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Stadtgeschichte

Als gegen den Heppenheimer Posthalter Werle Beschwerde geführt wurde

Von 
Hermann Müller
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Ein Foto der alten Posthalterei in Heppenheim um 1960 aus dem Bildarchiv des Heppenheimer Geschichtsvereins. © Geschichtsverein Heppenheim

Heppenheim. Beim Stöbern in der Findmitteldatenbank des Staatsarchivs Würzburg wurde vom Verfasser dieses Zeitungsberichtes kürzlich eine Akte mit der Kurzbeschreibung „Beschwerde des Grafen von Solms gegen den Posthalter Werle zu Heppenheim wegen verweigerter Postpferde und grober Behandlung“ aufgespürt. Angeregt von der Ausstellung „Heppenheim – Ein Reiseziel an der Bergstraße im 19. und 20. Jahrhundert“ und dem Zeitungsbericht über die Postbrücke zwischen Heppenheim und Lorsch, wurde die Akte ausgewertet. Die Ereignisse führen in eine Zeit, in der das Reisen viel beschwerlicher war und der Adel um seine Anerkennung und Macht fürchtete.

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Adeliger beschwert ich über Bürger

Dass sich ein Adeliger über einen Bürger beschwerte, der im Dienst der Kaiserlichen Reichspost in den Händen der Fürsten von Thurn und Taxis stand, gibt der Streitsache eine besondere Note.

In der Akte werden der Graf von Solms-Rödelheim und der Posthalter Mathias Werle namentlich ohne weitere Informationen genannt. Der angeklagte Posthalter war ein Sohn des wohlhabenden vorherigen Posthalters Johannes Werle. Mathias Werle wurde 1752 geboren und übernahm 1779 stellvertretend die Aufgabe des Posthalters von seinem Vater.

Der klagende Graf, den Werle nach eigener Aussage nicht kannte und von ihm als „junge Herrschaft“ eingestuft wurde, hieß Volrath Friedrich Carl Ludwig zu Solms-Rödelheim und Assenheim und wurde 1762 in Assenheim geboren. Zum Zeitpunkt seiner Beschwerde war er nach dem Studium auf Reisen, ledig und Mitglied der Freimaurerloge. Erst 1790 sollte er die Reichsgrafschaft nach dem Tode seines Vaters übernehmen.

Am 30. Juni 1786 war der junge Graf von Solms mit der Postkutsche auf dem Weg von Darmstadt nach Mannheim. An der Poststation in Heppenheim sollten die vier Postpferde gewechselt werden. Da es schon 18.30 Uhr war und um 22 Uhr die Stadttore in Mannheim geschlossen wurden, lehnte der Posthalter die Bereitstellung von Pferden ab. Nach Angaben des Grafen benahm sich Werle „höchst unartig und ordnungswidrig“.

Werle hingegen erklärte, dass man von ihm zu dieser Zeit erwartete, dass er Unmögliches möglich machen sollte. Der Postweg führte über die Postbrücke nach Lorsch und von dort nach Mannheim. Werle berichtete, dass dieser Weg „ein sehr böser Weg“ sei. Von Lorsch bis Mannheim „ist 5 Stunden und lauter bößen Sand wo fast nicht möglich ist, anders als einen Schritt zu fahren“.

Er berichtete auch, dass der Baron von Groschlag [Friedrich Carl Willibald Freiherr von Groschlag zu Dieburg] mit seiner Frau Gemahlin vor ungefähr einem halben Jahr zwischen Lorsch und Heppenheim „bey Tag halten geblieben, wo die Herrschaft sowohl als auch die Bedienten absteigen mussten, und wo die Schuhe der gnädigen Frau von Groschlag in dem Morast stecken geblieben, und hat dieselbe ohne Schuhe auf der Poststation hier ankommen“.

Der Rechtsstreit war kompliziert. Das Oberamt Starkenburg bat die Landesregierung um eine Entscheidung. Diese bewertete die Angelegenheit als Dienstverfehlung und gab sie an das Kaiserliche Ober-Postamt weiter. Diesem rechtfertigte Werle sein Handeln sehr ausführlich. Über das Ergebnis ist leider nichts bekannt. Hermann Müller

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