Energiewende - Beim Online-Workshop von Haus am Maiberg und Fridays for Future Bergstraße suchen junge Leute Auswege aus der Klimakrise Auf die Kraft von Sonne und Wind setzen

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rid
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Die Solaranlage auf dem Dach der Geschwister-Scholl-Schule in Bensheim ist laut der Energiegenossenschaft Starkenburg seit Mai vergangenen Jahres in Betrieb – 24 Tonnen CO würden dadurch jährlich eingespart. © Thomas Neu

Heppenheim. „Steigt Eurer Schule mal aufs Dach!“ Micha Jost von der Energiegenossenschaft Starkenburg meint das wortwörtlich. Denn gerade die Dächer von Schulen eignen sich seiner Meinung nach bestens, um dort Photovoltaik zu installieren. Vorgemacht hat es die Genossenschaft in Zusammenarbeit mit Schülern, Eltern und Lehrern an der Bensheimer Geschwister-Scholl-Schule. Es war nur einer der praktischen Tipps, was jeder Einzelne zum Klimaschutz beitragen kann.

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Eigentlich hatte das Haus am Maiberg gemeinsam mit dem Orgateam von Fridays for Future (FFF) Bergstraße ein Klimacamp am Maiberg geplant, um das zweijährige Jubiläum von FFF zu feiern. Wegen Corona gab es stattdessen am Samstag einen Online-Nachmittagsworkshop unter dem Titel „Energie – bitte wenden!“, der mit rund 30 engagierten jungen Heranwachsenden gut besucht war. Alexander Mack, Referent für politische Jugendbildung am Haus am Maiberg, leitete die Veranstaltung.

„Treibhausgas stoppen“

Zwei Vorträge eröffneten den Nachmittag. Publizist Jürgen Eiselt von Scientists for Future ist seit den 1980er Jahren Klimaaktivist und unter anderem Blogger bei der Europäischen Energiewende Community. Er schilderte Fakten zur Erderwärmung durch den Treibhauseffekt. Wenn sich nicht grundlegend und schnell etwas ändere, „besteht die Gefahr des Endes der menschlichen Zivilisation“, malte er ein düsteres Zukunftsbild. Eiselt forderte ein rasches Einstellen von Treibhausgas-Emissionen. Saubere Energie sei im Überfluss vorhanden, die Sonne strahle das 8000fache des Weltenergiebedarfs auf die Erde und ist damit „der größte Energielieferant aller Zeiten“. Mit dezentralen und erneuerbaren Energiesystemen ließe sich der Ausstoß von Methan und CO2 drastisch reduzieren. Für Eiselt herrscht ein krasses Missverhältnis zwischen dem, was die Bundesregierung plant, und dem, was gemacht werden muss.

Entscheidende kommunale Ebene

Micha Jost von der Energiegenossenschaft Starkenburg überschrieb seinen Vortrag mit den Worten „Machen ist wie wollen – nur krasser“. Er zeigte auf, dass man sehr wohl etwas bewegen könne, wenn Bürger sich zusammenschließen. Die Energiegenossenschaft, die es seit gut zehn Jahren gibt, habe mittlerweile mehr als 100 Mitglieder. Sie sei unabhängig von Kommunen, Banken, Energieversorgern, Parteien und Verbänden. Auf der Agenda steht der Ausbau aller erneuerbaren Energien, der Verkauf von Bürgerstrom, der Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Mobilität. Jost sagt, dass es sich auf der kommunalen Ebene entscheide, ob etwas zur Realität werde. Die Genossenschaft kann derzeit 20 000 Menschen mit Strom versorgen. Man verfüge beispielsweise über drei eigene Windräder, Bürgersolaranlagen und eine Biogasanlage. Die Solaranlage auf dem Dach der Geschwister-Scholl-Schule ist Jost zufolge seit Mai 2020 in Betrieb – 24 Tonnen CO2 würden dadurch jährlich eingespart.

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Nächstes Projekt wird das Dach des Kanuclubs Lampertheim sein. „Man kann viel auf den Weg bringen. Nur schauen, was nicht geht, das ist kaum noch auszuhalten“, so Jost. Sein Wunsch: an die großen Speditionen heranzukommen, um deren Dächer mit Photovoltaik auszurüsten. Katja Knoch vom Klimabündnis Bergstraße wies auf den bundesweiten „Wattbewerb“ hin, der eine Verdopplung der Photovoltaik in den Städten zum Ziel habe.

Drei-Stunden-Workshop

In Kleingruppen tauschten sich die Teilnehmer im Anschluss aus. Es gab Praktisches mit an die Hand – etwa, wie man eine Demo organisiert und anmeldet, wo man sich engagieren kann, wie man öffentlichen Druck erzeugen kann. Fragen, was man schon beim täglichen Einkauf fürs Klima tun könne, wurden ebenfalls angerissen. Nach rund drei Stunden war der Workshop beendet, demnächst wird man auf der Homepage des Haus am Maiberg das ein oder andere zum Thema finden. Der nächste bundesweite FFF-Streiktag ist voraussichtlich der 19. März. rid