweste, Handschuhe und festes Schuhwerk sollte man parat haben, auch ein Smartphone oder Notizzettel für die Dokumentation, da Anzahl und Art der Amphibien aufgelistet werden müssen.

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Im Vorjahr ist es den Helfern gelungen, 11 000 (zum Vergleich: 2019: 8366) Kröten, Frösche, Molche, Zauneidechsen, Feuersalamander und Blindschleichen vor dem sicheren Tod zu bewahren, 4500 davon in Viernheim – hier müssen die Tierchen sogar zwei stark befahrene Straßen queren, den Lorscher Weg und die L 3111.

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„Wir appellieren an alle, die mit einem Fahrzeug unterwegs sind, dringend die gebotene Geschwindigkeitsbegrenzung, vielerorts Tempo 30, einzuhalten, damit zum einen die Helfer nicht gefährdet werden, zum anderen die Tiere, die außerhalb der Zäune wandern, nicht am Barotrauma sterben“, so Silvia Fusch. „Auf Bundesstraßen zum Beispiel ist es nicht möglich, Tempo 30 einzurichten, dort gilt dann oft Tempo 60.“ Und schon diese Geschwindigkeit wird den Amphibien, wenn sie auf oder sogar nur neben der Straße sitzen, zum Verhängnis. Denn der Luftsog, den die Autos erzeugen, bringt ihre empfindlichen Organe unweigerlich zum Platzen – ein grausamer Tod.

Fusch appelliert daher an die Autofahrer, die Amphibienwanderung im Hinterkopf zu behalten und langsam zu fahren. Hilfreich sei es zudem, den Nabu zu informieren, wenn einem eine Krötenwanderung auffällt, bei der die Umweltschützer noch nicht vor Ort sind. jn